Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

Auf  Paumgartner  fielen  dabei  allein  n  ooo  fl.  Um  diese  Rückstände ­
  bezahlen  zu  können,  nahm  die  Regierung  bei  Fugger,
Paumgartner  und  Höchstetter  ein  Anlehen  auf.  Mit  Paumgartner, ­
  der  ja  selbst  Gewerke  war,  verständigte  man  sich
dahin,  dass  er  einstweilen  gegen  5%  Verzinsung  warte  und
dann,  wie  die  Fugger  und  Stöckl,  sich  vom  Silberwechsel  bezahlt ­
  mache 1 ).
In  den  dreissiger  Jahren  wurde  dann  der  Rückgang  der
Bergerträgnisse  ganz  offenkundig.  Die  Gewerken  erklärten
1534  und  in  den  folgenden  Jahren  wiederholt,  sie  könnten,
ohne  Schaden  zu  erleiden,  nicht  mehr  weiter  bauen,  wenn  ihnen
nicht  die  Regierung  weitere  Zuschüsse  gewähre 2 ).  Sie  drohten
sogar,  den  Bau  ganz  einzustellen.  Daraufhin  gewährte  die
Kammer  den  einheimischen  Gewerken  Stöckl  und  Tänzl  eine
„Particulargnad".  Sie  erhielten  die  Berechtigung,  2 / 3  (statt
bisher  %)  des  von  ihnen  gemachten  Silbers  frei  verführen  zu
dürfen.  Man  begründete  dies  damit,  dass  sie  auch  ,,im  ringen
Wechsel“  bauten,  im  Land  selbst  Steuer  zahlten  und  den
Bergbau  als  Beruf  ausübten 3 ).  Die  Augsburger  (Fugger,  Paumgartner ­
  usw.)  hatten  sich  zunächst  mit  diesem  Sonderprivilegium
einverstanden  erklärt,  aber  bald  darauf  traten  auch  sie  mit  der
Bitte  an  die  Regierung  heran,  dass  man  ihnen  ebenfalls  jene
„besondere  Gnad“  gewähre.  Die  Kammer  wies  diese  Forderung ­
  jedoch  ab  und  betonte  mit  Recht,  dass  die  Kaufleute
auch  aus  dem  Silberhandel  grossen  Nutzen  zögen,  was  bei
Stöckl  und  Tänzl  nicht  der  Fall  sei.  Es  wäre  auch  schimpflich,
wenn  der  König  nicht  die  Macht  hätte,  einem  vor  dem  andern
mehr  Gnad  zu  gewähren 4 ).  Der  Einfluss,  den  die  Augsburger
in  Tirol  gewonnen  hatten,  war  aber  bereits  zu  gross,  als  dass
man  auf  die  Dauer  ihre  Wünsche  hätte  ignorieren  können.
Bei  jedem  neuen  Darlehen,  das  sie  gewährten,  stellten  sie  die
Forderung  einer  Erhöhung  des  Gnadgeldes.  Als  1543  die  Paumgartner, ­
  Fugger,  Haug  und  Neithart  —  damals  die  Hauptgewerken ­
  —  an  den  König  besonders  hartnäckig  ihre  Bitte

*)  Missiv  an  Hof  (1523)  fol.  18.
2 )  W  o  1  f  s  t  r  i  g  1  a.  a.  O.  S.  50.
3 )  Die  einheimischen  Gewerken  bauten  auch  an  den  weniger
ergiebigen  Plätzen  weiter,  während  die  Augsburger  den  Bau  an  jenen
Stellen  aufgaben,  wo  sich  ein  Rückgang  der  Erträgnisse  zeigte.
*)  Missiv  an  Hof  (1538)  fol.  82.
            
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