Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Strontium

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Sturmhut

Strontium,  ein  dem  Kalzium  nahe  verwandtes
metallisches  Element,  findet  sich  in  der  Natur
nicht  gediegen,  sondern  nur  in  Form  von  Verbindungen, ­
  hauptsächlich  als  Karbonat  im  Strontianit
  und  als  Sulfat  im  Zölestin.  Es  hat  das
spez.  Gew.  2,400,  das  Atomgewicht  Sr  =  87,500
und  zersetzt  Wasser  wie  met.  Natrium.  Die  Verbindungen ­
  des  S„  die  in  der  Medizin  und  Technik ­
  vielfache  Anwendung  finden,  werden  aus
dem  natürlichen  Zölestin  durch  Glühen  mit  Kohle
und  durch  Behandlung  des  entstehenden  Schwefelstrontiums ­
  mit  Säuren,  oder  durch  Auflösen  von
Strontianit  dargestellt.  Sie  stehen  ihrem  chemischen ­
  Verhalten  nach  zwischen  dem  Kalzium
und  Barium,  geben  mit  Schwefelsäure,  aber  nicht
mit  Kaliumchromat  oder  Kieselfluorwasserstoffsäure, ­
  Niederschläge  und  färben  die  Flamme
des  Bunsenbrenners  purpurrot.  Das  Strontiumoxyd, ­
  SrO,  entsteht  durch  Erhitzen  des  Nitrates
oder  durch  starkes  Glühen  von  Strontianit  und
geht  bei  Behandlung  mit  Wasser,  analog  dem
Löschen  des  Kalkes,  in  Strontiumhydroxyd,
Sr(OH) 2 ,  über,  das  zur  Entzuckerung  der  Melasse ­
  nach  dem  sog.  Strontianverfahren  benutzt ­
  wird.  Das  Strontiumchlorid,  SrCl 2 ,  wird
durch  Auflösen  von  Strontianit  in  Salzsäure  und
Eindampfen  in  Form  farbloser  Kristalle  dargestellt. ­
  Es  löst  sich  leicht  in  Alkohol  und  dient
zur  Erzeugung  purpurroter  Spiritusflammen.  Das
Azetat,  Nitrat  und  Chlorat  finden  in  der
Feuerwerkerei,  das  Bromid,  Jodid  und  Laktat
in  der  Medizin,  hauptsächlich  gegen  Nieren-  und
Herzkrankheiten,  Anwendung.
Strontiumnitrat  (salpetersaures  Strontium, ­
  Strontiumsalpeter,  lat.  Strontium  nitricum,
  frz.  Nitrate  de  Strontium,  engl.  Strontium
nitrate)  entsteht  beim  Auflösen  von  Strontiumkarbonat ­
  (Strontianit)  oder  Strontiumsulfid  (durch
Glühen  von  gepulvertem  Zölestin  mit  Kohle  dargestellt) ­
  in  verdünnter  Salpetersäure,  Es  kristallisiert ­
  aus  verdünnten  kalten  Lösungen  mit
vier  und  fünf  Molekülen  Kristallwasser,  aus
heißen  konzentrierten  Lösungen  aber  wasserfrei ­
  und  ist  in  fünf  Teilen  kaltem,  V2  Teil  siedendem ­
  Wasser,  nicht  aber  in  Alkohol  löslich.  Das
tvasserfreie  Salz,  Sr(N0 3 ) 2 ,  wird  zur  Herstellung
von  Rotfeuer,  Leuchtkugeln  und  anderem  Feuerwerk ­
  benutzt.  Zur  Verhinderung  von  Wasseranziehung ­
  muß  es  in  gut  verschlossenen  Behältern ­
  verwahrt  werden.
Strophanthussamen  (lat.  Semen  Strophantin,
frz.  Semences  de  strophanthus,  engl.Strophanthus
seeds),  eine  in  den  letzten  Jahrzehnten  in  Aufnahme ­
  gekommene  Droge,  findet  sich  in  mehreren ­
  Sorten,  die  von  verschiedenen  Arten  der
z u  den  Apozyneen  gehörigen  Gattung  Strobhantus
  abstammen.  1.  Die  von  dem  Deutschen
Arzneibuche  aufgenom'menen  graugrünen  Santen ­
  aus  Ostafrika,  auch  Combd-  oder  Kombds
 amen  genannt,  von  Strophanthus  Kombd.  2.  Die
Samen  von  Strophanthus  hispidus,  auch
braune  S.  genannt,  von  der  Westküste  Afrikas
aus  dem  Nigergebiet.  —  Die  Samen  des  strauchartigen ­
  Klettergewächses  sind  12—18  mm  lang
Und  3—.5  mm  breit  und  befinden  sich  in  einer
Kapselfrucht  von  20—40  cm  Länge.  Sie  haben
eine  graugrüne  oder  braune  Farbe  und  tragen
t^hlreiche  Haare,  die  sich-  an  der  Spitze  zu
einem  Haarschopf  vereinigen.  Der  innere  Kern
Hercks  Warenlexikon.

