Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Champignon 
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Chartreuse 
bis 2 °/o Zucker bei i,6—4% Extrakt und süße 
Sch. mit 4—17% Zucker und 6—20°/o Extrakt. 
Der Alkoholgehalt beträgt 7—12 g in 100 ccm. 
Gh. ist ein Wein im Sinne des Gesetzes vom 
7. IV. 1909, dessen Vorschriften er entsprechen 
muß. Ausgenommen ist er nur von der zeitlichen 
und örtlichen Begrenzung der Zuckerung (§ 3). 
Nach § 17 muß Schaumwein eine Bezeichnung 
tragen, die das Land erkennbar macht, wo er auf 
Flaschen gefüllt worden ist, z. B. „Deutscher 
Sch.“, „Französisches Erzeugnis“, „in Deutsch 
land auf Flaschen gefüllt“. Bei Ch., der einen 
Zusatz fertiger Kohlensäure erhalten hat, muß 
die Bezeichnung: „Mit Zusatz von Kohlensäure“ 
angebracht sein. Dem Schaumwein ähnliche Ge 
tränke müssen mit der Kennzeichnung des Aus 
gangsmaterials, z. B. „Obstschaumwein“, „Apfel- 
schaumwein“, versehen werden. Unter „Sekt“ 
ist echter Schaumwein zu verstehen. Steuer: 
S. Anhang: „Gesetz zur Änderung des Schaum- 
weinsteuergesetzes“ vom 26. Juli 1918. — Die 
französische Erzeugung beträgt rund 40 Millionen 
Flaschen, von denen 24 Millionen ausgeführt 
werden. Deutschland führte im Jahre 1912 rund 
1 Million Flaschen ein und 1,3 Millionen aus. 
Champignon (Feldblätterschwamm, An 
gerling, Egerling, Brachpilz, Wiesen 
schwamm, Pferdepilz, Weidling, frz. Cham 
pignon, engl. Champinion.Mushroom), eine der vor 
züglichsten und beliebtesten Pilzsorten, wächst in 
ganz Mitteleuropa auf Wiesen und Brachäckern, in 
Gärten und Wäldern, und wird auch künstlich ge 
züchtet. Er gehört zu der Gruppe der Blätterpilze 
(Agaricus), die an der Unterseite des Hutes als 
Sporenlager nur Blätter oder Lamellen tragen, 
und kann daher von allen anderen Gattungen 
leicht unterschieden werden. Auch im jugend 
lichen, kugelförmigen Zustande, in dem der Ch. 
eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bovist und 
Lycoperdon zeigt, sind Hut und Lamellen auf 
dem Querschnitt leicht zu erkennen. Für die 
beiden wichtigsten Sorten des Ch. gibt das vom 
Kaiserl. Gesundheitsamte herausgegebene Pilz- 
ßierkblatt folgende Kennzeichen: 1. Feldcham- 
Pignon (Psalliota oder Agaricus campestris). Hut 
at lfangs kugelig, später schirmförmig, weithin fla 
cher werdend, 6—14 cm breit, dickfleischig mit 
"'eißer, auch bräunlicher seidenhaariger Oberhaut, 
die sich in Streifen abziehen läßt. Fleisch weiß, 
bei Verletzungen rötlich werdend. Stiel 6—8 cm 
«och, weiß, voll, mit einem dickhäutigen, weißen 
Ringe. Blätter anfangs rötlich, später braun. 
Geruch fein anisartig, Geschmack nußkern- 
ar tig. An lichten grasigen Stellen, besonders 
w ° Pferdedung liegt. Frühsommer bis Herbst. 
?i Schaf Champignon (Ps. oder A. arvensis). 
Gut anfangs zylindrisch-kegelförmig mit ab- 
Seflachtem Scheitel, später ausgebreitet, 8—15 cm 
breit, anfangs etwas flockig, dann kahl. Ober 
haut weiß, an Druckstellen gelblich, abziehbar. 
'Heisch weiß bleibend. Stiel weiß, hohl, mit 
dickem, straffem Ringe, 5—18 cm hoch. Blätter 
anfangs grauweiß, bald rötlich werdend, schließ 
et braun. Geruch und Geschmack angenehm. 
