Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Moschus 
285 
Moschus 
richtet und am Rande abgeschoren. Der beim 
Aufschneiden des Beutels gewonnene M. zeigt 
im getrockneten Zustande eine schwarzbraune 
oder dunkelrötlichbraune Farbe und bildet eine 
lockere, krümlige Masse, die zum Teil aus 
Körnchen und-Klümpchen von der Größe eines 
Stecknadelkopfes bis einer Erbse besteht. Der 
Geschmack ist bitter, der Geruch stark und sehr 
charakteristisch. Unter dem Mikroskop lassen 
sich braune und weiße Körnchen von unregel 
mäßiger Form, Öltröpfchen, Epithelien und 
Haare erkennen. Auf Papier gibt der trockne 
Tonkin-M. einen braunen Strich. Die haupt 
sächlich über Kanton und Schanghai erfolgende 
Ausfuhr betrug in den letzten Friedensjahren 
etwa 900—1200 Catties zu 1I/2 Pfund, der Preis 
gegen 260 M. für 100 g M. in vesicis und 320 M. 
für M. ex vesicis. Die feinste Sorte Tonkin-M. 
wird als „pile I all Mueskins“ bezeichnet und 
besteht aus gut beschnittenen, ausgesuchten Beu 
teln, von denen die äußere Haut zu zwei Dritteln 
abgezogen worden ist. Andere Sorten sind 
pile I, pile II und pile III. — Der kabar 
dinische M. (russische, sibirische M.) ist 
die am meisten gehandelte Moschussorte, die aus 
dem südlichen Sibirien stammt und über Peters 
burg zum Teil nach China, zum Teil nach Eng 
land. Deutschland usw. ausgeführt wird. Die 
jährliche Sendung nach dem Westen beträgt 
etwa 10—12000 Beutel (250 kg). Die Verpak- 
kung erfolgt in verlöteten Blechkisten von 2 bis 
6 kg Inhalt, die wieder in Holzkisten eingesetzt 
sind. Die Beutel sind größer, länglichoval oder 
birnenförmig, sehr platt und auf der unteren 
unbehaarten Seite schmutzig gelbbraun und ge 
runzelt. Die auf der Oberseite gewöhnlich kurz 
geschnittenen Haare sehen silberfarben oder 
bräunlich aus. Der Moschus bildet eine knet 
bare, nicht körnige Masse von hellbrauner Farbe 
und erzeugt auf Papier einen hellbraunen 
Strich. Der russische M. riecht etwas urinös, an 
Pferdeschweiß erinnernd und wird nicht in Apo 
theken, sondern nur zu Parfümeriezwecken be 
nutzt. Der Preis beträgt nur Vs—-Va von dem 
jenigen des Tonkin-M. — Von weniger wich 
tigen Moschussorten sind zu erwähnen der Yün- 
nan-M., der Taupi-M. und der Assam-M. 
Her Yünnan-M., nach der gleichnamigen chine 
sischen Provinz benannt, der meist in China 
selbst verbraucht und höchstens in geringer 
Stenge nach Japan ausgeführt wird, besteht aus 
fast kugelrunden dickhäutigen Beuteln von glat- 
tfi r, unbehaarter Oberfläche. Der Inhalt ist 
gelblichbraun mit einem Stich ins Rötliche und 
v °n sehr feinem Geruch. Der ebenfalls aus 
China stammende Taupi-M., der in zwei Sorten 
(Tonkin-Taupi und Yünnan-Taupi) in 3—4 cm 
breiten Beuteln ohne äußere und Muskelhaut 
v °rkommt, gilt als sehr fein, wird aber fast noch 
tttehr als der Tonkin-M. verfälscht. Der Assam- 
oder bengalische M. hat ziemlich große 
, e utel, die dem chinesischen M. sehr ähnlich 
®tnd, aber oft kugelige oder abgestumpft kegel 
förmige Gestalt besitzen. — Die Moschusbeutel 
Enthalten im Durchschnitt 50% ihres Gewichtes 
"loschus. Sie werden entleert, indem man sie 
einen Bogen glattes Papier legt, die un- 
ehaarte Seite durch einen kreisförmigen Schnitt 
1,111 einem scharfen Messer abtrennt und den 
Inhalt herauskratzt. Dann sucht man die Haut 
teilchen und Haare mit einer Pinzette heraus 
und bringt den M. sofort in kleine Gläser, 
die man sehr gut verschließt. Ist der M. noch 
feucht, so trocknet man ihn im Exsikkator über 
Schwefelsäure oder Chlorkalzium. — Die ent 
leerten Moschusbeutel bilden eine Handels 
wäre für sich und werden von den Parfümeuren 
zur Bereitung einer geringeren Sorte von Mo 
schustinktur gekauft; das Stück kostet ungefähr 
1 M. — Auch den aus den Beuteln entnom 
menen, sog. „ausgemachten“ M. (Moschus ex 
vesicis) kann man übrigens direkt im Handel 
bekommen, und zwar sowohl in Klümpchen als 
auch in Pulverform. Er kommt in der Regel von 
in Europa geöffneten Beuteln,, wird aber bis 
weilen auch aus China und Asien in Metall 
büchsen eingeführt. — Der M. enthält außer 
verschiedenen unwesentlichen Bestandteilen als 
wichtigsten den Riechstoff, dessen Konstitution 
noch nicht völlig aufgeklärt ist. Doch gelang es 
1906 der Firma Schimmel & Co., aus dem M. 
