Steinzeug
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Stempelfarben
Form ähnliche und mit ihm bisweilen verwech
selte stark giftige Satanspilz (Boletus sata-
nas) unterscheidet sich vom St. durch die an
den Mündungen blutroten Röhrchen, die ober-
wärts gelbe Farbe und die netzartige orange
farbige Zeichnung des Stiels sowie die dunkle bis
blauschwarze Verfärbung der Bruchstellen. —
Von eßbaren Pilzen der Gattung Boletus seien
noch angeführt: der Birken- oder Kapuziner
pilz (B.scaber), der Butter- oder Ringpilz (B.
luteus), der Kuhpilz (B. bovinus), die Ziegen
lippe (B. subtomentosus), der Maronenpilz (B.
badius), der Schmerling (B. granulatus). Un
genießbar ist der Gail en-Röhrl ing (B. felleus).
Bezüglich der kennzeichnenden Merkmale sei auf
das vom Reichsgesundheitsamt herausgegebene
Pilzmerkblatt, hinsichtlich des Nährwerts auf
den Abschnitt Pilze verwiesen. — Die eßbaren.
Pilze der Gattung Boletus kommen sowohl in
frischem Zustande wie auch getrocknet und als
Dosenkonserven in den Handel.
Steinzeug. Dieser Begriff umfaßt eine Klasse
harter Tonwaren, die in zwei sehr verschiedene
Gruppen zerfällt, nämlich in feine Ware, die
mehr oder weniger dem Luxus dient, und in
gemeine, welche die als steinerne bezeichn
neten Gebrauchsgegenstände umfaßt. Das ge
meinsame Merkmal beider liegt darin, daß die
Masse durch heftiges Brennen gesintert, daher
hart, dicht und glattbrüchig ist. Sie unterscheidet
sich demnach sofort von der erdig brechenden
gewöhnlichen Töpferware und nähert sich dem
Porzellan, von dem sie aber wieder dadurch ab
weicht, daß sie niemals irgendeine Durchschein-
barkeit zeigt. Die Masse brennt sich, je nach der
Tonsorte, entweder ganz weiß, oder grau, bläu
lich oder braun. Man verleiht ihr aber oft ab
sichtlich bestimmte Farbentöne durch Zusatz von
Eisen- und anderen Metalloxyden, welche dann
zugleich als Flußmittel dienen. Andere, nicht
färbende Flußmittel sind Feldspat, Gips, Kalk,
Baryt und Knochenasche. Da die Masse schon
an sich wegen ihrer Dichtigkeit für Flüssigkeiten
undurchdringlich ist, erscheint eine Glasur nicht
erforderlich. Wird eine solche bei gewöhnlichen
Waren aber trotzdem gefordert, so wendet man
in der Regel die Salzglasur in der Weise an,
daß man in den weißglühenden Brennofen einige
Handvoll Kochsalz (Chlornatrium) wirft. Dieses
verflüchtigt sich bei der hohen Temperatur rasch,
die Dämpfe kommen mit den Gegenständen in
Berührung und bilden hier ein aus kieselsaurem
Natron, Tonerde und Eisenoxyd bestehendes
Glas, das als dünner, aber sehr harter Überzug
auf dem S. haftet. Von dem unglasierten feinen
S. ist das englische Wedgewoodgeschirr am
berühmtesten. Die Ausschmückung der feinen
Steinzeugwaren, die sich noch in weiße und
farbige sondern lassen, fällt mehr in das Gebiet
der Formkunst als in das der Malerei. Die
Masse ist weit bildsamer als der Porzellanton,
und alle Verzierungen erscheinen daher schärfer,
und zwar um so mehr, als sie von keiner Glasur
nachträglich abgestumpft werden. Sehr schöne
Wirkungen werden dadurch erzielt, daß man auf
den Grund der Gefäße erhabene Bildungen von
anders gefärbter Tonmasse aufsetzt (Applika
tion). Die verschiedenen Färbungen werden der.
