Pergamentpapier
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Perlen
zur Herstellung von Büchereinbänden, Trommelund
Paukenfellen und von Siebböden zum Körnen
des Schießpulvers, und zwar für letzteren
Zweck P. aus Schweinehaut. Zur Darstellung
der besten Sorten P. benutzt man Kalbfelle, für
geringere Hammel-, Schaf-, Ziegen- und Bockfelle
und für das dünnste, sog. Jungfernpergament,
Felle von jungen Ziegen und
Lämmern.
Pergamentpapier (Papierpergament, lat.
Charta pergamensis, frz. Parchemin vügütal,
Papier parchemin, engl. Parchment paper, Vegetable
parchment) nannte man ursprünglich
starkes oder zusammengeklebtes Papier, das
einen Überzug von Kreidebleiweiß- oder Zink-Weißleimfarbe
oder Ölfarbe erhalten hat, so daß
es, wie das Schreibpergament, mit Bleistift beschrieben
und von der Schrift oder Zeichnung
nieder befreit werden kann. Dieses P. wird
als falsches Pergament bei Notizbüchern, kleinen
Schreibtafeln und Skizzenbüchern verwandt.
Weiter bezeichnet man so das aus rohem
Flachs, Hanf oder Aloefasern in der Bütte
oder auf der Papiermaschine hergestellte, sehr
feste, fast durchscheinende Papier, das ganz
besonders schön von Canson und Montgolfier
tu Annonay bereitet wird und hauptsächlich
zum Verpacken feiner Waren für den Seev
ersand dient. Und schließlich führt die gleiche
Bezeichnung das künstliche Parchemin ani-Uial,
das aus Tiersehnen, Därmen und Plautubfällen
nach erfolgter Zerkleinerung durch
Kochen mit Alkalien und Mahlen in der Holländermühle
sowie durch Schöpfen aus der Bütte
tuit Papierformen hergestellt wird und außer zu
Verpackungen auch zu Kartuschen für Kanonen
dient. — Jetzt versteht man unter P. oder
vegetabilischem Pergament (Papyrin,
Bapyrolin) hauptsächlich das durch Einwirkung
vpn Schwefelsäure auf ungeleimtes Papier sich
bildende Erzeugnis. Zu seiner Darstellung wird
Papierstoff mehrere Sekunden lang in Schwefelsäure
von 6o° Be eingetaucht und dann sorgfältig
ausgewaschen. Durch Einwirkung der
starkep Säure wird ein Überzug von kolloidaler
Zellulose (Amyloid oder Hydrozellulöse) gebildet,
der in Wasser unlöslich ist, die Poren
Sieichmäßig ausfüllt und das Papier durchscheinend
und pergamentähnlich macht. Bei
dieser Behandlung nimmt das Gewicht und der
Flächeninhalt um io o/ 0 , die Dicke um 30 bis
4°% ab, während das spez. Gew. um 30 bis
49% und die Festigkeit um das 4—5 fache zubtrrtmt,
so daß die Festigkeit sich sogar zu der-Ipügen
des echten Pergaments wie 4:3 verhält.
Matt der Schwefelsäure bedient man sich auch
wäßriger Lösungen von Zinkchlorid oder von
Kupferoxydammoniak. Das P. wird dann gep°cknet,
mit Paraffinöl überzogen und zwischen
er hit z ten Walzen geglättet. Durch Behandlung
gefärbter Papiere, deren Farbstoff der Einwirj
Un g der Schwefelsäure widersteht (Anilinw
r ben), kann man sehr schöne Leder- und
(Uaroquinpapiere erzeugen. — Das P. wird in
Jasser weich und schlaff und kann daher ge-I
aschen und gebügelt werden. Kochenden
Uauge.n widersteht es, wird aber durch konzenjvprte
Schwefelsäure und heiße Salzsäure unter
udung von Zucker langsam gelöst. Mit konzentrierter
Salpetersäure gibt es das noch dichtere
und festere Nitro-P., das nach dem Eintauchen
in Schwefelsäure glasartig durchsichtig
und gegen Säuren unangreifbar erscheint, jetzt
aber von Kalilauge gelöst wird. — P. findet
vielfache Anwendung als Ersatz der tierischen
Blase und des echten Pergaments zum Verschließen
von Gefäßen mit flüssigem Inhalt,
weil es nicht fault und für Gase undurchdringlich
ist. Weiter dient es zur Umhüllung von
Butter und Fleischwaren und zur Herstellung
künstlicher Wurstdärme, zu Betteinlagen für
Kinder und Kranke, zum Bekleiden feuchter
Wände und als Diaphragma für Osmose. Wegen
seiner Festigkeit und Glättbarkeit benutzt man
es zu Kalanderwalzen, Glättkartons, Kindertrommeln
und Bucheinbänden. Die Vereinigung
zweier Stücke von P. erfolgt in frischem Zustande
einfach durch Drücken, sonst durch
Leimen der mit Spiritus erweichten Ränder.
Das zum Einwickeln von Nahrungsmitteln bestimmte
P. erhält zur Erzielung großer Geschmeidigkeit
bisweilen Zusätze von Glyzerin,
Traubenzucker, Molligen (Invertzuckersirup),
die unter Umständen ein Verschimmeln der
Ware (Margarine) begünstigen. Auch sind bisweilen
Eisensalze, die der Butter einen bitteren
Geschmack und schlechte Farbe verleihen sowie
unzulässige Konservierungsmittel (Borsäure)
auf gefunden worden. Nach Burr soll Einwickelpapier
nicht mehr als io«/ 0 wasserlösliche
Stoffe, 8 0/0 Zucker und 4 0/0 Asche enthalten.
Die Margarinefabrikanten halten Glyzerin für
einen besseren Zusatz als Zucker.
Perkal, ein ursprünglich ostindisches, zurzeit
aber ausschließlich aus inländischen Webereien
in den Handel gebrachtes feines und dichtes,
weißes Baumwollgewebe nach Leinwandart,
kommt dem Kambrik nahe und ist nur etwas
feiner als dieser. Er findet sich in sehr vielen
verschiedenen Feinheitsgraden und wird mit
Garnen von Nr. 36—120 hergestellt, Die aus
den stärkeren Garnen Nr. 36—60 gewebten,
zum Druck bestimmten P. sind identisch mit
Kaliko und werden Druckperkals genannt.
Die feinsten hierher gehörigen Stoffe sind immer
noch etwas dichter als Musselin und führen
die Bezeichnung Batistmusselin. Die Stoffe
können glatt, kariert, gestreift, gefärbt und gedruckt
sein. »
Perlen (frz. Perles, engl. Pearls), die im
Innern von Muscheln auftretenden rundlichen,
ovalen oder auch unregelmäßig geformten Gebilde
aus kohlensaurem Kalk, sind Krankheitserscheinungen,
die durch eine Verletzung der
Schale oder den ständigen Reiz eines von
außen eingedrungenen Fremdkörpers hervorgerufen
werden. Zur Bekämpfung des Reizes
überzieht das Tier den Eindringling, meist
ßandwurmlarven (Tetrarhynchus unionifaktor,
Thyloccphalum margaritifera), Sandkörner und
dgl., mit kohlensaurem Kalk, der in unendlich
feinen Schichten nach und nach abgelagert wird
und durch Interferenz das bekannte schöne
Farbenspiel hervorruft. Perlen können in jeder
Muschel auftreten, zeigen sich aber am häufigsten
und größten in der Seeperlmuschel
(Meleagrina oder Avicula margaritifera), die gesellschaftlich
in den tieferen Küstengewässern