Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

95

Unterstützung  fand,  war  er  auf  dessen  Ideen  eingegangen;  in
religiösen  Fragen  ging  er  ganz  andere  Wege  als  jener,  der  gewiss
nicht  richtig  urteilt,  wenn  er  von  Rehlinger  sagt:  „quäl  e  tenuto
per  gran  Lutherano  et  nondimeno  nel  core  e  bon  catholico“ 1 ).
Paumgartner  hatte,  wie  wir  gesehen,  Rehlinger  nicht  für
die  katholische  Sache  gewinnen  können,  ebensowenig  hatte
er  Erfolg  mit  seinem  Bestreben,  den  Landgrafen  von  Hessen
und  Schertlin  von  Burtenbach  auf  die  Seite  des  Kaisers  zu  ziehen.
Schon  auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg  hatten  sich  dahingehende ­
  Verhandlungen,  abgespielt  und  Philipp  von  Hessen
hatte  damals  wirklich  eine  Annäherung  an  Karl  V.  gesucht
und  einen  Vertrag  abgeschlossen,  der  aber  nur  politische  Dinge
berührte.  Damals  war  Granvella  an  Philipp  auch  schon  mit
der  Aufforderung  herangetreten,  er  solle  den  Kaiser  in  dem
Kriege  gegen  Jülich  unterstützen 2 ).  Als  dann  1543  der  Kaiser
gegen  Jülich  und  Frankreich  rüstete,  wurden  diese  Bemühungen
fortgesetzt.  Am  21.  Januar  1543  kam  Granvella  nach  Augsburg
und  suchte  zusammen  mit  Paumgartner  auf  Schertlin  von  Burtenbach, ­
  den  Vertrauten  Philipps,  einzuwirken.  Nach  der  Abreise
Granvellas  fuhr  Paumgartner  allein  fort,  Schertlin  zu  bearbeiten,
bis  dann  im  Mai  Granvella  und  der  kaiserliche  Rat  Liera  nach
Schluss  des  Nürnberger  Reichstages  wieder  nach  Augsburg
Zurückkehrten.  Mit  vereinten  Kräften  drangen  nun  Paumgartner, ­
  Granvella  und  Liera  in  Schertlin  und  Gereon  Sailer.
Man  liess  es  an  Versprechungen  nicht  fehlen  und  Paumgartner
sparte  auch  sein  Geld  nicht,  um  Philipp  von  Hessens  Augsburger ­
  Freunde  zum  Anschluss  an  den  Kaiser  zu  bewegen.
Wir  sind  durch  Sailers  Briefe  an  Philipp  aufs  genaueste  unterrichtet ­
  über  alle  diese  Versuche  der  Kaiserlichen 3 ).  Wir  können
hier  aber  nicht  näher  auf  diese  kleinliche,  von  gegenseitiger
Gehässigkeit  diktierte  Politik  eingehen,  wo  einer  den  andern
auszuhorchen  suchte  und  die  Erbitterung  dadurch  noch  gel
 )  Auch  gegen  den  in  Strassburg  weilenden  Rehlinger  setzte  Sailer
seine  Verdächtigungen  fort,  dass  er  in  städtefeindlichem  Sinne  agitiere.
L  e  n  z  a.  a.  O.  S.  415:  Her  Jacoben  Sturm  acht  ich  für  ain  pidermann,  der
sich  nit  lass  corrumpieren:  das  sorg  ich  aber,  das  Paumgartner  und  der
Rochlinger  zu  straspurg  ander  leut  mochten  corrumpieren,  die  fuleucht
in  ainer  reputation  pei  her  Jacoben  weren  und  alsdann  her  Jacoben
verfierten.
')  Len*  a.  a.  O.  S.  87  u.  256.
3 )  L  e  n  z  a.  a.  O.  S.  261—264,  294,  298  u.  316;  Roth  III,  S.  92  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.