ist  gelblich,  der  Geschmack  bitter.  Als  wirksamen ­
  giftigen  Bestandteil  enthalten  sie  ein  Glykosid, ­
  das  Strophanthin,  das  in  weißen  Kristallen ­
  im  Handel  ist.  Verwandt  werden  die  S.
medizinisch,  ähnlich  der  Digitalis,  bei  Herzkrankheiten. ­

Strychnin  (lat.  Strychninum,  frz.  Strychnine,
engl.  Strychnin),  ein  in  den  Krähenaugen  (s.  d.)
und  den  Ignatiusbohnen  (s.  d.)  enthaltenes
sehr  gif  tiges  Alkaloid,  wird  entweder  als  weißes
Pulver,  durch  Fällung  erhalten,  oder  in  Form
weißer,  prismatischer  Kristalle  in  den  Handel
gebracht.  Obgleich  es  sich  in  Wasser  kaum  löst,
besitzt  es  intensiv  bitteren  Geschmack.  ln
kochendem  wasserhaltigen  Alkohol  ist  es  löslich,
dagegen  nicht  in  absolutem  Alkohol.  Das  reine
S.  (lat.  Strychninum  purum)  wird  in  der  Regel
nicht  verwandt,  sondern  durch  das  salpetersaure ­
  S.  (Strychninnitrat,  lat.  Strychninum
nitricum)  ersetzt.  Man  erhält  dieses  Salz  in
ebenfalls  äußerst  bitter  schmeckenden,  farblosen
Kristallen,  die  in  Wasser  viel  leichter  löslich
sind  als  das  reine  Alkaloid,  und  benutzt  es  zur
Tötung  schädlicher  Raubtiere  und  giftiger  Schlangen ­
  sowie  zur  Herstellung  des  Giftweizens
oder  Strychningetreides  zur  Vertilgung  der
Feldmäuse  und  Hamster.  Medizinisch  wird  es
nur  wenig  und  in  sehr  kleinen  Dosen,  verordnet.
Das  gleiche  gilt  von  den  übrigen  Strychninsalzen
S.  aceticum,  S.  arsenicicum,  S.hydrojodicum,
  S.  muriaticum.
Sturmhut  (Eisenhut),  eine  stark  giftige  Waldgebirgspflanze,
  Aconitum  Napellus  L.,  die
zu  den  Ranunkulazeen  gehört,  bildet  zahlreiche
verschiedene  Arten,  die  man  in  blaublühende  und
gelbblühende  einzuteilen  pflegt.  Sie  haben  bandförmige, ­
  5—yteilige  Blätter  und  große,  stark
besetzte  Blütenrispen,  deren  Kelche  wie  die
Blüten  gefärbt  sind.  Die  frischen  Blätter  geben
zerrieben,  einen  widerlichen,  betäubenden  Geruch
von  sich  und  schmecken  erst  bitterlich,  dann
anhaltend  brennend  scharf.  Noch  schärfer  und
giftiger  als  die  Blätter  sind  die  Wurzelknollen
  (lat.Tubera  aconiti,  frz.Racine  d’aconite,
engl.  Aconite  root),  die  daher  in  den  neueren
Arzneibüchern  auch  bevorzugt  werden,  während
man  sich  früher  der  Blätter  (lat.  Folia  aconiti,
frz.  Feuilles  d’aconite,  engl.  Aconite  leaves)  bediente. ­
  Die  Wurzel  besteht  aus  einer  rübenförmigen ­
  Knolle  von  4V2—9  cm  Länge  und  oben
2—3V2  cm  Dicke  und  bildet  in  der  Vegetationsperiode ­
  neben  sich  eine  zweite  Knolle,  die  im
künftigen  Jahre  das  Leben  der  Pflanze  fortsetzt,
während  die  erstere  eingeht.  Daher  finden  sich
in  der  Regel  zwei  zusammenhängende  Knollen,
eine  jüngere.  die  schwer  und  fest,  innen  weißlich
und  von  Stärkemehl  erfüllt  ist,  und  eine,  ältere,
die  leichter  und  innen  bräunlich,  oft  lückig  oder
hohl  erscheint.  Man  sammelt  die  Wurzelknollen
von  Aconitum  Napellus  L.,  während  die
Blätter  vielfach  von  anderen  blau  blühenden
Arten  genommen  werden.  Die  Pflanze  wächst
in  den  Gebirgen  und  Voralpen  des  südlichen
Deutschlands  wild,  doch  kommen  auch  aus.defn
fernen  Asien  zwei  Arten  A.  in  den  Handel.  Die
eine  derselben  von  Aconitum  ferox.  .  vom
Fuße  des  Himalaya,  die  weit  'größer  ist  und
viermal  soviel  an  wirksamen  Bestandteilen  enthalten ­
  soll,  heißt  in  ihrer  Heimat  auch  Bitsh,
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