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— Das Fritten- oder weiche Porzellan
ist kein eigentliches P., da es keinen Tonzusatz
erhält, sondern ein aus Soda, Kochsalz, Salpeter,
Alaun, Gips, Schwerspat und Sand mit einem
Grundkörper aus Kreide und Mergel hergestelltes
Glas. Es stellt eine weiße, durchscheinende,
dem chinesischen Porzellan ähnliche Masse dar.
Als Glasur bedient man sich eines Gemisches von
Soda, Mennige und Borax. Wegen seiner leichten
Schmelzbarkeit und geringen Widerstandsfähigkeit
gegen Temperaturwechsel wird es nur
noch zu Schaustücken verwandt. Eine Unterabteilung
des Frittenporzellans bildet das englische
oder natürliche Weichporzellan, das
Wegen der Verwendung von Knooheinasche auch
Knoche n porzellan genannt wird. Zu seiner
Darstellung wird ein Gemisch von Kaolin, plastischem
Ton, Feuerstein und Knochenasche bei
verhältnismäßig niedriger Temperatur gebrannt
Und mit einer Glasur von Feldspat, Feuerstein
Borax und Bleiglas überzogen. Das dritte Weich-Porzellan
endlich, das Seger-P., besteht aus
einem Grundkörper von Ton, Quarz und Feldspat,
auf den nach dem Brennen eine Feldspatglasur
aufgetragen wird. — Unglasiertes Porzellan,
zu dem das Biskuit-, Statuen- oder
Figurenporzellan gehört, besteht aus der Masse
des echten Hartporzellans, die nur einen höheren
Zusatz von Flußmitteln erhält und ohne Glasur
stärker gebrannt wird. — P. ist einer der wichtigsten
Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens
und findet in seinein verschiedenen Sorten
zu Küchengeschirren, chemischen Apparaten und
Kunstgegenständen der mannigfaltigsten Art ausgedehnte
Anwendung.
Pottasche (Potasche, kohlensaures Kali,
kohlensaures Kalium, Kaliumkarbonat, lat.
Kalium carbonicum, Cineres clavellati, frz. Potasse,
Carbonate de potasse, engl. Potash), ein
Überaus wichtiger Gegenstand des Chemikalienhandels,
besteht in reinster Form aus Kaliumkarbonat,
K 2 C0 3 , ist aber in rohem Zustande
s tets mehr odef weniger verunreinigt. Früher
Sewann man die P. ausschließlich durch Verbrennen
von Pflanzemstoffen, namentlich, Holz,
tu denen das Kalium mit organischen Säuren verbunden
vorkommt. Die Asche wurde in Laugenfässern
mit warmem Wasser übergossen, und die
Kösung von etwa 20 0 B6 in Pfannen oder Kesseln
bis zur völligen Trockne eingedampft. Wenn
hierbei zum Schluß mit eisernen Rührscheiten
Utngerührt wurde, so daß die Masse sich zu rundhchen,
stark wasserhaltigen Klumpen vereinigte,
bezeichnete man sie als ausgerührte P.
Unterblieb das Rühren und wurde die erkaltete
Schmelze so fest, daß sie mit Hammer und
Meißel herausgeschlagen werden mußte, so entband
die ausgeschlagene P. Beide Sorten
^phpotlasche sind durch brenzliche, bei unvollständiger
Verbrennung des Holzes entstandene
Stoffe tiefbraun gefärbt und können nur für gewisse,
mit hohen Temperaturen arbeitende Fabriken,
wie von Glas und Blutlaugensalz, direkt
benutzt werden. Für die meisten übrigen Zwecke
bPrß sie durch Kalzinieren entfärbt und in gewöhnliche
P. verwandelt werden. Das Kalzin
*eren besteht darin, daß man den Rohstoff
Pnter fleißigem Umrühren einer nicht zu hohen
Glühhitze (nicht bis zum Schmelzen), am besten
dem Zugfeuer eines Flammenofens, aussetzt. Die
Ware erscheint dann weiß oder durch einen
kleinen Gehalt an Eisenoxyd rötlich, oder auch
wohl durch etwas entstandenes mangansaures
Kali bläulich gefärbt (Perlasche). Wegen ihrer
großen Begierde, Wasser aus der Luft anzuziehen,
wurde sie früher in Töpfen verkauft, die
mit einer luftabhaltenden Decke verschlossen
waren, und hat davon ihren, Namen erhalten.
