Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Wintergrün

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W  ismutverbindungen

Frankreich,  Italien  und  England  sind  wildarm,
Schweden,  Rußland  und  Österreich  ziemlich  wildreich. ­
  W.  wird  stückweise,  nur  Federwild  paarweise ­
  oder  zu  vier  und  mehr  Stück,  verkauft  und
meist  ohne  Verpackung  verschickt.  Es  muß,
nachdem  es  ausgenommen  worden  ist,  im  Balg
oder  abgehäutet,  Federwild  stets  im  Federkleid
an  der  Luft  aufbewahrt  werden.  Ausgelöste
Fleischstücke  von  Reh  und  Hirsch  lassen  sich
längere  Zeit  in  saurer  Milch  aufbewahren,  hingegen ­
  muß  zerschossenes  Federwild  und  Wassergeflügel ­
  rasch  verbraucht  werden.  In  Eisräumen
hält  sich  alles  W,  sehr  lange.
Wintergrün  (Immergrün,  lat.  Herba  vincae
pervincae,  frz.  Feuilles  de  pervenche,  engl.  Evergreen) ­
  ist  das  immergrüne  Kraut  von  Vmca
major  und  minor,  einer  zur  Familie  der  Apozynazeen ­
  gehörenden  Pflanze  mit  elliptischen,,
harten  und  glänzenden  Blättern,  die  an  der
Unterseite  heller  grün  sind  als  an  der  Oberseite.
Das  über  Mitteleuropa  und  Asien  verbreitete
Kraut  ,  wächst  ,  an  trockenen,,  schattigen  Standorten ­
  und  wird  als  Aufguß  zu  Gurgelwässern  angewandt. ­
  Die  aus  Amerika  eingeführte  Droge,
amerikanisches  Wintergrün,  ist  die  Stammpflanze ­
  des  Gaultheriaöls  (s.  d.).
.  Wismut(Asc  h  bl  ei,lat.  Bismutum,frz.  Bismuthe,
engl.Bisrriuth),  ein  dem  Arsen  und  Antimon  verwandtes, ­
  metallisches  Element  vom  Atomgewicht
Bi  =  208—209,  findet  sich  in  der  Natur  hauptsächlich ­
  gediegen,  seltener  in  Verbindung  mit
Schwefel  als  Wismutglanz,  mit  Tellur  als
Tetradymit  und  mit  Sauerstoff  als  Wismutocker. ­
  Meist  kommt  es  in  Gesellschaft  von  Kobalt-, ­
  Nickel-,  Blei-  und  Silbererzen  vor  und  enthält ­
  neben  den  Bestandteilen  der  letzteren  oft
auch  noch  kleine  Mengen  Arsen,  Eisen,  Zinn
und  Kupfer.  Bis  zum  Jahre  1876  kamen  seit  der
Erschöpfung  der  englischen  Lager  nur  die  sächsischen ­
  W.-Vorräte  in  Betracht.  Neuerdings  verarbeiten ­
  die  sächsischen  Blaufarbenwerke  in
Oberschlema  und  Pfannenstiel  hauptsächlich  kupferhaltige ­
  W.-Erze  aus  Australien  und  arsenfreie,
aber  Kupfer  und  Antimon  enthaltende  Erze  aus
Bolivia  und  Peru,  von  denen  die  letzteren  bis  zu
94%  W.  enthalten.  Die  Erze  werden  vor  der
Verhüttung  in  schräg  liegenden  Röhren  erhitzt,
um  das  sehr  leicht  schmelzbare  gediegene  W.
auszusaigern,  und  darauf  mit  Kohle,  Eisen  und
einem  Flußmittel  (Schlacke)  zusammengeschmolzen, ­
  wobei  das  Eisen  den  Schwefel  bindet  und
mit  den  übrigen  Verunreinigungen  in  die  Schlacke
geht.  Das  in  flüssigem  Zustande  abgelassene  sog.
technische  oder  Rohwismut  kann,  sobald  die
Summe  seiner  Verunreinigungen  nicht  mehr  als
5  °/o  beträgt,  für  die  meisten  Zwecke  benutzt  werden. ­
  Anderenfalls  unterwirft  man  es  einer  Reinigung, ­
  indem  man  das  gröblich  zerstoßene  Metall
mit  einem  Gemisch  von  Kali-  und  Natronsalpeter
oder  mit  Soda  und  Kaliumchromat  schmilzt  und
die  ausgegossene  Schmelze  zunächst  mechanisch
und  darauf  durch  Behandlung  mit  verdünnter
Salzsäure  von  der  Schlacke  befreit.  Um  aus
diesem  gereinigten  W.  (Bismutum  depuratum)
  das  reine  Metall  (B.  purum)  zu  gewinnen,
löst  man  in  Salpetersäure,  trägt  die  Lösung  in
Ammoniak  ein  und  reduziert  das  ausgefällte
Hydroxyd  durch  Kochen  mit  Traubenzucker  oder
durch  Glühen  mit  Kohle.  —  W.  ist  ein  rötlich--1

