Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

Erstes  Kapitel.
Herkunft  und  älteste  Geschichte  der  Familie.

Die  Paumgartner 1 )  tauchen  am  Ausgang  des  14.  Jahrhunderts ­
  in  Nürnberg  auf.  Das  erste  urkundlich  gesicherte
Datum  in  ihrer  Geschichte  ist  das  Jahr  1396,  in  welchem  sie
Aufnahme  in  den  Rat  der  Stadt  und  damit  zugleich  ins  Patriziat
fanden.  Ueber  die  Herkunft  des  Geschlechts  und  seine  Schicksale ­
  vor  dieser  Zeit  sind  wir  leider  wenig  unterrichtet.  Zwar
wissen  ältere  Genealogien  darüber  mancherlei  zu  erzählen,  aber
die  Angaben,  die  sich  noch  dazu  vielfach  widersprechen,  können
durch  urkundliches  Material  nicht  begründet  werden.  Eine
jener  Annahmen  geht  dahin,  dass  die  Familie  aus  Siebenbürgen
stamme,  wo  in  der  Nähe  von  Hermannstadt  ein  Ort  Baumgarten ­
  liege 2 ).  Belege  hierfür  haben  sich  nicht  beibringen  lassen.
Nicht  besser  beglaubigt  ist  die  Ansicht  derer,  die  das  Schloss
Baumgarten  in  Schwaben  als  ursprüngliche  Heimat  unseres
Geschlechts  annehmen 3 ).  Der  in  der  Markgrafschaft  Burgau
gelegene  Ort  nebst  Schloss  dieses  Namens,  an  den  dabei  gedacht
ist,  kam,  wie  wir  noch  sehen  werden,  erst  im  16.  Jahrhundert
in  den  Besitz  der  Paumgartner,  die  vorher  in  dieser  Gegend  nie
begütert  waren.
Mehr  Wahrscheinlichkeit  hat  dagegen  eine  Angabe  für  sich,
die  wir  in  einem  Briefe  des  Erasmus  von  Rotterdam  lesen.
Der  bekannte  Humanist  stand,  wie  später  zu  erzählen  sein
wird,  zu  dem  Augsburger  Zweig  der  Paumgartner  in  freundschaftlichen ­
  Beziehungen  und  konnte  daher  wohl  Nachrichten
x )  Die  Schreibung  des  Namens  ist  eine  sehr  schwankende.  Als
von  der  gewöhnlichen  Form  besonders  abweichend  hebe  ich  hervor:
Paungartner,  Pangartner  (Schreibungen,  die  von  der  Familie  selbst
gebraucht  werden),  Bongartner,  Bongärter.  In  italienischen  Urkunden
findet  sich  auch  die  Form  Pangortiner.
2 )  Cgm  2056  als  Ansicht  des  Nürnberger  Patriziers  und  Genealogen ­
  Konrad  Haller  erwähnt.
3 )  Paul  v.  Stetten:  Geschichte  der  adelichen  Geschlechter  in
der  freyen  Reichs-Stadt  Augsburg.  Augsbg.  1762.  S.  195.
            
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