Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Benzoazurin  G

48

Benzoesäure

Destillation  unter  150 0  übergehen.  Dieses  Destillat ­
  (Rohbenzin)  wird  einer  Reinigung  mit  konz.
Schwefelsäure  und  Natronlauge  unterwo.fen  und
darauf  nochmals  destilliert.  Die  zuerst  übergehenden ­
  Leichtöle  vom  Siedepunkte  40—70 0
und  dem  spez.  Gew.  0,640—0,660  nennt  man  Petroleumäther ­
  (Gasolin).  Darauf  folgt  zwischen ­
  70  und  ioo°  (spez.  Gew.  0,660—0,700)  das
eigentliche  Benzin;  zwischen  100—120 0  (spez.
Gew.  0,700—0,720)  das  Ligroin  und  schließlich
bis  150°  (spez.Gew.0,720—0,740)  das  Putzöl.Die
Petroleumbenzine  stellen  farblose,  leicht  brennbare ­
  und  feuergefährliche  Flüssigkeiten  dar,  die
in  chemischer  Hinsicht  aus  Gemischen  von  Kohlenwasserstoffen ­
  der  Methanreihe  bestehen  und
daher  gegen  Reagentien,  namentlich  rauchende
Salpetersäure,  indifferent  sind  (Unterschied  vom
Steinkohlenbenzin).  Sie  finden  als  ausgezeichnete
Lösungsmittel  für  Fette  und  Öle,  Harze  und  Kautschuk ­
  ausgedehnte  Anwendung  in  der  Fettindustrie, ­
  Gummifabriken  und  chemischenWäschereien.
Die  in  letzteren  durch  elektrische  Funken  häufig
entstehenden  Brände  verhindert  man  durch  Zusatz ­
  von  ölsaurer  Magnesia.  2.  Steinkohlenbenzin ­
  findet  sich  in  größerer  Menge  in  dem
Teer  der  Gasfabriken,  besonders  aber  der  Kokereien, ­
  aus  welchem  es  durch  Destillation  abgeschieden ­
  wird.  Die  hierbei  zwischen  70  und
170 0  übergehende  Flüssigkeit  zerlegt  man  in
mehrere  Fraktionen,  von  denen  die  bei  80—115°
siedende  als  Rohbenzol  bezeichnet  wird,  während ­
  die  folgenden  (Auflösungsaaphtha)  das
Steinkohlenbenzin  des  Handels  daistellen.  St.-B.
ist  eine  wasserhelle  Flüssigkeit  wie  das  Petroleumbenzin, ­
  unterscheidet  sich  aber  von  letzterem
durch  seinen  höheren  Siedepunkt,  sein  höheres
spez.  Gew.  (0,900)  und  seine  chemische  Zusammensetzung, ­
  indem  es  nicht  Kohlenwasserstoffe  der
Methanreihe,  sondern  der  Benzolreihe,  besonders
neben  etwas  Benzol  Toluol,  Xylol  und  Kumol
enthält.  Hierauf  beruht  das  Verfahren  zur  Unterscheidung ­
  der  beiden  Benzine,  indem  St.-B.  bei
der  Behandlung  mit  rauchender  Salpetersäure  in
Nitrobenzol  übergeht  und  klar  gelöst  wird.  Auch
vermag  es  im  Gegensatz  zu  Petroleumbenzin
Asphalt,  Steinkohlenpech  und  Pikrinsäure  in
Lösung  überzuführen,  verbrennt  mit  stärker  rußender ­
  Flamme  und  löst  sich  in  qoprozentigem
Alkohol  auf.  Es  dient  in  der  Technik  als  Lösungsmittel ­
  und  als  Ausgangsmaterial  der  Farbenfabrikation. ­
  3.  Braunkohlenbenzin  (Solaröl, ­
  Photogen)  nennt  man  die  niedrig  siedenden ­
  Anteile  des  Braunkohlenteers  vom  spez.  Gew.
0,800—0,820,  welche  zur  Reinigung  von  Paraffin,
ferner  als  Fleckwasser  usw.  Anwendung  finden.
Benzoazurin  Q,  ein  Azofarbstoff,  blauschwarzes, ­
  in  Wasser  lösliches  Pulver,  färbt  Baumwolle
im  Seifenbade  blau  und  besteht  aus  dem  Natronsalze ­
  der  Dianisidindisazoalphanaphtolmonosulfosäure.
  Benzoazurin  ro  B  ist  die  entsprechende
Verbindung  des  Diphenetidins  mit  Naphtylaminsulfosäure.

