Full text: Die Eisenindustrie in Südrußland

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Infolge dieser Ursachen konnte der Ural in den letzten Zeiten 
der Konkurrenz Südrußlands keinen ernsten Widerstand entgegen 
setzen. Und so sehen wir, daß die Roheisenproduktion des Urals 
im Dezennium 1898—1908 von 44 Millionen Pud auf 35 Millionen 
Pud gefallen ist 1 . 
Diese beiden Ursachen sind aber vorübergehende Erscheinungen. 
Die neuen rein kapitalistischen Produktionsverhältnisse dringen in 
der Gegenwart allmählich auch in die Uralschen Eisenwerke ein, 
und die technische Revolution vollzieht sich hier, obwohl sehr langsam, 
so doch stetig. Je schneller hier diese Umwälzung in der Eisen 
technik vorwärts schreitet, desto mehr wird die Konkurrenzfähigkeit 
des Bezirks wachsen, und seine Lage auf seinen umliegenden Absatz 
märkten stärken. Wir kommen also zu dem Schlüsse, daß die Wieder 
belebung des Urals früher oder später wieder in Frage kommen 
wird, im Zusammenhänge damit auch die Steigerung seiner relativen 
Bedeutung in der russischen Eisenindustrie. 
Die anderen Gebiete, die für die russische Konkurrenz noch in 
Betracht kommen können, sind das polnische und nördliche Gebiet 
und Zentralrußland. Die zwei ersten Gebiete könnten wohl zu be 
deutender Entwicklung gelangen, unter der Voraussetzung, daß das 
jetzt in Rußland herrschende prohibitive Zollsystem für Rohstoffe 
(Eisenerz und Steinkohle) zusammenbricht 1 2 . Bei der freien Einfuhr 
von schlesischem Koks könnte das polnische Gebiet seine Tätigkeit 
bedeutend erweitern und seine selbständige Stellung im Verhältnis 
zum Süden behaupten. In noch günstigere Verhältnisse könnte bei 
der freien Einfuhr der Rohstoffe der Norden gelangen. Für die 
Entwicklung der Eisenindustrie fehlt hier gutes Eisenerz einerseits 
und Steinkohle andererseits. Dagegen sind hier die Absatzverhältnisse 
wegeu der Nähe St. Petersburgs und der relativ entwickelten Metall 
industrie sehr günstig. Bei der Konsumtion der guten norwegischen 
Eisenerze, deren Transport bis St. Petersburg bloß 7 Kop. pro Pud 
ausmacht und die als Ersatz für die relativ armen Olonetzschen 
Eisenerze dienen könnten, und bei der Verwendung englischer Stein 
kohle könnte hier eine bedeutende Eisenindustrie entstehen; um so 
mehr, da auch hier (im Gouvernement Olonetz) kolossale Mengen 
von Wäldern vorhanden sind, was die Heizungsverhältnisse sehr 
vereinfacht. 
Wir sehen also, daß nur eine Reihe von günstigen Bedingungen 
die beinahe monopolistische Lage der südrussischen Eisenindustrie 
bestimmt hatte und ihr gegenwärtiges Wachstum im Vergleich mit 
den anderen eisenproduzierenden Gebieten hervorrief. 
1 Farmakowski a. a. 0., S. 15. 
2 In den baltischen Häfen beträgt gegenwärtig der Zoll für Eisenerz 10,5Kop., 
für Koks 2,5 Kop. und für Steinkohle 1,5 Kop.
	        
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