Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Birresborner Quelle 
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Bittersüß 
Birresborner Quelle. Nach der im Jahre 
1875 von R. Fresenius ausgeführten Analyse sind 
in 1000 g enthalten: 0,2729 g Kalziumbikarbonat, 
2,8517 g Natriumbikarbonat, 0,0033 g Lithiumbi 
karbonat, 0,0002 g Barium- und Strontiumbikar 
bonat, 1,0929 g Magnesiumbikarbonat, 0,0351g 
Eisenbikarbonat, 0,0007 g Manganbikarbonat, 
0,3576g Chlornatrium, 0,0004g Bromnatrium, Spur 
Jodnatrium, Spur Aluminiumphosphat, 0,0002 g 
Natriumphosphat, Spur borsaures und salpeter 
saures Natrium, 0,0245 g Kieselsäure und 2,3339 g 
freie Kohlensäure. 
Bischofessenz (lat. Tinctura Episcopalis), eine 
zur Bereitung des Bischofgetränks dienende 
Flüssigkeit, welche aus einem alkoholischen Aus 
zug frischer grüner Pomeranzenschalen mit oder 
ohne Zusatz anderer Gewürze ^(Nelken, Zimt) be 
steht und nur mit Rotwein und etwas Zucker 
gemischt zu werden braucht. Die B. wird ge 
wöhnlich von den Fabriken ätherischer Öle mit 
geliefert. 
Biskuit (Biscuit, Bisquit) ist ein feineres 
Gebäck aus kleiefreiem Mehl, Fett, Zucker, Eiern 
und Gewürzen, welches durch Backen eines sehr 
wasserarmen und unvollständig aufgegangenen 
Teiges hergestellt wird. Nach englischem Vor 
bilde werden die ß. meist unter dem Namen 
Kakes, jetzt Keks, in den Handel gebracht, 
Während die neuerdings vorgeschlagenen un 
schönen Verdeutschungen: Knusperchen, Röst- 
b a ck usw. nur geringen Anklang gefunden haben. 
Die große Haltbarkeit dieser Erzeugnisse beruht 
■auf dem geringen Wassergehalt von 7—8 °/o. 
Bismarckbraun (Vesuvin, Phenylenbraun, 
Leder-, Manchester-, Anilin-, Zimtbraun, 
Canelle), einAzo-(Amidoazo-)Farbstoff fürWolle 
und Baumwolle, wird aus Dinitrobenzol durch 
Einwirkung reduzierender Substanzen, z. ß. Zink 
u nd Salzsäure, oder durch Einwirkung von sal 
petriger Säure auf Metaphenylendiamin dar 
gestellt. Es ist ein braunes, in Wasser lösliches 
Pulver, das Wolle, Jute, Leder und Seide direkt, 
Baumwolle nach dem Beizen mit Tannin färbt. 
Bismon, ein Heilmittel für Darmkrankheiten, 
das als kolloidales Wismuthydroxyd anzuspre 
chen ist. Ähnlich wirkende Mittel sind: Bismu- 
*an (Isutan), ein Gemisch von gerbsaurem 
Wismut mit Resorzin, Bismutose, ein Wismut- 
e 'Weißpräparat. 
.Bister (Rußbraun, frz. Bistreux, engl. Bistre), 
ottie braune Farbe, besteht aus gereinigtem und 
Präpariertem Glanzruß. Mineralischer B. ist 
^anganoxydhydrat. 
Bitterklee (Fieberklee, Sumpfklee, lat. 
Folia trifolii fibrini, frz. Feuilles de Menyanthe, 
* euilles de tröfle d’eau, engl. Buckbean), die 
getrockneten, langstieligen, dreiteiligen Blätter 
von Menyanthes trifoliata, einer bekannten, 
■ 2u den Gentianeen gehörigen Wasserpflanze, 
Enthalten einen Bitterstoff, das Menyanthin, 
und werden teils als Arzneimittel, teils bei der 
Bereitung bitterer Liköre verwandt. 
