Full text: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die Entwicklung der deutschen Zementindustrie usw. 
gründet worden. Doch es gibt immer noch genug Abnehmer für 
Außenseiter. Diese fordern niedrigere Preise, sind aber gut 
beschäftigt und erzielen höhere Erträgnisse; die Lasten des 
Syndikats haben sie nicht zu tragen, von der günstigen Wirkung 
aber, vor allem von der Produktionseinschränkung haben sie 
auch Vorteile. Die Krise ist hier also noch nicht überwunden. 
Im Syndikat haben sich auch Zustände herausgebildet, die viel 
Unzufriedenheit hervorgerufen haben. Um nämlich ihre Anlagen 
besser auszunützen und so die Kosten verringern zu können, 
haben viele Werke die Kontingente anderer, die wegen ihrer 
Größe bei der starken Produktionseinschränkung zu teuer produ 
zierten, um einen Gewinn erzielen zu können, gegen eine jährliche 
Entschädigung übernommen. Diese Maßnahmen haben sich auch 
bewährt, die betr. Werke haben viel bessere Erträgnisse erreicht 
als die, die nur ihr eigenes Kontingent produzieren dürfen. 
Dadurch haben sich jedoch die Verhältnisse sehr zu ungunsten 
der letzteren verschoben, die daher eine Änderung der Dinge 
anstreben. Aus diesen Gründen besteht die Absicht, noch vor 
Ablauf des Syndikats, also vor 1914 ein neues auf veränderter 
Grundlage zu errichten, dem auch die jetzigen Außenseiter ange 
hören sollen. Die Verhandlungen machen jedoch große Schwierig- 
keiten, da die geforderten Beteiligungen den Bedarf an Zement 
weit übersteigen. Gelingt der Plan nicht, dann wird eben nach Ab 
lauf des jetzigen Syndikats ein Kampf einsetzen, der noch viel 
schärfer und verlustbringender als der gegenwärtige sein und 
nicht eher enden wird, als bis eine vollständige Einigung erzielt ist. 
Außer den Kartellen sind noch andere Konzentrations 
bestrebungen in der deutschen Zementindustrie vorhanden, Ver 
schmelzungen und Interessengemeinschaften. Diese entstehen 
auf verschiedene Arten: Zunächst durch Kauf, wobei dann häufig 
<lie gekaufte Fabrik still gelegt wird. Eine andere Art der 
Verschmelzung ist die Fusion. Beide Fabriken werden für 
gemeinschaftliche Rechnung betrieben, es braucht aber nicht die 
ganze Verwaltung gemeinschaftlich zu sein. Auch hier kann das eine 
Werk zeitweilig oder ganz still gelegt werden. Beide Arten sind im
	        
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