Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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lieh  machte  die  Roheiseneinfuhr  in  den  Jahren  1875—84  mehr  als
60°/o  der  Eisenproduktion  im  Lande  aus.
Alles  das  hatte  zur  Folge,  daß  die  Eisenbahnschienen  hauptsächlich ­
  aus  ausländischen  Materialien  hergestellt  wurden.  Nach
amtlicher  Angabe  war  die  Gesamtlänge  der  Eisenbahnlinien  im
Jahre  1884  32000  Werst,  davon  22669  Werst  mit  Stahlschienen.
Von  den  letzteren  waren  die  Schienen  für  15144  Werst  direkt  vom
Auslande  geliefert  und  die  für  5  958  Werst  waren  aus  ausländischem
Roheisen  hergestellt,  und  nur  für  1897  Werst  waren  eigentlich
heimische  Schienen  verwendet  worden 1 .  Die  Bemühungen  des  Staates,
nur  mit  heimischen  Materialien  die  Eisenbahnlinien  zu  bauen,  wie
es  noch  im  Jahre  1866  proklamiert  worden  war,  hatten  also  sehr
schwache  Erfolge  gehabt.
Die  Opfer  seitens  der  Regierung  für  die  heimische  Eisenindustrie
waren  dagegen  sehr  bedeutend.  Insgesamt  wurden  vom  Staate  folgende
Prämien  seit  ihrer  Einführung  an  die  Eisenindustriellen  bezahlt:  Für
die  privaten  Bestellungen  8969923  Rbl.,  für  staatliche  5264923  Rbl.,
also  zusammen  14264923  Rbl. 1  2 .
Mit  solchen  Resultaten  konnte  die  Regierung  selbstverständlich
nicht  zufrieden  sein;  sie  bemühte  sich  daher  am  Ende  der  80er  Jahre,
auch  das  Roheisen  mit  einem  hohen  Zoll  zu  belegen,  sodaß  die
Konkurrenz  des  Auslandes  dadurch  unmöglich  wurde.  Seit  dieser
Zeit  begann  eine  systematische  Erhöhung  der  Zollquoten  auf  alle
anderen  Eisensorten,  die  den  Zweck  hatte,  jede  Konkurrenz  des
Auslandes  auf  diesem  Gebiete  unmöglich  zu  machen.  Diese  protektionistische ­
  Bewegung  erreichte  ihren  Kulminationspunkt  in  dem
Tarife  vom  Jahre  1891.
Diese  Zollerhöhung  hat  aber  für  die  unmittelbare  Gründungstätigkeit ­
  in  Südrußland  sehr  geringe  Bedeutung  gehabt.  Sie  hat  den
Unternehmungsgeist  der  russischen  privaten  Unternehmer  nicht  geweckt.
Russische  Kapitalien  konnten  nicht  herangezogen  werden,  vor  allem
schon  deswegen  nicht,  weil  auf  dem  russischen  Markte  die  dazu
nötigen  freien  Kapitalien  nicht  vorhanden  waren;  außerdem  war  die
Eisenindustrie  den  meisten  russischen  Kapitalisten  fremd,  verlangte
große  Kenntnisse  und  ist  immer  mit  einem  gewissen  Risiko  verbunden ­
 3 .  Damit  waren,  wie  Tieme  ganz  richtig  bemerkt 4 ,  die
Hoffnungen  der  russischen  Regierung,  die  heimischen  Kapitalien  in
der  Eisenindustrie  durch  die  Erhöhung  der  Zölle  heranzuziehen,
1  Brandt,  a.  a.  0.,  S.  27.
2  Brandt,  a.  a.  0.,  8.  25.
3  Eine  Ausnahme  bilden  nur  zwei  russische  Kapitalisten  Gubonin  und
Golubew,  die  im  Jahre  1884,  nach  der  Entdeckung  der  Krivoj-Rog-Eisenerze
das  Alexander-Werk  erbaut  hatten.
4  Tieme,  Gegenwärtige  Lage  der  Technik  in  den  südrussischen  Eisenwerken ­
  und  Gruben.  Gorn.  Journ.  1897,  I,  S.  13  .(russisch).
            
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