Bittermandelöl (lat.Oleum amygdalarum ama- 
ra rum aethereum, frz.Essence d’amandes ameres, 
■?Pgl. Oil of almonds), das ätherische Öl der 
unteren Mandeln, in welchen es jedoch nicht in 
reiem Zustande, sondern in Form des Glykosides 
Amygdalin (s. d.) an Zucker und Blausäure 
Sekunden , enthalten ist. Bei Gegenwart von 
Wasser zerfällt das letztere unter Einwirkung 
des gleichzeitig in den Mandeln enthaltenen 
Fermentes Emulsin in seine Bestandteile. Zur 
Gewinnung des B. werden die zerkleinerten 
Mandeln (oder Pfirsichkerne) zunächst durch 
Pressen vom fetten Öl befreit, dann, mit 
Wasser angerührt und nach einiger Zeit der 
Destillation im Wasserdampfstrome unterworfen. 
Das wäßrige Destillat, welches Spuren von B. 
und Blausäure enthält, findet als Bittermandel 
wasser (s. unter Aqua amygdalarum amararum) 
Anwendung, während das zu Boden gesunkene 
schwere Öl rektifiziert wird. Auf künstlichem 
Wege stellt man das B., in chemischer Hinsicht 
Benzaldehyd, C 6 H 5 .CPIO, durch Behandlung 
von Benzoylchlorid mit Bleinitrat im großen 
technisch dar. Es erscheint als eine anfangs 
farblose, später gelbliche, stark lichtbrechende 
Flüssigkeit, ist schwerer als Wasser (spez. Gew. 
1,050), siedet bei 179 0 und löst sich leicht in 
Alkohol, wenig in Wasser. Da B. aus der Luft 
begierig Sauerstoff qnzieht, muß es in gut ver 
schlossenen, gefüllten Flaschen und vor Licht 
geschützt aufbewahrt werden. Es findet aus 
gedehnte Anwendung in der Medizin, ferner 
zum Parfümieren von Seifen, kosmetischen Prä 
paraten, Likören und anderen Genußmitteln. 
Für letzteren Zweck darf nur ein Öl benutzt 
werden, welchem die giftige Blausäure durch 
entsprechende Behandlung (mit Eisensulfat und 
Kalkwasser) entzogen worden ist. Als künst 
liches Bittermandelöl wird bisweilen fälsch 
licherweise das Nitrobenzol (s. Mirbanöl) be 
zeichnet. 
Bittersalz (Schwefelsäure Magnesia, Mag 
nesiumsulfat, Engllschsalz, Epsomersalz, 
lat. Magnesium sulfuricura, frz. Sei amer, Sulfate 
de magnesie, engl. Bitter salt), kristallisiertes 
Magnesiumsulfat, MgS0 4 , findet sich in der Na 
tur mit 7 Molekülen (51% Kristallwasser als Ep- 
somit in Spanien, Sibirien usw. und mit 1 Molekül 
Kristallwasser (13%) als Kieserit in dem Staß- 
furter Abraumsalzlager. Früher stellte man das 
B. durch Verdampfen der natürlichen Bitterwässer 
bis zur Kristallisation dar, jetzt erhalten die 
Mineral- und Sodawasserfabriken das Salz bei 
Entwicklung der Kohlensäure aus Magnesit und 
Schwefelsäure als Nebenprodukt. Die Haupt 
menge wird aber aus Kieserit gewonnen. Das 
B. erscheint in kleinen nadelförmigen, durch 
sichtigen, in Masse weißen Kristallen von bitter 
lichem Geschmack, welche in Wasser leicht lös 
lich sind, und wird in der Medizin als Abführ 
mittel, ferner zur Bereitung anderer Magnesia 
salze, zum Beschweren baumwollener Gewebe usf. 
benutzt. 
Bittersüß (Alpranke, Hirschkraut, lat. Sti- 
pites Dulcamarae, frz. Douce-amöre, engl. Bitter 
sweet). Von dieser, an den Flußufern Mittel 
europas häufig vorkommenden kleinen strauch 
artigen Pflanze, Solanum Dulcamara, wer 
den die langen, federkieldicken, -eckigen und 
runzligen Stengel im Frühjahre oder Herbste ge 
sammelt und getrocknet in den Drogenhandel 
gebracht. Die Stengel haben im frischen Zu 
stande einen angenehmen, narkotischen Geruch, 
der aber beim Trocknen verschwindet, und einen 
erst bitteren, dann süßen und kratzenden Ge 
schmack. Als charakteristische Bestandteile fin
	        
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