Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Sassaparille

389

Satin

*ax  (Stechwinde),  von  denen  als  Stammpflanzen ­
  namentlich  Smilax  syphilitica,  Smilax
tnedica,  Smilax  sassaparilla  und  Smilax
officinalis  angegeben  werden,  doch  ist  nicht
tnit  Sicherheit  bekannt,  von  welchen  die  einzelnen ­
  Handelssorten  abstammen.  Die  Smilax-Arten
  sind  immergrüne  rankende  und  stachlige
Sträucher  mit  knollig  verdicktem  Wurzelstock,
von  dem  zahlreiche,  sehr  lange,  bis  federkieldicke ­
  Nebenwurzeln  ausgehen.  Je  nach  Ortsgebrauch ­
  werden  entweder  die  ganzen  Wurzeln
oder  nur  die  abgelösten  Nebenwurzeln  in  den
Handel  gebracht.  Die  letzteren  sind  bisweilen
mehr  glattrund,  oft  aber  auch  längsrunzelig  oder
kantig.  Ihre  äußere  Farbe  schwankt  von  gelblich- ­
  oder  rötlichbraun  bis  zum  dunkleren
Braun.  Auf  dem  Durchschnitt  zeigt  sich  die
Rinde,  je  nach  der  Art,  bald  dünn,  bald  verdickt, ­
  im  letzteren  Falle  dicht  mit  Stärkemehl
erfüllt  und  daher  weiß  oder  rötlichweiß.  Der
Kern  ist  weiß  oder  gelblich,  porös  und  zähe
Manche  Ware  erscheint  im  Durchschnitt  nicht
mehlig,  sondern  hornartig,  weil  sie  über  Feuer
getrocknet  und  dadurch  das  Stärkemehl  verkleistert ­
  wurde.  Die  Wurzel  ist  geruchlos,
schmeckt  aber  beim  Kauen  bitterlich  schleimig,
später  kratzend  schärf.  Die  einzelnen  Sorten
werden  nach  den  Erzeugungsländern  oder  Ausfuhrhäfen ­
  benannt.  Als  Sassaparille  des
Deutschen  Arzneibuches  gilt  die  Honduras-S.,
  die  man  aber  nicht  nur  von  Honduras, ­
  sondern  auch  von  dem  benachbarten  Beließ ­
  und  Guatemala  erhält.  Sie  kommt  in  großen,
an  den  Ecken  abgerundeten  Ballen  in  den  Handel, ­
  die  entweder  nur  oben  und  unten,  oder
auch  ganz  mit  Tierhäuten  überzogen  sind  und
die  Wurzeln  in  Form  einzelner  Bündel  enthalten. ­
  Je  nach  der  Art  der  Packung  kann  man
dreierlei  Sorten  .  unterscheiden.  Bei  der  einen
hegen  die  Wurzelstöcke'in  der  Mitte,  und.  die
langen  Wurzelfasern  sind  von  rechts  nach  links
bogenförmig  gegen  die  Stengelreste  hineingeschlagen, ­
  bei  der  anderen  befinden  sich  die
Wurzelstöcke  noch  in  ihrer  natürlichen  Lage,
and  die  Fasern  sind  mehrere  Male  gegen  dieselbe ­
  eingeschlagen,  so  daß  in  den  Ballen
sämtliche  Wuijzelstöcke  nach  außen,  die  Wurzeln ­
  hingegen  nach  innen  zu  liegen  kommen,
°der  endlich  die  knollenförmigen  Wurzelstöcke
s md  ganz  entfernt,  die  Wurzeln  der  Länge  nach
zu  armdicken  Bündeln  von  500—600  g  Gewicht
zusammengelegt,  oben  und  unten  eingeschlagen
Und  der  ganzen  Länge  nach  dicht  mit  dünnen
Wurzeln  umwickelt,  so  daß  nur  an  beiden  Enden
e twa  eine  Handbreit  freibleibt.  DieHonduras-S-
  hat  äußerlich  eine  schön  rotbraune  Farbe
Und  nur  wenig  gefurchte,  aber  längsstreifige
Wurzeln.  Die  Rinde  ist  bald  dünner,  bald
dicker,  das  Mark  tnehlig  und  weiß,  ohne  Gefaßporen,
  ziemlich  groß  und  deutlich  vom  holzigen ­
  Teile  abgegrenzt.  Der  Rindenteil  erscheint
auf  dem  Querschnitte  rötlich  oder  weißgrau,  die
Kpidermis  sehr  dünn.  Als  zweite  Sorte,  die  für
den  deutschen  Handel  in  Betracht  kommt,  ist
die  Verakruz-S.  zu  nennen,  die  in  mit  Stricken
Urnschnürten  Ballen  (Seronen)  von  75—100  kg
über  Verakruz  in  den  Handel  kommt.  Die
Wurzel  ist  außen  meist  lehmig  und  stark  ein-Sfischrumpft,
  die  Rindenmasse  infolge  derRäucherung

