Full text: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

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Die Kartelle in der deutschen Portland-Zementindustrie. 
entsprechen; sie sind meist niedriger. Da dies jedoch allgemein 
der Fall ist, bieten sie für das Vergleichen der Preise in den 
einzelnen Gruppen und zu den verschiedenen Zeiten genügend 
Anhaltspunkte. 
Wie wir wissen, stand das Jahr 1901 unter dem Zeichen des 
nordwest-mitteldeutschen Syndikates. Die Schwierigkeiten, mit 
denen dieses zu kämpfen hatte, kennen wir ebenfalls schon. Es 
mußte versuchen, viel größere Mengen Zement abzusetzen, als 
tatsächlich möglich war, und hatte außerdem noch gegen die 
Außenseiter im Osten zu kämpfen, die es — was freilich ein 
Fehler war — mit allen Mitteln zum Beitritte zu zwingen suchte. 
Damit war seine Preispolitik schon gegeben. Es mußte in seinem 
engeren Absatzgebiete, das ihm von den Außenseitern nicht 
bestritten werden konnte, die Preise immer wieder herabsetzen, 
um den Absatz zu vergrößern, was trotzdem nicht in genügender 
Weise gelang. Um die Schlesier zu bekämpfen, errichtete es in 
Breslau eine Verkaufsstelle. Darauf antworteten diese damit, 
daß sie ihren Preis für 100 kg von ca. 3,21 Mk. auf 2,61 Mk. 
herabsetzten. Nimmt man für das nordwest-mitteldeutsche 
Syndikat die Fracht Hannover—Breslau an, so beträgt die Mehr 
fracht gegenüber den Oppelner Fabriken 1,07 Mk. für 100 kg. 
Bei dem alten schlesischen Preise hätte es also zu 2,14 Mk. 
anbieten können; das ist zwar weniger als es in seinem engeren 
Absatzgebiete bekam, doch hätte es dabei noch verdient, bei 
dem herabgesetzten Preise durfte es jedoch nur 1,54 Mk. ver 
langen, was einen direkten Verlust bedeutet hätte. Es hat tat 
sächlich noch etwas billiger angeboten, doch keinen Auftrag zu 
diesem Preise ausgeführt. Die Schlesier boten auch zu sehr 
niedrigen Preisen im Westen an. So forderten sie bei einer 
Submission der kgl. Eisenbahndirektion Elberfeld 2,35 Mk. für 
' 100 kg, also inclusive Fracht 4,40 Mk. Damit konnten sie jedoch 
gegen die rheinisch-westfälischen Fabriken nicht konkurrieren, 
da deren Preise ungefähr zwischen 3,00 und 4,09 Mk. standen, 
wozu nur eine ganz geringe Fracht kam. 
Besonderes Interesse bietet der Berliner Markt, auf dem sich
	        
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