Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Der  Unternehmergewinn  war  bei  den  damaligen  Verhältnissen  gewöhnlich ­
  bedeutend  höher;  er  erreichte  nach  den  Angaben  der  Sachverständigen ­
 1  manchmal  die  Höhe  von  30—35°/ 0  des  Preises.  Im
Zusammenhänge  damit  waren  auch  die  Selbstkosten  der  Produktion
in  Wirklichkeit  sehr  oft  viel  kleiner.  Besonders  günstig  waren  die
Verhältnisse  bei  den  Unternehmungen,  die  eigene  Rohstoffe  verhütteten,
die  ihnen  manchmal  um  die  Hälfte  so  billig  zu  stehen  kamen,  als
die  Marktpreise  betrugen.
Die  ausgebrochene  Krisis,  später  der  Stillstand  und  ihre  Begleiterscheinung, ­
  die  Preisabnahme,  beeinflußten  sehr  stark  die  Produktionsverhältnisse. ­
  Mit  der  Eisenindustrie  zusammen  wurde  durch  die  Krisis
in  vollem  Maße  auch  der  Rohstoffmarkt  getroffen;  besonders  stark
fielen  die  Preise  bei  Eisenerz  und  Kohle  in  der  Zeit  unmittelbar
nach  der  Krisis,  später  stiegen  sie  wieder,  aber  nicht  viel.  Die
Unkosten  des  Eisenerzes  und  des  Kokses  waren  auf  je  ein  Pud
Roheisen  im  Jahre  1908  nach  unserer  Berechnung  bei  der  Voraussetzung, ­
  daß  diese  Stoffe  gekauft  worden  waren:  für  Koks  durchschnittlich ­
  13,5  Kop.,  für  Eisenerz  9,82  Kop.  Wenn  wir  dann
dieselben  Transportkosten,  wie  bei  Rossinski  nehmen,  so  werden  wir
die  Gesamtkosten  der  Rohstoffe  in  der  Höhe  von  32,21  Kop.  bekommen. ­
  Sie  waren  also  8  Kop.  niedriger  als  im  Jahre  1900.
Auch  andere  Unkosten  nach  der  Krisis  haben  eine  bedeutende
Abnahme  erlitten,  insbesondere  die  allgemeinen  Betriebsunkosten.
Sie  nahmen  sogar,  nicht  nur  absolut,  sondern  auch  im  Verhältnis  zu
den  Rohstoffkosten  ab,  sodaß  die  Rohstoffkosten  gegenwärtig  einen
größeren  Prozentsatz  der  Gesamtunkosten  ausmachen.  Es  findet
außerdem  jetzt  eine  allgemeine  technische  Verbesserung  des  Hochofenprozesses ­
  statt.
Als  Ergebnis  aller  dieser  Veränderungen  mußten  die  Selbstkosten
des  Roheisens  nach  der  Krisis  bedeutend  abnehmen.  Sie  sind  jetzt
durchschnittlich  nicht  höher  als  40  Kop.  zu  rechnen;  gleich  nach
der  Krisis  waren  sie  sogar  noch  niedriger.
Um  die  Produktionsverhältnisse  bei  der  Herstellung  von  Fertigprodukten ­
  etwas  näher  zu  betrachten,  werden  wir  jetzt  die  Selbstkosten ­
  des  wichtigsten  Produktes  der  südrussischen  Eisenindustrie,
der  Schienen,  feststellen.  Im  Jahre  1900  hatten  sich  die  Unkosten
bei  der  Herstellung  eines  Pud  Schienen  nach  den  Ziffern  von  Rossinski
wie  folgt  gestaltet:  (s.  die  Tabelle  auf  nächster  Seite).
Nachdem  die  Selbstkosten  der  Roheisenproduktion  seit  der  Hochkonjunktur ­
  bedeutend  abgenommen  hatten,  mußten  auch  die  Selbstkosten ­
  bei  der  Halbzeug-  und  Schienefifabrikation  abnehmen,  da  die
Schienen  als  Resultat  der  weiteren  Bearbeitung  des  Roheisens  erscheinen. ­
  Hier  läßt  sich  aber  eine  interessante  Tendenz  bemerken,

1  Wie  z.  B.  Tieme,  a.  a.  O.
            
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