Schwefel
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Schwefel
dicke, meist aber erst im zweiten Herbst. Zur
Aufbewahrung werden sie in frostfreien Räu
men eingeschlagen und bleiben so lange zart
und brauchbar, als'beim Zerbrechen noch der
Milchsaft ausfließt. Verkauft werden die Wur
zeln in Bündeln auf Wochenmärkten. In Deutsch
land zeichnet sich besonders Bamberg durch
den Anbau aus.
Schwefel (lat. Sulfur seu Sulphur, frz.Soufre,
engl. Sulphur). Der Schwefel ist schon seit den
ältesten Zeiten bekannt. Die Alchimisten be
trachteten ihn als die Ursache der Verbrenn
lichkeit sowie als den Träger der Verschieden
artigkeit der Metalle in Farbe und sonstigen
Eigenschaften. Sein Vorkommen in freiem Zu
stande als sog. gediegener S. knüpft sich vor
zugsweise an Gegenden, in denen vulkanische
Kräfte tätig sind oder einst waren. So findet
er sich in der Romagna, in Sizilien, Spanien
und Griechenland, auf Island, bei Bahara Sa-
phinqua am Roten Meere, in Kalifornien, Mexiko
und Südamerika entweder in Form von Körnern,
Kristallen oder Knollen, oder aber in ausgedehn
ten Lagern, mit Gips, Kalkstein und bitumi
nösem Mergel gemischt. Man erklärt sich die
Entstehung des S, in vulkanischen Gegenden
aus der Umsetzung der beiden Gase Schwefel
wasserstoff und schweflige Säure. Diese ent
strömen Erdlöchern (Solfataren) und zer
setzen sich beim Zusammentreffen unter Ab
scheidung von S., der an den Austrittsöffnun
gen Krusten bildet. Teilweise dringen die vul
kanischen Gase auch in das lockere Erdreich
ein und hinterlassen in diesem den S. Eine der
großartigsten Solfataren ist die von Puzzuoli
bei Neapel. Viel reichlicher und verbreiteter als
freier S. kommen seine Verbindungen in der
Natur vor. An Metalle gebunden, findet er sich
in verschiedenen Erzen, die in der Mineralogie
als Kiese, Glanze und Blenden bezeichnet
werden. Die bekanntesten sind Kupferkies.
Eisenkies, Bieiglanz, Antimonglanz, Molybdän
glanz und Zinkblende. In Verbindung mit Ar
senik bildet der S. die Mineralien Realgar und
Auripigment. Auch in Form von schwefelsauren
Salzen kommt er sehr verbreitet vor. Derartige
natürlich vorkommende schwefelsaure Salze
(Sulfate) sind z. B. der Gips, der Schwerspat,
der Kieserit und das Bittersalz. Im Tier- und
Pflanzenreich finden sich ebenfalls Schwefel
verbindungen, z. B. im Knoblauch- und Asa-
foetidaöl sowie vor allem in den Eiweißkörpern.
