1 Mohr, S. 124.
82 Die deutsche Portland-Zementindustrie in ihrem Verhältnisse zum Auslande.
billiger stellt. Wollte man ihn auf besonderen Schiffen ver
schicken, so würde das zu teuer sein.
Vor 20—25 Jahren beherrschte der englische Zement den
überseeischen Markt. Durch die gute Qualität der deutschen
Ware und die rastlosen Bemühungen der deutschen Fabrikanten
ist es diesen jedoch gelungen, große Erfolge im überseeischen
Handel zu erzielen und die Engländer immer mehr zu verdrängen,
so z. B. aus Amerika, Südafrika und Australien. In letzter Zeit
jedoch, zum Teil schon seit 1900, haben sich die Verhältnisse
wieder verschlechtert, wie wir im folgenden sehen werden, und
die deutschen Werke mußten sich immer wieder neue Absatz
gebiete erobern.
Die Hauptabnehmer Deutschlands in den überseeischen
Ländern sind stets die Vereinigten Staaten von Nordamerika
gewesen ; doch hat auch hier ebenso wie auf dem Festlande die
aufblühende einheimische Industrie die fremde Ware immer mehr
verdrängt. Die amerikanische Portland-Zementindustrie ist erst
ziemlich spät entstanden. Zwar wurde schon 1865 eine Zement
fabrik gegründet, doch stellte sie nur den sogen, natural cernent
her, der nur ein hydraulischer Kalk war 1 . Erst in den 90 er
Jahren setzte eine starke Gründungstätigkeit ein, besonders gegen
Ende des Jahrzehnts. Die Produktion stieg von 1895—1900 von
1,00 auf 8,5 Mill. Faß (Tabelle II b). Ganz außerordentlich rasch
blühte die Zementindustrie in den letzten zehn Jahren auf, so
daß ihre Produktion 1910 bereits 73 Mill. Faß betrug. Die
Vereinigten Staaten erheben einen Zoll von 0,672 Mk. pro 100 kg
Zement. Der größte Teil der Einfuhr kommt aus Deutschland,
nach diesem aus Belgien. Gemäß der ungeheuren Zunahme der
Produktion in den Vereinigten Staaten ist die Einfuhr immer
mehr zurückgegangen. Freilich ist der Verbrauch dort auch
enorm gestiegen, aber doch nicht in demselben Maße. Im Jahre
1902 erreichte die deutsche Einfuhr beinahe wieder die alte Höhe
infolge eines unerwartet großen Bedarfes, der durch große