silberweißes,  großblättrig  kristallisierendes  Metall
vom  spez.  Gew.  9,900.  Es  schmilzt  bei  268°  und
verdampft  bei  Weißglühhitze  (etwa  1300 0 ).  Wegen
seiner  Brüchigkeit  und  Sprödigkeit  läßt  es  sich,
wie  das  ähnliche  Antimon,  im  Eisenmörser  pulverisieren. ­
  Bei  gewöhnlicher  Temperatur  verändert
es  sich  an  trbckner  Luft  nicht,  verbrennt  aber
beim  Erhitzen  zu  weißem  Oxyd.  An  feuchter
Luft  wird  es  blind  und  durch  Schwefelwasserstoff ­
  gebräunt.  Das  W.  löst  sich  nicht  in  Salzsäure, ­
  hingegen  leicht  in  Salpetersäure  und  in
heißer  konzentrierter  Schwefelsäure  unter  Entwicklung ­
  von  schwefliger  Säure.  —  Das  metallische ­
  Element  findet  hauptsächlich  in  Form  seiner
Legierungen,  die  meist  sehr  niedrige  Schmelzpunkte ­
  zeigen,  technische  Verwendung.  Eine
Legierung  von  50  Teilen  W.,  30  Teilen  Blei  und
20  Teilen  Zinn,  das  sog.  Rosesche  Metall,
schmilzt  bei  92  °,  nach  Zusatz  von  2  Teilen  Quecksilber ­
  sogar  schon  bei  55°.  Newtons  Metall
mit  8  Teilen  W.,  5  Teilen  Blei  und  3  Teilen  Zinn
schmilzt  bei  94,5°,  Woods  Metall  mit  15  Teilen
W.,  8  Teilen  Blei,  4  Teilen  Zinn  und  3  Teilen
Kadmium  bei  60°.  Derartige  Legierungen  dienen
zum  Abklatschen  (Klischees)  von  Holzschnitten
zu  Stereotypplatten,  Druckformen  für  Zeugdruck
und  zu  Münzabgüssen,  ferner  als  Schneilot  für
Klempner,  Zinngießer  und  Orgelbauer,  als  Metallkitt ­
  und  zur  Herstellung  von  Sicherheitsverschlüssen ­
  für  Dampfkessel.
Wismutverbindungen.  Die  Lösungen  der  W--Salze
  geben  mit  viel  Wasser  Niederschläge  von
basischen  Verbindungen,  die  zum  Unterschiede
von  den  entsprechenden  Antimonverbindungen
in  Weinsäure  unlöslich  sind.  —  Wismutchlorid,
BiClj,  entsteht  beim  Auflösen  von  Wismut  in
Königswasser  oder  beim  Überleiten  von  Chlor
über  erhitztes  Wismut  als  eine  weiße,  an  der
Luft  zerfließliche  Kristallmasse,  die  bei  220*
schmilzt  und  bei  447 0  siedet.  Aus  der  konzsalzsauren
  Lösung  wird  durch  Wasser  unlösliches
Wismutoxychlorid,  BiOCl,  gefällt,  das  als
weiße  Malerfarbe  Verwendung  findet.  —  Wismutnitrat, ­
  Bi(NO;j)3  (lat.  Bismutum  nitricum,
frz.  Nitrate  bismuthique,  engl.  Bismuth  Nitrate),
wird  durch  Auflösen  von  Wismut  in  heißer  konzentrierter ­
  Salpetersäure  und  Eindampfen  der  filtrierten ­
  Lösung  bis  zur  Kristallisation  dargestellt.
Es  bildet  farblose  Kristalle,  die  fünf  Mojeküle-Kristallwasser
  enthalten  und  bei  73  ®  schmelzen-Bei
  8o°  gehen  sie  in  das  basische  Salz  über  und
zersetzen  sich  bei  260°.  —  Durch  Einträgen  in
siedendes  Wasser  erhält  man  basisches  Wismutnitrat ­
  (lat.  Bismutum  subnitricum,  frz.  Sousazotate
  de  bismuthe,  engl.  Subnitrate  of  bismuth)
von  wechselnder  Zusammensetzung,  das  abfih
triert,  ausgewaschen  und  vorsichtig  bei  30 0  unter
Abschluß  von  Schwefelwasserstoff  getrocknet  wird.
Das  schneeweiße,  lockere,  kristallinische  Pulver
ist  völlig  geruchlos,  unlöslich  in  Wasser,  Alkohol ­
  und  Glyzerin,  hingegen  leicht  löslich  in  verdünnten ­
  Säuren.  Es  findet  ausgedehnte  medizinische ­
  Anwendung  als  Streupulver  bei  der  Wundbehandlung, ­
  zum  Einblasen  in  den  Kehlkopf  und
zum  Geruchlosmachen  jauchiger  Wunden,  sowie
innerlich  gegen  Dysenterie,  Darm-  und  Magenleiden. ­
  In  der  Technik  dient  es  unter  dem
Namen  Wismutweiß,  Perlweiß,  Spanischweiß
  und  Schminkweiß  als  SchminkmitteL
            
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