Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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bekommen,  ein  Arbeiter  ohne  Pferd  im  Sommer  10,  im  Winter
8  Kopeken'.
Alle  diese  Produktionsverhältnisse  hatten  niedrige  Produktionskosten ­
  zur  Folge,  besonders  in  den  privaten  Eisenwerken,  wo  die
Betriebsorganisation  bedeutend  vollkommener  war.  Man  bekam  das
Stabeisen  z.  B.  bei  mehreren  Privatbütten  unter  40  Kop.,  bei  vielen
zwischen  40  und  45  Kop.  und  selten  über  50  Kop.  Der  Transport
von  einem  Pud  Eisen  kostete  nach  St.  Petersburg  15—25  Kop. 1  2  3  * .
Es  war  also  eine  rein  extensive  Betriebsorganisation  vorhanden,  deren
Hauptgründe  die  billigen  Arbeitskräfte  und  Rohstoffe  bei  einfacher
Technik  waren.  Dank  allen  erwähnten  Produktionsverhältnissen
kamen  England,  wie  auch  andere  holzarme  Staaten  immer  mehr
in  die  Abhängigkeit  von  russischem  Eisen  und  mußten  damit  an
Rußland  immer  höhere  Preise  zahlen.
4.  Die  Zeit  von  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  bis
zur  Bauernbefreiung.
Die  Zeit  der  Blüte  der  russischen  Eisenindustrie  dauerte  aber
nicht  lange.  Schon  am  Ende  der  90er  Jahre  des  18.  Jahrhunderts
erschienen  die  ersten  ungünstigen  Symptome,  die  immer  weiter  griffen.
Damit  kam  die  russische  Eisenindustrie  allmählich  in  die  Periode,
die  mit  dem  technischen  Rückgang  und  der  Produktionsstabilisierung
verbunden  war.  Die  Periode  dauerte  ungefähr  von  Anfang  bis  zur
Mitte  des  19.  Jahrhunderts.  Die  Produktion  blieb  in  dieser  Zeit
beinahe  stabil,  während  der  Export  des  Eisens  nicht  nur  relativ,
sondern  auch  absolut  abnahm.  Es  betrug  in  1000  Pud 8 :

Jahr

Roheisenproduktion ­


Eisenausfuhr

Jahr

Roheisenproduktion ­


Eisenausfuhr

1810

9756

1290

1835

10655

1295

1822

9  334

1198

1840

11332

716

1825

9  645

1336

1845

11433

664

1830

11169

1058

1849

11556

520

Das  russische  Eisen  war  also  im  Jahre  1850  vom  ausländischen
Markte  beinahe  vollständig  verdrängt  worden  und  die  Ursache  der
Veränderung  in  den  Ausfuhrverhältnissen  auf  die  technische  Revolution
in  der  Eisengewinnung  in  Westeuropa,  vor  allem  in  England  zurückzuführen. ­

Wie  wir  sahen,  war  in  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts
in  England  der  Holzkohlenverbrauch  für  Eisenverhüttung  und  -Verarbeitung ­
  die  Hauptursache  des  dauernden  Stillstandes  sowie  des
Rückganges  in  der  Eisengewinnung  gewesen  und  damit  auch  die  Ur-1
  Storch,  a.  a.  O.,  Bd.  II,  S.  643.
*  Storch,  a.  a.  0.,  Bd.  II,  S.  520.
3  Pokrowski,  Tatsachen  über  die  Geschichte  und  Statistik  des  auswärtigen ­
  Handels  Rußlands,  Sbd.  I,  St.  Petersburg  1902,  Tabellen  B,S.  61  (russisch).
            
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