Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Außerdem  muß  man  noch  14  verschiedene  Eisenwerke  hinzurechnen,
die,  obwohl  russischer  Abstammung,  doch  von  Belgiern  gegründet
und  geleitet  sind;  sie  haben  ein  Aktienkapital  von  81500000  Pres,
und  31888000  Frcs.  Obligationen 1 .
Der  Bau  der  Werke  und  die  Gründung  der  Aktiengesellschaften
gingen  zuerst  langsam  vor  sich.  Die  ersten  Unternehmungen  waren
mit  gewisser  Vorsicht  gegründet  worden.  Das  Bild  veränderte  sich
am  Ende  der  90  er  Jahre,  wo  die  Gründungstätigkeit  einen  großen
Umfang  annahm.  Spekulationen  und  das  Börsenspiel  mußten  aufbliihen.
  Man  bemühte  sich  oft,  die  Rentabilität  der  Unternehmungen
künstlich  zu  erhöhen.  Ein  solches  Mittel  war  die  Ausgabe  der  Aktien
mit  hohen  Prämien  und  die  Austeilung  von  Dividenden  aus  diesen
Prämien.  Einige  Beispiele  zeigen,  daß  manchmal  die  Gründung  mit
der  Eisenproduktion  gar  nicht  zusammenhing.  So  schreibt  „Der
Finanzbote“,  das  offizielle  Organ  des  Finanzministeriums:  „Das  Anlagekapital ­
  (einer  südrussischen  Aktiengesellschaft)  war  auf  5  000  000  Eres,
festgesetzt,  bei  50000  Aktien  zu  je  100  Frcs.,  außerdem  wurden  aber
50000  Dividendenaktien  ermittelt.  Von  dieser  Zahl  wurden  nur
10000  durch  Gold  gedeckt,  während  40000  gewöhnliche  nebst  allen
Dividendenaktien  in  den  Taschen  verschiedener  Gründer  und  Vermittler ­
  verschwanden.  In  einem  anderen  Falle  wurde  das  Kapital
auf  8500  000  Frcs.  festgesetzt,  bei  85  000  Aktien,  von  denen  nur
15  000  mit  Gold  bezahlt  wurden;  die  übrigen  flössen  der  Gruppe  der
Gründer  zu,  die  außerdem  noch  eine  Million  in  bar,  sowie  zwei
Millionen  Frcs.  in  Obligationen  einsteckten.  Diese  Beispiele  stehen
nicht  vereinzelt  da 1  2 .“
Wir  müssen  noch  hinzufügen,  daß  die  Regierung  selbst  eine
Politik  einschlug,  die  das  Gründungsfieber  steigern  mußte:  „Zur
Begünstigung  der  Industrieentwicklung  erteilte  das  Finanzministerium
Bestellungen  an  noch  nicht  existierende  Werke  und  gab  dann  auf
Grund  dieser  Bestellungen  diesen  Eisenwerken  Avancen.  So  wurden
an  die  Charkow  sehe  Lokomotivenbaufabrik  und  an  das  Hartmann  sehe
Werk  Bestellungen  auf  600  Lokomotiven,  an  die  Russo-Belge  solche
auf  12  Millionen  Eisenbahnschienen,  an  das  Druschkowskische  Werk
solche  auf  8  Millionen  gemacht.  Die  Bestellungen  wurden  gemacht,
ehe  die  Gründung  der  Werke  unternommen  wurde.“
2.  Die  Entwicklung  der  einzelnen  Untergebiete.
Das  ganze  südrussische  Eisenindustriegebiet  kann  man  in  drei
Untergebiete  teilen,  welche  hinsichtlich  des  Rohstoffbezuges  verschiedene ­
  Verhältnisse  zeigen.
1  Lauwick,  a.  a.  O.,  S.  22.
2  Finanzbote  1901.  Nr.  47.  (Wir  zitieren  aus:  Kaffenhaus,  Syndikate  in
der  russischen  Eisenindustrie,  Moskau  1910  S.  67,  russisch.)
            
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