Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

Erstes  Kapitel.

Die  Anfänge.
Hans  Paumgartner  der  Aeltere.
Der  erste  Paumgartner,  der  sich  in  Augsburg  niederliess,
war  Antons  Sohn  Franz  (geh.  1453) x ).  Sein  Name  findet  sich
seit  dem  Jahre  1479  in  den  Steuerbüchern  von  Augsburg  verzeichnet ­
 *  2 ).  Er  wohnte  zunächst  bei  „Unserer  Frauen-Brüderkloster“
  (jetzige  Annastrasse)  und  zahlte  seit  1480  eine  Steuer
von  15  fl 3 ),  was  ein  immerhin  nicht  unbeträchtliches  Vermögen
voraussetzt.  Wir  werden  annehmen  dürfen,  dass  er  dasselbe
im  Handel  sich  erworben  hat,  wenn  auch  nähere  Angaben  über
seinen  Lebensgang  vor  seiner  Ankunft  in  Augsburg  fehlen.
Keine  Stadt  war  damals  für  einen  aufstrebenden  Kaufmann ­
  als  Wohnsitz  geeigneter  als  die  alte  Augusta 4 ).  An  der
Hauptverbindungsstrasse,  die  von  Italien  nach  dem  Norden
Deutschlands  führte,  gelegen,  stellte  Augsburg  allmählich  selbst
Nürnberg  in  den  Schatten.  Hier  sassen  die  mächtigen  Kaufherren, ­
  deren  Reichtum  bereits  anfing,  die  Welt  in  Staunen
zu  setzen:  neben  den  Fuggern  und  Weisem  die  Höchstetter,
Meuting,  Gossembrot,  Adler  u.  a.  Mit  einigen  dieser  Familien,
den  Gossembrot  und  Arzt,  standen  die  Paumgartner,  wie  wir
x )  Anton  Paumgartner  selbst  war  nie  in  Augsburg  ansässig.  Die
sich  bei  Stetten,  Geschichte  der  adel.  Geschlechter,  findende
Notiz  (S.  196)  entbehrt  jeder  Begründung.  Seine  Verheiratung  mit
Klara  Arzt  fällt  nicht  ins  Jahr  1475,  sondern  ins  Jahr  1442  (siehe  o.  S.  19).
2 )  Augsburger  Steuerbuch  1479  fol.  29  b.
3 )  Ebenda  1480  fol.  29  b.  Ueber  die  mit  den  Augsburger  Steuerverhältnissen ­
  zusammenhängenden  Fragen  gibt  Aufschluss:  Jac.  Strieder:
Zur  Genesis  des  modernen  Kapitalismus  S.  1  ff.,  und  Max  J  ansen:
Die  Anfänge  der  Fugger  (Studien  zur  Fuggergeschichte  1.  Heft),  Leipzig
1907  S.  83!!
*)  Einen  guten  Ueberblick  über  die  Zustände  Augsburgs  um  das
Jahr  1500  gibt  Friedrich  Roth  im  1.  Bande  seines  Werks:  Augsburgs
Reformationsgeschichte  S.  1—35.
            
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