Auf Wiesen, in Gärten, auch in lichten Wäldern, 
gramer bis LIerbst. — Von der Beschreibung 
er zahlreichen weiteren Abarten kann abgesehen 1 
^erden. — Dem Ch. ist der gefährlichste aller 
Giftpilze, der Knollenblätterschwamm (Ama 
nita phalloides) überaus ähnlich. Das Pilzmerk 
blatt gibt folgende Kennzeichen für ihn an: Hut 
6—8 cm breit, meist weiß, doch auch, zwar in 
der Grundfarbe weiß, aber mit gelblichem, grün 
lichem, selbst hellbräunlichem Schimmer, in 
feuchtem Zustande etwas klebrig. Die Oberhaut 
ist meist mit einigen weißlichen oder bräunlichen 
Fetzen der Hülle besetzt. Fleisch weißlich, von 
widerlich scharfem Geschmack. Blätter weiß. 
Stiel 8—10 cm hoch, oberhalb der Knolle schlank, 
nach dem Hute zu sich verjüngend, weißlich, 
anfangs voll, später hohl werdend, mit einem 
häutigen, schlaff herabhängenden, weißlichen 
oder gelblichen Ringe. Das knollige Ende des 
Stiels ist mit der schlaffen, häutigen, weißlichen 
Scheide nur wenig verwachsen. In Laub- und 
Nadelwäldern, auf Waldwiesen, meist herden 
weise. Sommer, Herbst. Ganz junge Pilze kön 
nen ihrem Äußeren nach leicht mit jungen Ch. 
verwechselt werden, sie zeigen aber beim Durch 
schneiden niemals rötliche, sondern stets weiße 
Blätter. •— E. Herrmann gibt für den Schaf 
champignon und seinen Doppelgänger, den gelb 
lichweißen Knollenblätterschwamm (Amanita 
mappa) folgende Unterscheidungsmerkmale. Hut: 
Beim Ch. Haut leicht ablösbar, ohne Schleier 
reste, beim Kn. Haut nicht ablösbar, meist mit 
Schleierresten; Blätter: Beim Ch. in der Jugend 
rosa, bisweilen weiß, im Alter braunschwarz, fast 
alle gleich lang, am Stielansatz breit, beim Kn. stets 
weiß, von ungleicher Länge, an beiden Enden 
verschmälert; Stiel: Beim Ch.am Gründe schwach 
verdickt, brüchig, dickfleischrig, ohne Scheide, 
beim Kn. unten mit dicker Wulst, undeutlich aus 
gebildeter Scheide, zäh und biegsam.; Sporen: Beim 
Ch.braunschwarz, beim Kn.weiß ; Geruch: Beim 
Ch. würzig nach Anis, beim Kn. geruchlos oder 
nach rohen Kartoffeln; Standort: Ch. Wiesen, 
Äcker, Gärten, Wälder, Höfe, Ställe, Kn. nur im 
Walde, vorzugsweise im Nädelwalde. — Die Ch. 
bilden nicht allein im frischen, sondern auch im 
getrockneten Zustande, ferner in Essig ein 
gemacht und in Blechdosen sterilisiert einen wich 
tigen Handelsartikel. Die Kultur wird entweder 
in unterirdischen Räumen (Ch.-Keller) oder in 
Ställen und Mistbeeten betrieben. Das aus den 
Sporen entstandene, die Erde in Form feiner 
weißer Fäden durchsetzende Myzel kommt als 
Ch.-Brut für sich in den Handel. Die größten 
Züchtereien finden sich in der Umgegend von 
Paria, deutsche in Berlin, Braunschweig, Dresden, 
Erfurt, Hannover und im Harz, namentlich in 
Goslar. Hinsichtlich des Nährwertes sei auf den 
Abschnitt Pilze verwiesen. 
Chandul, ein Faserstoff aus den westlichen 
Teilen Ostindiens, besteht aus dem Baste von 
Lepuranda succidora und wird namentlich 
zur Herstellung von Säcken und Matten verwandt. 
Charas, das Harz der indischen Hanfpflanze, 
wird dort und in Kaschgar viel gesammelt und 
wirkt betäubend. 
Chartreuse, gesetzlich geschützter Name eines 
feinen französischen Likörs, für dessen Nach 
ahmung nach König folgendes Rezept benutzt 
werden kann: Man bringt in eine Destillierblase 
auf ein verzinntes kupfernes Sieb 50 g Abel 
moschuskörner, 30 g Zeylonzimt, 100 g Curagao- 
schalen, 50 g Pomeranzenfrüchte, 30 g Karda 
momen, 150 g Ivakraut, 125 g Angelikasamen,
	        
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