Größere Mengen P. werden in Fässern verpackt,
die recht dicht sein müssen, da sonst der Inhalt
naß und schmierig wird, oder gar als Lauge
durch die Fugen dringt. Die gewöhnliche, aus
Pflanzenasche stammende P. enthält neben' 40 bis
75 0/0 Kaliumkarbonat meist noch 3—40 °/o schwefelsaures
Kali, bis 20% Chlorkalium, bis 6°/o
kohlensaures Natron und unlösliche Bestandteile,
die durch die Filter gegangen oder beim Kalzinieren
als Asche eingeflogen sind. Der Gehalt
an kohlensaurem Kali gibt den Wertmesser ab.
Zur Entfernung der Beimengungen löst man, das
Salz in möglichst wenig heißem Wasser, worauf die
fremden Salze größtenteils herauskristallisieren
und beim Wiedereindampfen der abgezogenen
Lauge eine viel reinere Ware hinterbleibt. Neuerdings
stellt man P. in ähnlicher Weise aus Weingeläger,
Wollschweiß und Wollwaschwasser,
Branntweinschlempe und Melasserückständen
sowie aus Chlorkalium nach dem bei Soda beschriebenen
Verfahren oder nach dem Magnesiaverfahren
von Engel her. Nach dem letzteren
leitet man Kohlensäure in ein Gemisch von Magnesia
und Chlorkaliumlösung, wobei neben Chlor
magnesdum ein schwer lösliches Kaliummagne
siumkarbonat entsteht, das abfiltriert und durch
Erhitzen von der Magnesia befreit wird. Das
so erhaltene Erzeugnis ist wesentlich reiner (bis
98 0/0 K2CO3). — Chemisch reines Kaliumkarbonat
erhält man durch Glühen von Kaliumbikarbonat,
oder eines Gemisches gleicher Teile
reinem Weinstein und Salpeter, woher der Name
Kalium carbonicum e tartaro oder auch
Sal tartari (Weinsteinsalz) stammt. Es besteht
aus 68,2 Teilen Kali und 31,8 Teilen
Kohlensäure, hat einen scharfen, ätzenden Geschmack
und stark alkalische Reaktion, zieht
aus der Luft begierig Wasser an und zerfließt
damit, ist aber in Alkohol und Äther unlöslich.
In der Glühhitze gerät das Salz in feurigen Fluß
und ist dann flüssig wie Wasser, ohne jedoch
Kohlensäure zu verlieren. Wegen seiner hygroskopischen
Eigenschaften muß es in gut verschlossenen
Gefäßen aufbewahrt werden. P. findet
in der Medizin als harnsäurelösendes Mittel
beschränkte Anwendung, wird aber in ungeheuren
Mengen, trotzdem es für viele Zwecke durch
die billigere Soda verdrängt worden ist, von der
chemischen Großindustrie gebraucht, so zur Herstellung
des farblosen Kristallglases, ferner des
Ätzkalis, des gelben und roten Blutlaugensalzes,
des chromsauren Kalis, der Kalilauge,
der weichen Kaliseife (Schmierseife),
des Kaliwasserglases usw. Die deutsche
Jahreserzeugung beläuft sich auf 30 000 t.
Poudrette (deutscher . oder künstlicher
Guano) besteht aus geruchlos gemachten, getrockneten
und gepulverten Menschenexkrementen,
vermischt mit trockenen Stoffen (Erde,
Torf, Kolüenpulver, Asche, Fleisch- und Kot