Benzoe  (Benzoeharz,  lat.  Resina  benzoes,
Asa  dulcis,  frz.  Benjoin,  engl.  Gum  Benjamin),
ein  seit  dem  15.  Jahrhundert  in  Europa  bekannter ­
  Artikel  des  Drogenhandels,  besteht  aus
dem  fest  gewordenen  harzigen  Ausfluß  von  Benzoin ­
  officinale,  Styrax  Benzoin  und  Styrax
  subdenticulata,  mittelhoher  Bäume  aus

der  Familie  der  Styrazeen,  die  ihre  Heimat
in  Hinterindien  und  dem  Malaiischen  Archipel
haben.  Man  gewinnt  das  Harz  durch  Anschneiden ­
  der  Rinde,  und  zwar  geben  junge,  6-  bis
7jährige  Bäume  die  beste  Ware,  während  mit
steigendem  Alter  immer  dunklere  und  weniger
aromatische  Sorten  erhalten  weiden.  —  Nach
Form  und  Herkunft  unterscheidet  man  folgende
Handelssorten;  a)  Siambenzoe,  die-beste  Sorte,
besteht  aus  kleinen,  losen,  tränenförmigen  Stükken
  (B.  in  lacrymis)  von  weißer  bis  gelblicher
oder  rötlicher  Farbe  und  opalartigem  Aussehen.
Das  spez.  Gew.  liegt  zwischen  1,170  und  1,240,
der  Schmelzpunkt  bei  75  °.  Eine  geringere  Abart ­
  dieser  Sorte,  die  Mandelbenzoe  (B.  amygdaloides)
  bildet  unregelmäßige  rötliche  Massen,
in  welchen  zahlreiche  weiße  oder  gelbliche,  oft
mandelförmige  Stücke  verteilt  sind,  b)  Kalkuttabenzoe ­
  (Block-,  Tampangs-Benzoe)
kommt  in  Form  großer  Blöcke  von  rotbrauner
Farbe  mit  zahlreichen  eingelagerten  Mandeln  und
Pflanzenresten  in  den  Handel.  Ihr  spez.  Gew.  be
trägt  1,100—1,120.  c)  Palembang-  oder  Palem-B.
  ist  der  vorigen  ähnlich,  aber  minderwertiger.
Sie  enthält  bis  zu  io°/o  Verunreinigungen  und  hat
ein  spez.  Gew.  von  1,130.  d)  Sumatra-B.  bildet
meist  dunklere  Massen  oder  Blöcke,  e)  Penang-B„
  braune,  poröse,  anscheinend  zusammengeschmolzene ­
  Klumpen.  —  In  chemischer  Hinsicht ­
  besteht  die  Benzoe  aus  einem  Gemische  verschiedener ­
  Plarze  mit  Benzoesäure  oder  Zimtsäure
und  1  bis  1  Vs 0 /»  Vanillin.  Das  Harz  der  Siambenzoe ­
  ist  ein  Gemenge  von  Benzoesäureestern
mit  2  Harzalkoholen,  dem  weißen  Benzoeresinol
(C 16 H 26 G 2 )  und  dem  braunen  Siaresinotannol
(C 12 H u O s ),  während  das  Harz  der  Sumatrabenzoe ­
  neben  etwas  Zimtsäurephenylpropylester
(C, s H )8 0 2 ),  Zimtsäurezimtester  (Styrazin)  und
Zimtsäurebenzoeresinolester  viel  Z  mtsäureresinotannolester
  enthält.  Je  nach  der  Art  der  vorhandenen ­
  freien  Säure  unterscheidet  man  B.,
die  nur  Benzoesäure  (Sorten  a,  b,  c)  und  solche,
die  Benzoe-  und  Zimtsäure  (d  und  e)  enthält.  —■
Zur  Prüfung  auf  Zimtsäure  zerreibt  man  die  B.  I
mit  kaltem  Wasser,  kocht  auf  und  filtriert.  Das
durch  Eindampfen  etwas  konzentrierte  Filtrat
wird  -riedend  heiß  mit  etwas  Kaliumpermanganat ­
  .ersetzt,  worauf  nur  bei  Anwesenheit  von
Zimisäure  Geruch  nach  Bittermandelöl  auftritt.  —-Die
  nur  Benzoesäure  enthaltenden  Sorten  a—c  1
finden  medizinische  Anwendung  als  antiseptisches  I
und  desinfizierendes  Mittel,  während  die  übrigen
auch  in  der  Parfümerie  sowie  zur  Herstellung  I
von  Räuchermitteln,  Schokoladenlack  u.  dgl.  in  \
großen  Mengen  verarbeitet  werden.
Benzoeäther  (Benzoesäureäther,  Benzoe-]
vinester,  benzoesaures  Äthyloxyd,  Ben-|
zoesäureäthyläther,  lat.  Äther  benzoicus,  frz-j
1  Ether  benzoique,  engl.  Benzole  ether),  C 6 H 5  ■
COUC 2 H 5 ,  eine  wasserhelle  farblose,  aromatisch  j
riechende  Flüssigkeit  vom  spez.  Gew.  1,0517  und
vom  Siedepunkte  213  °,  wird  durch  Einleiten  von
gasförmiger  Salzsäure  in  eine  alkoholische  Lösung
von  Benzoesäure  erhalten  und  zur  Bereitung  (
vor.  Fruchtäthern  sowie  von  Parfüms  (PeaU
d’Espagne)  verwendet.  In  Wasser  ist  der  B-  j
nur  sehr  wenig,  in  Alkohol  leicht  löslich.
Benzoesäure  (Benzoeblumen,  lat.  Acidum
b  mzoicum,  Flores  benzoes,  frz.  Acide  benzoique-  r
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.