Moschus
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Moschus
richtet und am Rande abgeschoren. Der beim
Aufschneiden des Beutels gewonnene M. zeigt
im getrockneten Zustande eine schwarzbraune
oder dunkelrötlichbraune Farbe und bildet eine
lockere, krümlige Masse, die zum Teil aus
Körnchen und-Klümpchen von der Größe eines
Stecknadelkopfes bis einer Erbse besteht. Der
Geschmack ist bitter, der Geruch stark und sehr
charakteristisch. Unter dem Mikroskop lassen
sich braune und weiße Körnchen von unregel
mäßiger Form, Öltröpfchen, Epithelien und
Haare erkennen. Auf Papier gibt der trockne
Tonkin-M. einen braunen Strich. Die haupt
sächlich über Kanton und Schanghai erfolgende
Ausfuhr betrug in den letzten Friedensjahren
etwa 900—1200 Catties zu 1I/2 Pfund, der Preis
gegen 260 M. für 100 g M. in vesicis und 320 M.
für M. ex vesicis. Die feinste Sorte Tonkin-M.
wird als „pile I all Mueskins“ bezeichnet und
besteht aus gut beschnittenen, ausgesuchten Beu
teln, von denen die äußere Haut zu zwei Dritteln
abgezogen worden ist. Andere Sorten sind
pile I, pile II und pile III. — Der kabar
dinische M. (russische, sibirische M.) ist
die am meisten gehandelte Moschussorte, die aus
dem südlichen Sibirien stammt und über Peters
burg zum Teil nach China, zum Teil nach Eng
land. Deutschland usw. ausgeführt wird. Die
jährliche Sendung nach dem Westen beträgt
etwa 10—12000 Beutel (250 kg). Die Verpak-
kung erfolgt in verlöteten Blechkisten von 2 bis
6 kg Inhalt, die wieder in Holzkisten eingesetzt
sind. Die Beutel sind größer, länglichoval oder
birnenförmig, sehr platt und auf der unteren
unbehaarten Seite schmutzig gelbbraun und ge
runzelt. Die auf der Oberseite gewöhnlich kurz
geschnittenen Haare sehen silberfarben oder
bräunlich aus. Der Moschus bildet eine knet
bare, nicht körnige Masse von hellbrauner Farbe
und erzeugt auf Papier einen hellbraunen
Strich. Der russische M. riecht etwas urinös, an
Pferdeschweiß erinnernd und wird nicht in Apo
theken, sondern nur zu Parfümeriezwecken be
nutzt. Der Preis beträgt nur Vs—-Va von dem
jenigen des Tonkin-M. — Von weniger wich
tigen Moschussorten sind zu erwähnen der Yün-
nan-M., der Taupi-M. und der Assam-M.
Her Yünnan-M., nach der gleichnamigen chine
sischen Provinz benannt, der meist in China
selbst verbraucht und höchstens in geringer
Stenge nach Japan ausgeführt wird, besteht aus
fast kugelrunden dickhäutigen Beuteln von glat-
tfi r, unbehaarter Oberfläche. Der Inhalt ist
gelblichbraun mit einem Stich ins Rötliche und
v °n sehr feinem Geruch. Der ebenfalls aus
China stammende Taupi-M., der in zwei Sorten
(Tonkin-Taupi und Yünnan-Taupi) in 3—4 cm
breiten Beuteln ohne äußere und Muskelhaut
v °rkommt, gilt als sehr fein, wird aber fast noch
tttehr als der Tonkin-M. verfälscht. Der Assam-
oder bengalische M. hat ziemlich große
, e utel, die dem chinesischen M. sehr ähnlich
®tnd, aber oft kugelige oder abgestumpft kegel
förmige Gestalt besitzen. — Die Moschusbeutel
Enthalten im Durchschnitt 50% ihres Gewichtes
"loschus. Sie werden entleert, indem man sie
einen Bogen glattes Papier legt, die un-
ehaarte Seite durch einen kreisförmigen Schnitt
1,111 einem scharfen Messer abtrennt und den
Inhalt herauskratzt. Dann sucht man die Haut
teilchen und Haare mit einer Pinzette heraus
und bringt den M. sofort in kleine Gläser,
die man sehr gut verschließt. Ist der M. noch
feucht, so trocknet man ihn im Exsikkator über
Schwefelsäure oder Chlorkalzium. — Die ent
leerten Moschusbeutel bilden eine Handels
wäre für sich und werden von den Parfümeuren
zur Bereitung einer geringeren Sorte von Mo
schustinktur gekauft; das Stück kostet ungefähr
1 M. — Auch den aus den Beuteln entnom
menen, sog. „ausgemachten“ M. (Moschus ex
vesicis) kann man übrigens direkt im Handel
bekommen, und zwar sowohl in Klümpchen als
auch in Pulverform. Er kommt in der Regel von
in Europa geöffneten Beuteln,, wird aber bis
weilen auch aus China und Asien in Metall
büchsen eingeführt. — Der M. enthält außer
verschiedenen unwesentlichen Bestandteilen als
wichtigsten den Riechstoff, dessen Konstitution
noch nicht völlig aufgeklärt ist. Doch gelang es
1906 der Firma Schimmel & Co., aus dem M.
