76 -Die deutsche Portland-Zementindustrie in ihrem Verhältnisse zum Auslande
Wie wir aus diesen Tabellen ersehen, ist das Zurückgehen
der Ausfuhr und das Anwachsen der Einfuhr geradezn sprunghaft
vor sich gegangen. Äußerst ungünstig war es, daß das Über
wiegen der Einfuhr kurz vor der großen Krise anfing, vielleicht
hat es diese sogar mit verursacht. Auch im Auslande war die
wirtschaftliche Konjunktur damals schlecht, auch dort herrschte
Überproduktion, und daher suchten die ausländischen Werke
erst recht viel Zement nach Deutschland zu bringen. Der Kampf,
der damals herrschte, wurde dadurch noch schärfer und die
Preise noch schlechter, so schlecht, daß sich die Einfuhr aus
dem Auslande schließlich nicht mehr recht lohnte. Die Be
ziehungen zu den Nachbarländern waren also unhaltbar geworden,
die Preise wurden durch sie mit unter Druck gehalten, es mußte
ein Weg gefunden werden, um diese Verhältnisse zu ändern.
Das einzige Mittel, das helfen konnte, waren Vereinbarungen
mit der benachbarten ausländischen Industrie. Begünstigt wurden
diese dadurch, daß sich auch im Auslande Kartelle gebildet
hatten. Durch die Zölle war die deutsche Zementindustrie bei
den Verträgen von vornherein im Nachteile. Daher waren diese
auch meist für die deutschen Fabriken mit großen Opfern ver
bunden. Der Vertrag der schlesischen Fabriken mit den russischen
verpflichtete die ersteren, ihre Preise in Rußland stets höher zu
stellen als die dortigen und schränkte dagegen den Absatz der
letzteren nach Schlesien ein. Der Absatz nach Rußland hörte
nun so gut wie ganz auf. 1902 schloß das schlesische Syndikat
mit dem österreichischen einen Vertrag, wonach die galizischen
und österreichisch-schlesischen Fabriken auf den Export nach
Schlesien verzichteten, wogegen sich das schlesische Syndikat
verpflichtete, jährlich 40 000 Mk. zu zahlen, nur eine be
schränkte Menge Zement nach Österreich-Ungarn abzusetzen und
außerdem stets 50 h pro Faß teurer zu sein als das österreichische
Kartell 1 . Im nächsten Jahre traf das schlesische Kartell mit
der Portland-Zementfabrik in Tschischkowitz ein Sonderab
1 Jahresbericht der Handelskammer Oppeln 1902.