Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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prozesses, in überstürzten und verfehlten Anpassungversuchen 
mancher Einzelwirtschaften zu suchen ist!). . 
Die Depressionsperiode bedeutet also eine weitgehende 
Annäherung an den statischen Gleichgewichtszustand. Es 
besteht daher hier die Tendenz, den Zins zu eliminieren. „Nie- 
mals wird natürlich ein Zustand erreicht, der dem theoretischen 
Bild der Entwicklungslosigkeit völlig entspricht und in dem 
es etwa kein Zinseinkommen mehr gäbe. Das hindert schon die 
relativ kurze Dauer der Depressionsperioden‘“?), Der Zins 
würde aber auf Null herabgedrückt werden, wenn die Depressions- 
periode lange genug dauerte, wenn die Entwicklung nicht immer 
wieder neue Verwendungsmöglichkeiten für das Kaufkraft- 
angebot schaffen würde®). 
Der Mehrertrag, aus dem der Zins fließt, verschwindet aber 
auch bei den Einzelwirtschaften innerhalb einer Volkswirtschaft 
mit kapitalistischer Entwicklung. „Der Ertrag jedes Betriebes 
schwindet nach einiger Zeit hin, ein jeder Betrieb sinkt, wenn er 
unverändert bleibt, sehr bald zur Bedeutungslosigkeit herab“*). 
„Der einzelne industrielle Betrieb ist eben keine dauernde Quelle 
anderer Einkommen als Lohn und Rente‘). Diese Tatsache 
wird nur dadurch verschleiert, daß, sobald Zins gezahlt wird, 
jede Kaufkrafteinheit dem Geldmarkte zuströmt, insbesondere 
auch diejenigen Wirtschaftssubjekte, die Gewinne aus den Rück- 
wirkungen der Entwicklung ziehen, diese jetzt, angelockt durch 
den Zins, nach dem Geldmarkte leiten, anstatt sie aufzuhorten 
dder Güter dafür zu kaufen, vor allem aber auch das „eigent- 
liche‘ Sparen, d. h. die Enthaltung von gewohnter Bedürfnis- 
befriedigung®) einsetzt, da jetzt die Möglichkeit besteht, sich 
auf diese Weise einen dauernden Reinertrag zu verschaffen”). 
„So verbreitet sich die Zinserscheinung nach und nach über 
die ganze Volkswirtschaft hin, und deshalb bietet sie dem Be- 
obachter eine viel breitere Front als man nach ihrem innersten 
Wesen vermuten sollte. So wird denn, wie schon wiederholt 
1) Schumpeter, Entwicklung, S. 348, 365ff, ?) ebda., S. 357. 
%) ebda., S. 302; Schumpeter, Entgegnung, S. 615/16. *) Schum- 
peter, Entwicklung, S. 312. ) ebda,, S, 312if. %) ebda., S. 107; 
Schumpeter, Wesen, S. 309/10. 7) Schumpeter, Entwicklung, S. 300/02,
	        
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