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auch deshalb, weil diese bayrische Untertanen waren und man
glaubte, dass die Wittelsbacher einen besonders schlimmen
Einfluss auf den schwachen Sigismund ausgeübt hätten. Und
Baumgartner war ja, wie wir oben erwähnten, auch im Dienste
dieser tätig. Völlig liess sich die Kufsteiner Firma aus dem
einträglichen Metallhandel nicht verdrängen. Wenn sie sich
auch an den Silberverträgen keinen Anteil mehr sichern konnte,
da diese von nun an mit den Fuggern, Gossembrot, Paum-
gartnern und Herwart von Augsburg abgeschlossen wurden,
so suchte sie jetzt den Kupferhandel in ihre Hand zu bekommen.
Die Kupferproduktion war nicht den Beschränkungen unter
worfen wie die des Silbers, vielmehr erhielten die Gewerken
gegen Bezahlung einer Abgabe an die Regierung das freie Ver
fügungsrecht über das von ihnen gewonnene Kupfer 1 ). Hatte
also der Landesfürst Kupfer nötig — und Maximilian brauchte
viel für seine Kanonen —, so musste er sich an die Gewerken
wenden und mit diesen einen Kaufvertrag abschliessen, oder
es auf dem Markt kaufen.
Hier griffen nun die Baumgartner von Kufstein ein, indem
sie das Kupfer den Gewerken abnahmen und es auf den Markt
brachten. An der Metallgewinnung waren sie bisher selbst
nicht beteiligt. Nur auf bayrischem Gebiet stand neben dem
Handel auch eine lebhafte Tätigkeit der Firma als Gewerke.
Erst durch die pfandweise Uebernahme der Tiroler Bergwerks
anteile des tiefverschuldeten Antonio von Ross bekamen sie
auch Anteil am Tiroler Bergbau 2 ). Am 29. Mai 1490 schloss
Maximilian den ersten grossen Kupfervertrag mit Hans Baum
gartners von Kufstein Gesellschaft ab 3 ). Er kaufte von ihnen
1 ) Jansen: Jacob Fugger der Reiche S. 21.
2 ) Maximilian begann, sobald er die Regierung in Tirol angetreten
hatte, mit einer gründlichen Reorganisation des Behördenwesens, wobei
auch das Institut des obersten Amtmanns, das zuletzt Antonio v. Ross
innegehabt hatte, beseitigt wurde. Als nun Maximilian mit Ross ab
rechnete, stellte es sich heraus, dass dieser dem König noch 29 540 fl
und 2460 fl Zins schuldig war. Da Antonio v. Ross nicht imstande war,
die Summe (32 000 fl) zu bezahlen, so schoss Hans Baumgartners v.
Kufstein Gesellschaft diese vor. Als Pfand musste Ross alle seine Berg
werke verschreiben, die dann, als er fallierte, in den Besitz der Baum
gartner übergingen. (Nach den Tiroler Copialbüchern. Vgl. auch Sigm.
Adler: Die Organisation der Centralverwaltung unter Maximilian I.
S. 320 u. 343.)
3 ) Innsbruck, Statthaltereiarchiv: Cop. Serie II, 4.