Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

finden wir sie nur bei Hobbes, schon sehr ab 
geschwächt bei Spinoza —, welche den Kampf indi 
vidueller Egoismen prinzipiell zum primitiven bellum 
omnium contra omnes der Sophisten werden und die 
Gesellschaft nicht durch den hedonischen Egoismus 
direkt, sondern durch die politische Gewalt zu 
sammengehalten sein ließ. 
Natürlich können wir keine dieser Auffassungen 
heute mehr als bare Münze nehmen. Sie waren erste 
Annäherungen. Man frage sich aber nur selbst, wie 
man die Sache anpacken würde und man wird sofort 
finden, daß diese Ausgangspunkte naheliegen — vor 
allem aber, daß ihnen Tatsachen zugrunde liegen. 
Das Naturrecht war in seinen Grundlagen, wie jede 
positive Wissenschaft, streng „induktiv“ und nur weil 
die Induktion, wie in den Anfängen jeder Wissen 
schaft, unsicher und unvollständig war, erscheint sie 
nun so schlecht fundiert oder überhaupt im Lichte 
von aprioristischen Obersätzen. Eine Tatsache sprach 
auch das wichtigste von jenen Prinzipien aus, auf 
denen die Gegner des Utilitarismus fußten: Gentiles 
und Grotius’ Soziabilitätsprinzip. Trieb nach gesell 
schaftlichem Zusammenleben — das klingt an sich 
wahrlich nicht besonders großartig. Ein „Trieb“ darf 
überhaupt nie letztes Prinzip einer Erklärung sein, 
denn er muß selbst erst erklärt werden. Abgesehen 
davon ist dieser Trieb offenbar bedenklich vage. 
Aber wenn das eine primitive wissenschaftliche Auf 
fassung war, so war sie doch streng wissenschaftlich 
und aus den Tatsachen abgelesen. Und es steckt viel 
mehr darin als man glauben möchte. Spräche man
	        
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