— 206 —
und Grundbesitzern eine Gesellschaft mit vielleicht 250000
Dollar. Wenn sie es unternommen hätten, mit dieser Summe
eine Eisenbahn zu bauen, hätten sie keine sehr große Strecke
fertigstellen können, bis sie hoffnungslos bankrott gewesen
wären.
Ihre Weisheit war die Weisheit ihrer Klasse; sie kannten
eine weit bessere Methode. Diese bestand darin, die Macht
der Regierung zu benutzen und sich vom Volk die nötigen
Mittel vorstrecken zu lassen. Beim Bau wären die 250 000
Dollar nur eine Lappalie gewesen. Aber sie genügten ge-
rade, um ein Parlament zu bestechen. Wenn sie diese
Summe verausgabten und damit die Majorität einer ein-
flußreichen Kommission und genügend Stimmen der gan-
zen Körperschaft kauften, konnten sie Millionen von Dar-
lehen, weite Areale und eine Reihe Privilegien bekommen,
die im Laufe der Zeit Hunderte und aber Hunderte von
Millionen wert waren.
Eine Periode der Bestechungen
So begann eine allgemeine, andauernde Korruption. Die
Korruption in Ohio war so offenkundig, daß sie zum Gegen-
stand einer peinlichen Diskussion in der Ohio-Verfassungs-
konvention 1850—1851 gemacht wurde‘).
Zwei Jahre später gab der Abgeordnete Walker aus
North Brookfield bei einer Sitzung der Verfassungs-
konvention von Massachusetts über die Verhältnisse in
diesem Staate ein Urteil ab. „Es ist sehr selten,“ sagte er,
„daß die Majorität in unserm Parlament nicht aus Präsi-
denten, Direktoren oder Aktionären von Gesellschaften
besteht. Dies ist eine Tatsache von sehr großer Bedeutung ?).“
Zwei Drittel allen Grundbesitzes in Massachusetts war, wie
Walker betonte, in Händen von Gesellschaften.
1857 gab es in der Jowa-Verfassungskonvention eine
erregte Debatte über den Versuch, den Eisenbahnen weitere
außerordentliche Machtbefugnisse einzuräumen. Dabei
hatte der Staat Jowa bereits eine Anleihe von 12 Millionen
2) Ohio Convention Debates, 1850—18571, Bd. 2, S. 174.
*) Debates in the Massachusetts Convention, 1853, Bd. 3, S. 59.