ein dickes, farbloses Öl, das Muskon, zu iso 
lieren, ein Keton von der Formel C 16 H 2S 0 bzvv. 
C 16 H 30 O, das der alleinige Träger des Moschus 
geruchs ist. Es siedet unter einem Druck von 
752 m bei 327—330 0 , hat ein spez. Gew. von 
0,927 und eine spez. Drehung von — 10. 
Völlig ausgetrockneter M. ist fast ohne Geruch, 
nimmt aber angefeuchtet denselben allmählich 
in dem früheren Grade wieder an. Auch geht 
der Geruch verloren, wenn man M. mit gewissen 
Sulfaten oder Goldschwefel, Schwefelmilch, Kamp 
fer, Chinin, Senföl, Mutterkorn usw., vermischt, 
wird aber beim Anfeuchten des Gemisches mit 
Salmiakgeist wieder hergestellt. Tierkohle ab 
sorbiert den Riechstoff des M. vollständig. De 
stilliert man M. unter Wasserzusatz, so enthält 
das Destillat stets Ammoniak, dessen Menge 
nach Hager aber 15% nicht überschreiten darf. 
Neben 10—14 % Wasser sind 6—8% Asche vor 
handen, im übrigen besteht M. aus für seine 
Wirkung wertlosen Stickstoffsubstanzen, Harzen, 
Wachs. Cholesterin und organischen Säuren. Kal 
tes Wasser löst bis zu */*, kochendes bis zu */ s 
auf, 900/oiger Weingeist 10—12 0/0, Benzin, 
Chloroform und Terpentinöl nur wenig. Die 
wäßrige Lösung des Tonkin-M. wird durch 
Sublimat nur getrübt, während der kabardinische 
M. damit eine Fällung gibt. — Infolge seines 
hohen Preises ist der M., besonders der Ton- 
kin-M., vielen Verfälschungen unterworfen. — 
Als Verfälschungsmittel dienen, bei den Mo 
schusbeuteln hauptsächlich Bleischrot, Zinnober, 
Lehm, Glas, Sand, Asphalt, Katechu, Guano, 
Stärkemehl, Blut, zerriebenes Holz usw. sowie 
nachgebildete Beutel, bei dem „ausgemachten“ 
M. namentlich getrocknetes Blut und getrock 
nete Galle. Besonders die Chinesen verstehen 
es ausgezeichnet, durch Verfälschungskünste die 
Käufer zu übervorteilen. Der sog. Wampoo- 
M. ist zum Beispiel ein aus Häuten des Mo 
schustieres künstlich zusammengenähter Beutel, 
der mit getrocknetem Blut, Salmiak und etwas 
M. gefüllt ist. Auch die kabardinischen Mo 
schusbeutel werden häufig den chinesischen Beu 
teln im Äußeren täuschend ähnlich gemacht 
und ihnen untergeschoben. In vielen Fällen 
entnimmt man dem Moschusbeutel durch eineNo full text available for this image
	        
No full text available for this image
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.