Full text: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die Zementpreise während der Zeit der Kartelle. 
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Im folgenden Jahre 1903 verharrten die Preise weiter auf dem 
niedrigen Stande, da der Kampf noch forttobte. Im ersten 
Semester bestand in Rheinland-Westfalen eine lose Preiskon 
vention, die die Preise zwar heraufsetzte, aber nur sehr wenig, 
da sie sonst sofort von den in nächster Nachbarschaft liegenden 
hannoverschen Fabriken unterboten worden wäre. Nach ihrer 
Auflösung gingen die Preise im zweiten Semester wieder herab. 
1904 trat dann das rheinisch-westfälische Syndikat in Tätigkeit 
und setzte die Preise zunächst auf 1,65 Mk. und ab 1. III. auf 
1,95 Mk. für 100 kg. herauf. Eine größere Erhöhung war noch 
nicht möglich, da eine Anzahl von Fabriken noch außerhalb des 
Verbandes stand. Außerdem mußten an den Grenzen des Ge 
bietes die Preise abgeschwächt werden, um der Konkurrenz aus 
Hannover und Mitteldeutschland zu begegnen, wo die Preise 
immer noch sehr niedrig waren. Daher konnte das rheinisch 
westfälische Syndikat dort mit seinen heimischen Preisen nicht 
konkurrieren und mußte bei Verkäufen in diese Gebiete so weit 
heruntergehen, daß es inklusive Fracht ungefähr das Gleiche 
forderte wie die dortigen Fabriken. Das hat es auch tatsächlich 
getan. Es bot z. B. nach Erfurt 100 kg zu 1,44—1,71 Mk. an, 
die Fracht betrug 73 Pf., das ergibt zusammen 2,17—2,44 Mk., 
die mitteldeutschen Werke forderten 1,62—2,04 Mk., dazu kamen 
36 Pfg. Fracht, so daß die Summe 1,98—2,40 Mk. betrug. Dieser 
Politik von Kartellen, die Preise, wenn nötig, im fremden Gebiete 
niedriger zu stellen als im eigenen, werden wir noch öfter 
begegnen. In Süddeutschland war ebenfalls eine allmähliche 
Preissteigerung zu bemerken, die auf Rechnung des neuen 
Syndikates zu setzen ist, das in diesem Jahre in Kraft trat und 
alle Außenseiter hereingenommen hatte. 
Mit dem Jahre 1905 begannen nun die Preise überall merk 
lich zu steigen, und es traten geregelte Verhältnisse ein sowohl 
innerhalb der einzelnen Gruppen als auch im Verkehre dieser 
miteinander infolge der Kartellgründungen und Vertragsabschlüsse, 
die wir bereits kennen gelernt haben. Diese Preissteigerung war 
natürlich zunächst in dem größeren Bedarfe begründet, wäre aber
	        
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