Billigkeit halber bisweilen dadurch erzeugt, daß
man nur eine farbige Oberfläche durch Anguß
einer verdünnten farbigen Masse hervorbringt.
Manche Waren werden bronziert, andere mit
Firnisfarben überzogen, sehr häufig ist auch die
Anwendung der sog. Metallüster. — Von deut
schen Fabriken zur Herstellung der Steinzeug
waren nach englischer Art finden sich die be
kanntesten zu Mettlach und Wallerfangen im
(Trierschen und zu Steinau in Hessen. Manche
Waren haben sich aus alter Zeit bis heute er
halten, so das beliebte, zart graue Kölner Ge
schirr, die in Bayern noch gebräuchlichen Bier
krüge mit smalteblauen , Verzierungen und das
braune Bunzlauer Geschirr. Letzteres ist eine
Angußware mit gelblichem Körper und braunem
Überzug.—Von gemeinem S. wurden einzelne
Gegenstände, namentlich die Mineralwasserkrüge,
früher in ungeheuren Mengen verbraucht, doch
versendet man neuerdings die Mineralwässer
häufiger in Glasflaschen. Wegen der Undurch
dringlichkeit der Masse für ■ Flüssigkeiten und
Gase, auch ohne Glasur, sowie ihrer Unangreif
barkeit durch ätzende Flüssigkeiten wird sie
aber noch jetzt für viele andere gewerbliche Ge
rätschaften angewandt, so zu Wasserleitungs
röhren, großen Säureflaschen, Woulfschen Fla
schen, Retorten und anderen Apparaten der
chemischen Industrie,' großen Wasserständern,
Einlegfässern u. dgl. Derartige Großstücke von
oft riesigen Abmessungen, die sich nur schwierig
formen und brennen lassen, werden schon seit
langer Zeit in England hergestellt, doch ist dieser
Zweig auch in Deutschland durch viele Fabriken
vertreten. In den Rheinlanden wird die Her
stellung gewöhnlichen S. von alten Zeiten her in
einer Gruppe von Dörfern des Regierungsbezir
kes Koblenz betrieben, deren Hauptgeschäft diese
Industrie 1 bildet. Die Gegend heißt daher all
gemein das Krugbäckerland. Den Rohstoff bil
det ein vortrefflicher Ton, der sog. Kölner Ton,
der in dortiger Gegend massenhaft lagert,
selbst Gegenstand des Handels ist und weit ver
sandt wird. Man unterscheidet i. Krugbäcker,
die Mineralwasser- und Branntweinflaschen (zu
Genever, Steinhäger) anfertigen, 2. Kannen
bäcker, die hauptsächlich die in Bayern üb
lichen Bierkrüge und bauchigen Kannen drehen
und durch Bemalen mit Smalte verzieren, 3.Weiß:
Warenfabriken, welche die für den Haushalt
gebrauchten Geschirre, Töpfe, Schüsseln und
Einmachegefäße, ferner Büchsen für Apotheker,
zu Wichse, Senf u. dgl., und endlich für chemi
sche Fabriken Säureballone, Woulfsche Flaschen,
Retorten und Wasserleitungsröhren herstellen-
Zum Gebrauch über Feuer können Steinzeug
geschirre nicht benutzt werden, weil sie dem
Zerspringen sehr unterworfen sind.
Stempelfarben sind Gemische von organischen
oder unorganischen Farbstoffen mit Klebe- und
Bindemitteln, wie Leim, Gpmmi, Dextrin und
Fetten. Für Metallstempel eignet sich be
sonders Karmin, Zinnober, Kienruß oder irgend
ein öllöslicher Teerfarbstoff mit Leinölfirnis oder
mit Firnis und Rizinusöl. Für Kautschukstem
pel verwendet man Mischungen von Anilinfarben
mit Dextrin, Wasser und Glyzerin. Fleisch
beschauer benutzen meist eine Lösung von
drei Teilen Methylviolett in je 50 Teilen Glyzerin
und Alkohol. Als S. für Säcke eignet sich eine