  hornartig.  Der  Holzring  ist,  im  Gegensatz
zur  H  ondurassorte,  sehr  stark,  das  Mark  schwach.
Weitere  gute  Sorten  sind;  Caracas,  eine  hellbraune, ­
  nicht  häufig  zu  erlangende  Wurzel,  sowie ­
  die  gelbbraune  bis  braune  brasilianische,
die  auch  Lissaboner,  Para-,  Maranhaowurzel
  genannt  wird.  Diese  Sorten  werden
von  einigen  Arzneibüchern  als  allein  zulässig
bezeichnet.  Als  geringere  Ware  kommt  viel
mexikanische  S.  nach  Europa,  die  zwar  billig,
aber  durch  Stengel,  Fasern,  Knollen  und  Erde,
verunreinigt  ist.  Andere  geringere  Sorten,  die
im  deutschen  Handel  wenig  oder  gar  keine  Bedeutung ­
  haben,  sind  die  von  Granada,  Manzanillo,
  Kostarika,  St.  Thomas  und  Jamaika. ­
  Die  im  natürlichen  Zustande  aus  Amerikakommenden ­
  Wurzeln  werden  in  den  Drogenhäusern ­
  größtenteils  gesäubert,  die  vorhandenen,
ganz  wertlosen  Wurzelknollen  entfernt,  die
dünnen  Wurzeln  in  Stücke  von  gleichmäßigen
Längen  zerschnitten,  auch  wohl  gespalten  und
in  regelmäßige  Päckchen  gebündelt.  An  kennzeichnenden ­
  Bestandteilen,  die  in  der  dicken
Unterrinde  ihren  Sitz  haben,  sind  ein  bitter  und
scharf  schmeckendes  Harz,  zwei  eigentümliche
kristallisierbare  Saponine:  Smilazin  und  Parillin,
  sowie  ein  amorphes  Saponin  Sarsaponin
  und  ätherisches  Öl  nachgewiesen  worden. ­
  Die  erstgenannten  Saponinkörper  sollen
bisweilen  giftige  Wirkungen  hervorrufen.  Die
Wurzel  gilt  als  eines  der  kräftigsten  schweißund
  harntreibenden  Mittel  sowie  als  das  beste
pflanzliche  Mittel  gegen  Syphilis.  Auch  braucht
man  sie  gegen  Skrofeln  und  Gicht  sowie  in
anderen  Fällen,  in  denen  es  auf  eine  erhöhte
Hauttätigkeit  ankommt,  sowohl  in  wäßriger  Abkochung ­
  als  auch  in  Form  von  weingeistigem
Extrakt  und  Sirup.
Sassyrinde  (lat.  Cortex  sassy,  frz.  Ecorce  de
sassy,  engl.  Sassy  bark),  eine  von  England  aus
als  Mittel  gegen  Wechselfieber  und  Dysenterie
empfohlene  Droge,  kommt  von  der  Westküste
Afrikas  und  stammt  von  Erythrophloeum
guineense,  einem  großen  Baume  mit  ausgebreiteten ­
  Ästen,  doppelt  gefiederten  Blättern,
in  ährenartigen  Trauben  stehenden  Blüten  und
Hülsenfrüchten.  Das  Pulver  der  Rinde  reizt  zum
Niesen  und  soll  auch  Erbrechen  erregend  und
abführend  wirken.  Als  Bestandteile  der  S.  sind
ein  Alkaloid,  Erythrophloein,  sowie  Erythrophloeinsäure
  nachgewiesen  worden.  Das
Alkaloid  ist  ein  Herzgift,  ähnlich  dem  Digitalin.
Satin.  Im  engeren  Sinne  bezeichnet  man  mit
diesem  Namen  weißen  seidenen  Atlas  (s.  d.),
im  weiteren  Sinne  alle  seidenen,  wollenen,  baumwollenen ­
  und  leinenen  Gewebe,  die  nach  Atlasart ­
  mit  glänzender  Oberfläche  ,hergestellt  sind.
Die  seidenen  Stoffe  der  Gattung  führen,  je  nachdem ­
  sie  leichter  oder  schwerer  sind,  verschiedene ­
  Namen,  wie  Satin  de  Chine,  russe,  turc  usw.
Baumwollsatins  (engl.  Sateens)  werden  in
Deutschland  englisches  Leder  genannt.  Wollsatins
  oder  Wollatlasse  (Satins  de  laine)  sind
wollene,  härtere  oder  weichere  Glanzstoffe  zu
Röcken  und  Möbelüberzügen.  Die  glatten,  einfarbigen ­
  Gewebe  dieser  Art  bilden  die  sog.
Lastings.  —  Satinets  sind  gewöhnlich  halbseidene, ­
  bunt  gestreifte  Zeuge  aus  Baumwollgrund
  mit  seidenen  Streifen,  oder  Zeuge  aus
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.