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Dörrobst
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Dotter
besser dämpft und darauf bei nicht zu hoher
Temperatur trocknet. In Haushaltungen oder
kleinen Betrieben bedient man sich hierzu der
Sonnenwärme oder kleiner Öfen nach Art der
Obstdarren, in der Großindustrie meist beson
derer Vakuumapparate, in denen bei 40—50°
Farbe und Aroma besser erhalten bleiben. Künst
liche Grünfärbung oder Bleichung mit schwef
liger Säure u. dgl. ist zu verwerfen. Als wich
tigste D. kommen Bohnen, Möhren, verschiedene
Kohlarten, Spinat, Zwiebeln, Schoten, neuerdings
auch Kartoffeln und Kohlrüben in den Handel.
Der bei letzteren bisweilen beobachtete üble Ge
schmack ist auf die Verwendung direkter Feue
rungsgase zurückzuführen. Richtig hergestelltes
D,, dessen Wassergehalt von 80—90% auf etwa
10—20 0/0 herabgesetzt worden ist, bildet ein wert
volles Nahrungsmittel von großer Haltbarkeit,
muß aber trocken und sauber aufbewahrt werden,
da es sonst leicht von Milben befallen wird. Die
Zubereitung erfolgt durch mehrstündiges Ein
weichen und langsames Kochen.
Dörrobst im allgemeinen nennt man das
durch Trocknen haltbar gemachte Obst. Zum
Unterschiede von dem durch künstliche Wärme
getrockneten Backobst (s. d.) gebraucht man
diese Bezeichnung aber im Handel meist für ge
wisse ausländische Erzeugnisse, die bei Sonnen
wärme getrocknet sind, wie Görzer Prünellen,
kalifornische Aprikosen, Pfirsiche, Birnen und
Äpfel, und sich durch schönes Aussehen vorteil
haft auszeichnen. Sehr oft ist dieser Vorzug
allerdings nur ein scheinbarer und auf Behand
lung mit bleichenden Mitteln, wie schwefliger
Säure, früher auch wohl Zinkoxyd, zurückzu
führen.
Dolomit, ein auch gesteins- und gebirgsbildend
auftretendes Mineral, das aus einem isomorphen
Gemisch von Kalzium- und Magnesiumkarbonat
besteht, erscheint in Form weißer oder schwach
bräunlicher kristallinischer Massen und kommt
ln gemahlenem Zustande zur Darstellung von
Kohlensäure in den Handel.
Doppelscharlach. Diesen Namen führen ver
schiedene rote, zur Gruppe der Azofarben ge
hörige Teerfarbstoffe, so namentlich das N^tron-
salz <j es Amidoazobenzolmonosulfosäureazobeta-
n aphtols (Echtscharlach), ein rotbraunes Kri-
s lallpulver, das in Wasser mit roter, in konzen
trierter Schwefelsäure mit grüner, beim Ver
dünnen mit Wasser durch Blau in Scharlachrot
ubergehender Farbe löslich ist. Doppelschar-
a ch extra S, das Natronsalz der Betanaphtyl-
■itninsulfosäureazoalphanaphtolmonosulfosäure, ein
braunrotes, in Wasser mit gelbroter Farbe lös-
uches Pulver, färbt wie das vorige Wolle in
Sa urem Bade scharlachrot. Brillantscharlach
und Brillantponceau sind sehr ähnliche Far-
ben - Doppelbrillantscharlach G (Orange-
r °t I), ein rotbraunes, in Wasser mit gelbroter,
l? konzentrierter Schwefelsäure mit fuchsinroter
ar be lösliches Pulver, besteht aus dem Natron-
Sa * ze des Betanaphtylaminsäureazobetanaphtols
und färbt Wolle gelbrot.
, Pormiol (Chloralamylalkoholat) entsteht
Behandlung von Chloral mit Amylenhydrat
s ein farbloses, nach Kampfer riechendes öl
,, < ? r u spez. Gew. 1,250 und wird an Stelle des
ulorals als Schlafmittel benutzt.
