Full text : Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

78  Die  deutsche  Portland-Zementindustrie  in  ihrem  Verhältnisse  zum  Auslande.

ist  das  erste  internationale  Kartell  auf  dem  Zementmarkte  und
vereinigte  bei  der  Gründung  alle  Produzenten  von  Portlandzement, ­
  die  für  den  holländischen  Markt  in  Betracht  kamen.
Mit  den  dänischen  Fabriken  mußte  ebenfalls  ein  Vertrag  abgeschlossen ­
  werden,  denn  während  früher  von  Stettin  aus  viel
Zement  dorthin  gebracht  wurde,  hörte  das  später  ganz  auf  und
kehrte  sich  in  das  Gegenteil  um,  weil  die  dänische  Zementindustrie ­
  stark  gewachsen  war  und  für  ihre  Überproduktion  sogar
an  der  deutschen  Ostseeküste  Absatz  suchte.  So  wurde  der
deutsche  Markt  mehr  als  vorher  belastet;  dazu  kommt  noch,  daß
die  Stettiner  Werke  seitdem  die  Mengen,  die  früher  nach  Dänemark
gingen,  im  Inlande  unterbringen  müssen.
Alle  diese  Vereinbarungen  mit  dem  Auslande  haben  zweifellos
der  deutschen  Zementindustrie  sehr  viel  Segen  gebracht.  Der
Absatz  nach  den  Nachbarländern  mit  eigener  Zementproduktion
ist  zwar  durch  sie  nicht  gefördert,  im  Gegenteil  eher  eingeschränkt
worden,  aber  eine  Überschwemmung  des  deutschen  Marktes  mit
fremder  Ware  wurde  verhindert;  an  allen  Grenzen  schützten  die
Verträge  davor.  Dadurch  wurde  erreicht,  daß  die  ausländische
Konkurrenz  die  Entwicklung  der  Konjunktur  auf  dem  Zementmarkte ­
  im  allgemeinen  und  die  der  Preise  im  besonderen  nicht
störte;  erst  jetzt  konnten  die  Kartelle  die  Marktlage  vollständig
überblicken  und  die  Produktion  demnach  einrichten.  So  haben
diese  Verträge  an  dem  Aufschwünge  der  deutschen  Portland-Zementindustrie
  in  den  Jahren  1904—1907  sicher  ihr  gut  Teil
Verdienst  gehabt.
Freilich  konnten  diese  Verträge  für  die  Dauer  nicht  Bestand
haben  oder  doch  wenigstens  ihre  volle  Wirkung  nicht  ausüben,
denn  wie  wir  gesehen  haben,  entstanden  in  Deutschland  in  guten
Zeiten  immer  wieder  neue  Fabriken  und  ebenso  war  es  in  den
Nachbarländern.  Diese  neuen  Fabriken  hüben  wie  drüben  gehörten
aber  den  alten  Syndikaten  meist  zunächst  noch  nicht  an,  waren
also  an  deren  Abmachungen  nicht  gebunden  und  machten  sie
zum  Teil  illusorisch.  Durch  die  Neugründungen  und  die  allgemeine ­
  rückgängige  Konjunktur  wurde  ebenso  wie  früher  auch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.