Die überwiegende Menge des im kontinentalen
Handel vorkommenden S. wird aus den natür
lichen Lagerstätten Italiens, hauptsächlich in
d er Romagna und auf Sizilien, gewonnen. Auf
Sizilien erstreckt sich die schwefelhaltige Gegend
an der Südküste von Girgenti nordöstlich bis
an den Fuß des Ätna in einer Länge von un
gefähr 25 Meilen bei 5—6 Meilen Breite. Man
gewinnt das schwefelhaltige, Gestein und Erd
reich, das außer S. noch Gips, Kalkstein und
M(ergel enthält, teils direkt aus den zutage
liegenden Anhäufungen, teils bergmännisch aus
den in der Tiefe sich befindenden Lagern. Die
Gesteine enthalten durchschnittlich etwa 250/0 S.,
die reichsten gegen 5°°/°- Bei einem Schwefel
gehalt unter 10 0/0 ist die Verarbeitung un-
lohnend. Die Abscheidung des natürlichen ge
diegenen S. aus dem Gestein und Erdreich ge
schah früher in Sizilien auf folgende höchst
einfache Weise: In runden, 2,5 m im Durchmesser,
0,4 m in der Tiefe messenden Erdlöchern (Cal-
carelle) wurden die Erze zu einem hohen
Haufen aufgeschichtet, dieser dann am Abend
angezündet und am anderen Morgen der durch
die Wärme in dem äußeren Ringe der Ver
tiefung angesammelte geschmolzene S. aus
geschöpft. Zur Vermeidung der mit diesem
rohen Verfahren verbundenen Verluste wendet
man seit 1858 ein verbessertes Ausschmelz
verfahren in den sog. Calcaroni an. Die letz
teren sind runde, etwa 2,5 m tiefe Gruben von
10 m Durchmesser, die mit einer geglätteten
Gipsmauer ausgekleidet sind und meist an einem
Abhange liegen, so daß sich ein vollständiges
Abfließen des S. ermöglichen läßt. In den Gru
ben werden die Schwefelerze aufgeschichtet und
dann der ganze Haufen von der Gestalt eines
abgestumpften Kegels mit ausgebrannten Erzen
bedeckt. Der durch Anzünden des Haufens von
unten zum Schmelzen gebrachte S. sammelt
sich an der tiefsten Stelle wieder an, fließt dann
durch ein Zapfloch in einen Behälter und wird
schließlich in Formen gegossen. Neuerdings ge
winnt man den S. in Sizilien auch dadurch, daß
man die Schwefelerze einfach in großen Pyra
miden aufschichtet, diese nach Art eines Meilers
dick mit Erde bedeckt und unter der Decke in
Brand setzt. Hierbei geht ziemlich wenig S-
durch Verbrennen verloren, und die Methode
ist deshalb recht vorteilhaft, wenn auch etwas
langwierig, da das Ausschmelzen eines Meilers
gegen 20 Tage erfordert. Aus besonders schwe-
felreichen Erzen scheidet man den S. auch durch
Ausschmelzen in Kesseln bei möglichst geringer
Hitze und möglichster Fernhaltung der Luft ab-
Nachdem die Masse einige Zeit in Fluß gestalt'
den und die fremden Teile sich zu Boden ge'
setzt haben, schöpft man den S. in naßgemaebte
hölzerne Kästen und läßt ihn zu Blöcken er-
starren. Das weit zweckmäßigere Verfahren,
den S. durch Ausschmelzen in geschlossenen
Gefäßen mit gespanntem Wasserdampf oder
durch Destillation schwefelreicherer Erze, wi®
es in der Romagna gang und gäbe ist, zu g e '
winnen, läßt sich in Sizilien nicht ausführen,
weil dort der S. das einzige Brennmaterial bil'
det und Kohlen zu kostspielig sind. — Alle 1
durch Ausschmelzen gewonnene S. ist Roh'
Schwefel, der in unregelmäßigen Brocken > n
den Handel kommt und zur Darstellung von
Schwefelsäure ohne weiteres benutzt werden
kann. Der Hauptabnehmer für sizilianischcn
Rohschwefel ist England. Für viele ander®
Zwecke puuß der S. vorher einer Reinigung
(Raffination) unterzogen werden. — Das Rai'
finieren des Rohschwefels, der außer erdig® 11
Beimengungen oft auch Arsen enthält, wird ^
verschiedenen Mittelmeerstädten, besonders 111
Marseille, ausgeführt, doch finden sich Schw®'
felraffinerien auch in Antwerpen, Schönebec*
usw. Die Reinigung geschieht ..tjurch Sublim 3 )
tion oder Destillation. Zu diesem,.Zwecke
der S. in gußeisernen Retorte^j^er horizoö
talen Zylindern in Dampf verw^rfde^und die 5 ®
durch einen Kanal in eine gemauerte Kamt 11 ®
geleitet, worin er sich, solange die Temperata