Dornenstein, die bei der Verdunstung der
Salzsole auf den Dornen der Gradierwerke in
Salinen sich absetzende feste Masse von gelblich
grauer Farbe, besteht der Hauptsache nach aus
Gips und einigen anderen Salzen und wird als
Düngemittel verkauft.
Dorsch (frz. Narvage, engl. Torsk), ein Fisch
aus der Familie der Gadiden oder Schell
fische, Gadus calarias, zu der außer dem
eigentlichen Schellfisch auch der Merlan und
der Kabeljau gehören, ist im Vergleich zu den
letzteren großen Verwandten klein, nur i/j m
lang und 1 —1,5 kg schwer, aber von zartem
schmackhaften Fleisch und wird sowohl frisch,
als gesalzen und getrocknet gegessen. Der Fisch
lebt häufig in der Ostsee sowie an den norwegi
schen und irischen Küsten, und wird namentlich
auf den Lofoten massenhaft gefangen. Er kommt
in Fässern eingesalzen als Salzdorsch und,
neuerdings häufiger als früher, frisch über die
norddeutschen Seehäfen in den Handel, wird aber
oft mit dem Kabeljau (s. d.) verwechselt. Der Ver
brauch des frischen Fisches ist jetzt durch die
Eisenbahnen bis weit ins Binnenland hinein er
möglicht und beständig im Zunehmen begriffen.
Die Leber dient zur Herstellung von Leber
tran (s. d.).
Dost (Dostenkraut, Wohlgemut, wilder
Majoran, lat.Herbaoriganivulgaris, frz.Sommitü
fleurie d’origan vulgaire, engl. Common mar-
joram). Diese, der Familie der Labiaten un
gehörige, mit Salbei und Majoran nahe verwandte
Gattung umfaßt verschiedene Arten aromatischer
und offizieller Kräuter. Der gemeine D. ist
eine bei uns häufig auf sandigen Anhöhen wach
sende, 30 cm hohe Pflanze mit vierkantigem,
zottig behaartem rötlichen Stengel, gegenüber
stehenden eirunden, buchtig gezähnten, an der
Unterseite und am Rande weichhaarigen Blättern
und rundlichen Blütenähren mit purpurroten
Lippenblüten. Das mit den Blüten gesammelte
und getrocknete Kraut der Pflanze riecht sehr
stark, aber angenehm aromatisch und schmeckt
gewürzhaft bitterlich. Es dient zu Kräuterkissen
und Kräuterbädern. Durch Destillation mit Was
ser wird daraus der riechende Stoff als ein dünn
flüssiges, blaßgeibes, ätherisches Öl, Dostöl (lat.
Oleum origani vulgaris, frz. Essence d’origan,
engl. Origan oil), vom spez. Gew. 0,870—0,910
erhalten, das zum Parfümieren von Seife dient.
— Die gleiche Verwendung finden Kraut und Öl
des kretischen Dostes, auch Spanischer
Hopfen genannt (lat. Herba origani cretici, frz.
Marjolaine d’Espagne, engl. Spanish marjoram),
der in Griechenland und Kleinasien heimisch
ist und von dort eingeführt wird, hauptsächlich
zur Gewinnung des ätherischen Öls, welches als
spanisches Hopfenöl (lat. Oleum origani cre
tici, frz. Essence de marjolaine d’Espagne, engl.
Spanish marjoram oil) gegen Zahnweh dient.
Dieses Öl' ist dickflüssig, goldgelb bis rotbraun,
vom spez. Gew. 0,920—0,980 und enthält außer
einem Terpen als wichtigsten Bestandteil Karva-
krol und höhere Phenole.
Dotter (Leindotter, Flachsdotter, Fin-
kensame, Dotterlein, frz. Camöline, engl.
Gold of pleasure) ist eine auf Äckern unter Flachs
und anderen Saaten oft wild wachsende ein
jährige Kruzifere (Camelina sativa), die, als