Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

26  Die  Entwicklung  der  deutschen  Portland-Zementindustrie  usw.

machte.  Es  entstand  daher  ein  scharfer  Konkurrenzkampf,  der
einen  Preissturz  herbeiführte,  der  umso  empfindlicher  war,  als
die  Löhne  und  Brennmaterialpreise  in  der  letzten  Zeit  gestiegen
waren.  Wie  wichtig  letztere  für  die  Portland-Zementindustrie
sind,  geht  aus  den  oben  angegebenen  Zahlen  über  den  Kohlenverbrauch ­
  bei  den  verschiedenen  Ofen  hervor.  Dazu  kommt
noch  der  Verbrauch  beim  Trocknen,  der  allerdings  viel  kleiner
ist,  als  beim  Brennen  und  der  für  die  Arbeitsmaschinen,  falls
diese  mit  Dampf  betrieben  werden.  Erschwert  wurde  diese  ungünstige ­
  Lage  noch  durch  die  Verhältnisse  zum  Auslande,  die
durch  die  Zölle  der  Nachbarstaaten  und  Amerikas  und  die  unter
ihrem  Schutze  entstehende  ausländische  Industrie  ungünstig  beeinflußt ­
  wurden,  so  daß  es  immer  weniger  möglich  war,  die  inländische ­
  Überproduktion  auf  das  Ausland  abzuwälzen.  Gerade
in  dieser  ungünstigen  Zeit  in  der  ersten  Hälfte  der  90  er  Jahre
trafen  aber  noch  zwei  besondere  Momente  hinzu,  die  die  Exportverhältnisse ­
  ganz  bedeutend  verschlechterten.  Das  war  zunächst
der  deutsch-russische  Zollkrieg  1893/94,  der  einen  so  hohen  Zoll
brachte,  daß  die  Ausfuhr  aus  den  ostdeutschen  Produktionsgebieten ­
  ganz  unterbunden  und  die  schlesischen  Fabriken  zum
größten  Teile  dadurch  veranlaßt  wurden  im  Stettiner  und  Berliner
Gebiete  verschärfte  Konkurrenz  zu  machen,  und  ferner  die
amerikanische  Silberkrisis  1893,  während  der  der  Export  nach
Nordamerika  fast  ganz  ins  Stocken  geriet.
Um  die  Lage  zu  bessern,  wurden  in  der  damaligen  Zeit  die
ersten  Konventionen  gegründet,  die  jedoch  zunächst  mit  2  Ausnahmen ­
  nur  lose  Preisverabredungen  waren  und  daher  meist
keinen  langen  Bestand  hatten.  Schlesien  machte  1891  den
Anfang  und  zwar  bezeichnenderweise  zu  einer  Zeit,  als  die  Preise
vorübergehend  ein  wenig  stiegen.  Zuerst  wurde  auch  ein  Erfolg
erzielt,  indem  die  Preise  etwas  erhöht  werden  konnten.  Im
nächsten  Jahre  wurde  jedoch  die  Überproduktion  noch  vergrößert, ­
  da  man  großen  Bedarf  für  Staatsbauten  erwartet  hatte,
der  dann  nicht  eintraf,  die  Konvention  wurde  mehrfach  unterboten, ­
  weshalb  sie  ihre  Preise  herabsetzen  mußte,  und  löste  sich
            
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