Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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und Grundbesitzern eine Gesellschaft mit vielleicht 250000 
Dollar. Wenn sie es unternommen hätten, mit dieser Summe 
eine Eisenbahn zu bauen, hätten sie keine sehr große Strecke 
fertigstellen können, bis sie hoffnungslos bankrott gewesen 
wären. 
Ihre Weisheit war die Weisheit ihrer Klasse; sie kannten 
eine weit bessere Methode. Diese bestand darin, die Macht 
der Regierung zu benutzen und sich vom Volk die nötigen 
Mittel vorstrecken zu lassen. Beim Bau wären die 250 000 
Dollar nur eine Lappalie gewesen. Aber sie genügten ge- 
rade, um ein Parlament zu bestechen. Wenn sie diese 
Summe verausgabten und damit die Majorität einer ein- 
flußreichen Kommission und genügend Stimmen der gan- 
zen Körperschaft kauften, konnten sie Millionen von Dar- 
lehen, weite Areale und eine Reihe Privilegien bekommen, 
die im Laufe der Zeit Hunderte und aber Hunderte von 
Millionen wert waren. 
Eine Periode der Bestechungen 
So begann eine allgemeine, andauernde Korruption. Die 
Korruption in Ohio war so offenkundig, daß sie zum Gegen- 
stand einer peinlichen Diskussion in der Ohio-Verfassungs- 
konvention 1850—1851 gemacht wurde‘). 
Zwei Jahre später gab der Abgeordnete Walker aus 
North Brookfield bei einer Sitzung der Verfassungs- 
konvention von Massachusetts über die Verhältnisse in 
diesem Staate ein Urteil ab. „Es ist sehr selten,“ sagte er, 
„daß die Majorität in unserm Parlament nicht aus Präsi- 
denten, Direktoren oder Aktionären von Gesellschaften 
besteht. Dies ist eine Tatsache von sehr großer Bedeutung ?).“ 
Zwei Drittel allen Grundbesitzes in Massachusetts war, wie 
Walker betonte, in Händen von Gesellschaften. 
1857 gab es in der Jowa-Verfassungskonvention eine 
erregte Debatte über den Versuch, den Eisenbahnen weitere 
außerordentliche Machtbefugnisse einzuräumen. Dabei 
hatte der Staat Jowa bereits eine Anleihe von 12 Millionen 
2) Ohio Convention Debates, 1850—18571, Bd. 2, S. 174. 
*) Debates in the Massachusetts Convention, 1853, Bd. 3, S. 59.
	        
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