Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die  Entwicklung  der  deutschen  Portland-Zementindustrie  usw.  31

maler  Weise  weiter  entwickelt  hätte,  hätte  die  enorm  anwachsende
Produktion  in  keinem  gesunden  Verhältnis  mehr  zu  ihm  gestanden.
Nun  setzte  aber  mit  dem  Jahre  1900  der  allgemeine  wirtschaftliche ­
  Niedergang  ein,  das  Geld  wurde  teuer,  die  Bautätigkeit
wurde  daher  in  jeder  Beziehung  geringer,  die  Kanal  Vorlage  fiel,
der  Bedarf  nahm  zunächst  weniger  zu  als  bisher,  um  in  den
nächsten  Jahren  direkt  zu  sinken.  Die  Folge  war  eine  erhebliche
Überproduktion  auf  dem  deutschen  Zementmarkt.  Die  großen
Bestände,  die  sich  angesammelt  hatten,  weil  der  erwartete  große
Bedarf  nicht  eintraf,  suchte  man  um  jeden  Preis  loszuschlagen.
Die  nach  und  nach  in  Betrieb  kommenden  neuen  Werke  schlossen
sich  den  älteren  Abmachungen  zum  Teil  nicht  an,  so  daß  die
Verträge  zwischen  den  verschiedenen  Konventionen  für  das  Jahr
1901  nicht  erneuert  wurden.  Die  Bewegung  setzte  ungefähr
Mitte  1900  ein.
Um  nun  die  Produktion  dem  Bedarf  einigermaßen  anzupassen
und  ein  allzu  großes  Sinken  der  Preise  zu  verhindern,  griff  man
zu  dem  Mittel  der  Syndikatsbildung.  Der  unterelbische  Verband
wurde  in  ein  festgefügtes  Kartell  mit  Verkaufsstelle  und  der
Befugnis  zur  Produktionseinschränkung  umgewandelt,  ferner
wurde  das  nordwest-mitteldeutsche  Portland-Zementsyndikat  in
Hannover  gegründet,  das  die  Gebiete  Mitteldeutschland,  Hannover
und  Rheinland-Westfalen  umfaßte.  Es  übernahm  den  Verkauf
für  die  ihm  angeschlossenen  Werke  und  zwar  garantierte  es
dafür,  jedem  Werke  das  ihm  zugeteilte  Kontingent  abzunehmen.
Die  Produktion  wurde  zwar  eingeschränkt,  aber  gerade  im
hannoverschen  und  rheinisch-westfälischen  Gebiete  war  die  Produktion ­
  am  meisten  gewachsen.  Nach  Tabelle  IV  stieg  die  Zahl
der  Aktiengesellschaften  in  1895  —1901  in  Hannover  von  2  auf  8
und  in  Rheinland-Westfalen  von  8  auf  21.  Um  nun  die  Fabriken
zum  Beitritte  in  das  Syndikat  zu  bewegen,  mußte  man  ihnen  ein
gewisses  Kontingent  zubilligen,  weil  sonst  ihre  Produktion  so
stark  eingeschränkt  worden  wäre,  daß  sie  sich  nicht  mehr  rentiert ­
  hätte.  Die  Folge  war,  daß  das  gesamte  Kontingent  viel  zu
hoch,  nämlich  mit  IU/2  Millionen  Faß  angesetzt  wurde,  während
            
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