Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die  Entwicklung  der  deutschen  Portland-Zementindustrie  usw.  35

werden.  1902  brach  nun  aber  die  nordwest-nhtteldeutsche  Konkurrenz ­
  mit  Macht  in  das  süddeutsche  Gebiet  ein,  die  Geschäftslage ­
  wurde  nun  auch  hier  völlig  schlecht,  die  Preise
sanken  stark.  Dagegen  konnte  auch  der  süddeutsche  Verband
nicht  helfen.  Entsprechend  dieser  Entwicklung  sehen  wir  in
Tabelle  III  und  IV,  daß  die  Dividenden  in  Süddeutschland  erst
1902  ihren  größten  Tiefstand  erreichten.
Wir  stehen  an  einem  Wendepunkt  in  der  Entwicklung  der
deutschen  Portland-Zementindustrie  insofern,  als  von  jetzt  ab
eine  festgefügte  und  weitgehende  Kartellierung  ein  unbedingtes
Erfordernis  für  ihre  gedeihliche  Entwicklung  bildet.  Wir  haben
zwar  schon  seit  Mitte  der  90  er  Jahre  Verbände  angetroffen,  doch
ist  nicht  anzunehmen,  daß  bei  der  glänzenden  Konjunktur  in  den
Jahren  1896—1899  nicht  auch  ohne  Kartelle  günstige  Ergebnisse
erzielt  worden  wären;  denn  die  wichtigste  Funktion  der  Kartelle,
die  Produktion  dem  Absätze  anzupassen,  vollzog  sich  damals
von  selbst,  da  die  Nachfrage  kaum  zu  befriedigen  war.  Zur
Zeit  der  Krise  war  jedoch  die  Produktion  so  außerordentlich
hoch  über  den  Bedarf  hinausgewachsen,  daß  es  für  die  Folgezeit ­
  nur  durch  Produktionseinschränkungen  möglich  war,  das
Angebot  der  Nachfrage  anzupassen.  Tabelle  I  zeigt  uns,  daß
von  1900  bzw.  1901  ab  die  Differenz  zwischen  der  Produktionsfähigkeit ­
  und  dem  Versande  außerordentlich  groß  ist,  während
sie  vorher  viel  kleiner  war.  Die  Zahl  der  Fabriken  war  so  groß
geworden,  daß  der  einzelne  Betriebsleiter  den  Markt  nicht  mehr
genügend  überblicken  konnte.  Sehr  wichtig  ist  hier  ferner,  daß
die  Absatzgebiete  der  Produktionszentren  alle  ineinander  übergehen, ­
  so  daß  sich  keine  Grenze  ziehen  läßt.  Am  schlimmsten
ist  es  mit  dem  Berliner  Markte,  wo  alle  Gruppen  mit  Ausnahme
der  süddeutschen  und  der  rheinisch-westfälischen  Zusammentreffen.
Hier  ist  daher  der  Kampf  immer  am  schwersten,  zumal  Berlin
mit  seinem  großen  Bedarf  von  jeher  ein  beliebter  Platz  war,  um
die  Überproduktion  abzuschieben.  Die  Gruppen  an  der  Grenze
des  Reiches  werden  wenigstens  in  einem  Teile  ihres  Absatzgebietes ­
  von  der  inländischen  Konkurrenz  freilich  nicht  berührt,
            
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