ein dickes, farbloses Öl, das Muskon, zu iso
lieren, ein Keton von der Formel C 16 H 2S 0 bzvv.
C 16 H 30 O, das der alleinige Träger des Moschus
geruchs ist. Es siedet unter einem Druck von
752 m bei 327—330 0 , hat ein spez. Gew. von
0,927 und eine spez. Drehung von — 10.
Völlig ausgetrockneter M. ist fast ohne Geruch,
nimmt aber angefeuchtet denselben allmählich
in dem früheren Grade wieder an. Auch geht
der Geruch verloren, wenn man M. mit gewissen
Sulfaten oder Goldschwefel, Schwefelmilch, Kamp
fer, Chinin, Senföl, Mutterkorn usw., vermischt,
wird aber beim Anfeuchten des Gemisches mit
Salmiakgeist wieder hergestellt. Tierkohle ab
sorbiert den Riechstoff des M. vollständig. De
stilliert man M. unter Wasserzusatz, so enthält
das Destillat stets Ammoniak, dessen Menge
nach Hager aber 15% nicht überschreiten darf.
Neben 10—14 % Wasser sind 6—8% Asche vor
handen, im übrigen besteht M. aus für seine
Wirkung wertlosen Stickstoffsubstanzen, Harzen,
Wachs. Cholesterin und organischen Säuren. Kal
tes Wasser löst bis zu */*, kochendes bis zu */ s
auf, 900/oiger Weingeist 10—12 0/0, Benzin,
Chloroform und Terpentinöl nur wenig. Die
wäßrige Lösung des Tonkin-M. wird durch
Sublimat nur getrübt, während der kabardinische
M. damit eine Fällung gibt. — Infolge seines
hohen Preises ist der M., besonders der Ton-
kin-M., vielen Verfälschungen unterworfen. —
Als Verfälschungsmittel dienen, bei den Mo
schusbeuteln hauptsächlich Bleischrot, Zinnober,
Lehm, Glas, Sand, Asphalt, Katechu, Guano,
Stärkemehl, Blut, zerriebenes Holz usw. sowie
nachgebildete Beutel, bei dem „ausgemachten“
M. namentlich getrocknetes Blut und getrock
nete Galle. Besonders die Chinesen verstehen
es ausgezeichnet, durch Verfälschungskünste die
Käufer zu übervorteilen. Der sog. Wampoo-
M. ist zum Beispiel ein aus Häuten des Mo
schustieres künstlich zusammengenähter Beutel,
der mit getrocknetem Blut, Salmiak und etwas
M. gefüllt ist. Auch die kabardinischen Mo
schusbeutel werden häufig den chinesischen Beu
teln im Äußeren täuschend ähnlich gemacht
und ihnen untergeschoben. In vielen Fällen
entnimmt man dem Moschusbeutel durch eineNo full text available for this image
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