Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Die  Neuentdeckung  der  Eisenerze  machte  ein  Großgrundbesitzer
dieser  Gegend,  Alexander  Pohl.  Sie  würde  von  ihm  ganz  zufällig
schon  im  Jahre  1866  gemacht,  aber  er  mußte  um  deren  Anerkennung ­
  beinahe  zwanzig  Jahre  kämpfen.  Er  mußte  dann  eineu
guten  Teil  seines  großen  Vermögens  dazu  verwenden,  um  den  Wert
dieser  Entdeckung  mit  Hilfe  der  europäischen  Autoritäten  zur  Anerkennung ­
  zu  bringen.
Obwohl  der  Fundort  des  Krivoj-Rog  auch  seitens  einiger  Staatsingenieure ­
  untersucht  und  anerkannt  worden  war,  wollte  die  Regierung
nichts  davon  wissen.  Nach  erfolglosen  Versuchen,  eine  Aktiengesellschaft ­
  zur  Eisenerzförderung  mit  Hilfe  des  Staates  oder  des
russischen  Privatkapitals  zu  gründen,  war  Pohl  gezwungen,  sich  an
das  Ausland  zu  wenden.  Er  gründete  im  Jahre  1880  in  Paris  mit
Hilfe,  französischer  Kapitalisten  die  „Societe  frangaise  des  mines  et
hauts  fourneaux  de  Krivoi-Rog“.  Diese  Gesellschaft  wurde  später
auch  in  Rußland  rechtlich  anerkannt.  Im  Jahre  1886  wurde  das
erste  Eisenerz  aus  Krivoj-Rog  nach  dem  Hughes-Werk  geliefert.
Das  Eisenlager  von  Krivoj-Rog  ist  aber  vom  Kohlenbecken
etwa  450  Werst  entfernt,  und  so  war  die  erste  Frage,  die  dabei
aufgeworfen  werden  mußte,  die  eisenbahnmäßige  Verbindung  der
Donezkohle  mit  dem  Krivoj-Rog-Eisenerz.  Dem  eifrigen  Drängen
Pohls  und  anderer  Industriellen  nachgebend,  baute  endlich  der
Staat  die  sog.  „Jekaterininskaja“-Eisenbahnlinie  (früher  Krivoj-Rog-Eisenbahnlinie),
  die  im  Jahre  1884  eröffnet  wurde.  Damit  waren
die  ersten  Hindernisse,  die  der  Entwickelung  des  Bezirks  im  Wege
standen,  überwunden.
2.  Das  Einströmen  ausländischer  Kapitalien  nach  Südrußland.
Seit  Ende  der  80er  Jahre  kam  im  russischen  Wirtschaftsleben
eine  interessante  Erscheinung  zur  Geltung,  die  speziell  auf  die  weitere
Entwicklung  des  südrussischen  Bezirks  eine  große  Wirkung  ausgeübt
hat,  —  das  ist  ein  massenhaftes  Einströmen  des  ausländischen  Kapitals
nach  Südrußland.
Die  Ausländer  haben  ja  in  der  russischen  Eisenindustrie  vou
jeher  eine  bedeutende  Rolle  gespielt.  Diese  Rolle  beschränkte  sich
aber  bis  zur  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  hauptsächlich  auf  persönliche
Tätigkeit.  Sie  repräsentierten  die  Gründer,  Techniker,  Chemiker,
Ingenieure,  Leiter  usw.  Erst  nach  der  Bauernbefreiung  erschienen  in
der  russischen  Eisenindustrie  die  ersten  ausländischen  Unternehmer
und  die  ersten  ausländischen  Kapitalien.  So  waren  in  den  70er  Jahren
von  der  „Westphälischen  Union“  in  St.  Petersburg  eine  Drahtfabrik 1 ,
im  Jahre  1871  das  schon  bekannte  Hughes-Werk,  im  Jahre  1876

1  Stillieh,  Bisen-  und  Stahlindustrie,  Berlin  1904,  S.  174.
            
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