Full text: Die Eisenindustrie in Südrußland

65 
Aber vergeblich! Die Hochkonjunktur rief immer neue Werke ins 
Leben und es vergrößerten die alten unter der fortschreitenden 
Konkurrenz ihre Produktionsfähigkeit. Die Roheisenproduktion in 
Südrußland hat sich in der Zeit von 1897—1900 etwa verdoppelt! 
Vergrößert hat sich damit auch die Zahl der Werke, die Staats 
bestellungen bedurften. Nachdem die Aufträge im Gegenteil ge 
sunken waren, entstand eine Störung in der Produktion, und die 
Folge davon waren große Verluste. Das war die zweite, wahr 
scheinlich die wichtigste direkte Ursache der Krisis. 
Es hieße aber gewiß auf der Oberfläche der Erscheinungen 
bleiben, wenn man nach der Geldkrisis und der Verminderung der 
Staatsbestellungen auf Eisenbahnmaterial, als dritte und letzte Ur 
sache der Krisis in der südrussischeu Eisenindustrie die schwache 
Konsumtionsfähigkeit der breiten Schichten der Bevölkerung ver 
kennen würden. Einige vorsichtige Unternehmungen sahen schon 
in der Hochkonjunktur der 90 er Jahre voraus, daß der Schienen 
markt allein keine sichere Grundlage für die Zukunft bieten könne. 
Sie fingen schon damals an, ihre Walzwerkstätten zur Produktion 
der Marktsorten einzurichten. Besonders bemerkenswert erscheint 
diese Bewegung in der zweiten Hälfte der 90 er Jahre. Doch sie 
mußten alsbald Enttäuschungen erleben. Der Eisenbedarf der breiten 
Schichten der Bevölkerung war keiner bedeutenden Ausdehnung 
fähig. Das bestätigen auch die Kongreßberichte der Eisenindustriellen 
selbst. So lesen wir in dem Kommissionsberichte des 24. Kongresses 
der Bergindustriellen Südrußlands über die Ursachen der einge 
tretenen Krisis: 
„Bei Besprechung dieser Frage ist die Kommission zu dem 
Schlüsse gekommen, daß man als deren wahre Ursache nicht die 
zeitige Verminderung der Staatsbestellungen ansehen muß — was 
die Krisis in der Gegenwart nur vertiefen konnte —, ebensowenig 
die schlechte Konjunktur des Geldmarktes — was nur auf die Be 
schleunigung der Konjunktur einwirken konnte —, sondern die 
Tatsache, daß die dank der Regierungsmaßnahmen emporgekommene 
Berg- und Eisenindustrie mit einer in anderen Ländern unbekannten 
Schnelligkeit die Entwicklung des ländlichen Konsums überflügelt 
hat. Infolgedessen mußte mit Notwendigkeit auch eine Überproduktion 
der Eisenindustrieprodukte eintreten V‘ 
Außer den erwähnten Hauptursachen traten dann auch einige 
andere hervor, die die Krisis noch verschärften. Als eine solche 
ist die unsolide und nicht taugliche Gründung von verschiedenen 
Aktiengesellschaften zu bezeichnen, die mit ungenügenden Kapitalien 
begounen worden waren. Oft hatten die angesammelten Kapitalien 
1 Schimanowski, Bericht der Unterkommission des 24. Kongresses der 
Bergindustri eilen Südrußlauds, S. 7 (russisch). 
Sawelieff. 5
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.