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Dazu ist ein gewisser Zwang notwendig, nämlich der Zwang zum
Zusammensein.
Bei aller Verehrung der Freiheit kann keine Ge—
meinschaft auf diesen Zwang verzichten. Es ist der
Zwang vom Chaos zur Struktur, der Zwang von der
Masse zur Gemeinschaft.
Wenn dieser Zwang zum Zusammensein und Zusammenleben
nicht da wäre, so würde der Gegensatz über das Einigende siegen.
Die Gefühle der Gemeinschaft könnten die Schranken der Fremdheit,
die zwischen den einzelnen Menschen errichtet sind, nicht sprengen.
Wo aber deutsche Menschen mit einem ideellen Zweck miteinander
vereint sind, da bildet sich ganz naturgemäß jene Bindung der Freund⸗
schaft, welche man als „deutsche Treue“ seit Jahrhunderten gepriesen
hat. Diese „deutsche Treue“ als höchstes Merkmal unseres Volkstums
ist in der Verwirrung der gegenwärtigen Begriffe fast untergegangen.
Der Begriff ist strittig geworden, weil man vergessen hat, daß er nur
in seelischer Verbundenheit wurzeln kann. Das Bekenntnis zur Ge⸗
meinschaft wird ihn wieder neu aufleben lassen als die unzerreißbare
Bindung zwischen deutschen Menschen, welche, innerlich überzeugt und
ergriffen, einer wahren deutschen Gemeinschaft dienen können.
Menschen auf ideeller Grundlage aneinander binden, miteinander
vertreuen, heißt die Gemeinschaft schaffen. Die Bindung verstärkt sich,
sobald sich das Gemeinschaftsleben selbst eine Überlieferung ge—
schaffen hat.
Uberlieferung in diesem Sinne (Tradition) ist die
Fülle der gemeinsam verlebten Stunden, gemeinsam
durchdachter Gedanken und gemeinsam durchkämpfter
Kämpfe.
Wenn der eiserne Zwang zur Gemeinschaft erst diese UÜberliefe⸗
rung unter deutschen Menschen geschaffen hat, so wird sie bei der
hohen Verehrung des Deutschen für jedwede UÜberlieferung zu einem
um so festeren Bindemittel. Die Voraussetzung dieser Bindung an
sich, ohne die keine Gemeinschaftsbildung möglich ist, ist eine gerechte
und brüderliche Ordnung des Gemeinschaftslebens, so daß jedes ein—
zelne Glied von jenem Gemeinschaftsgefühl durchdrungen wird, welches
ihm die Gemeinschaft der Brüder zur Familie, zur Heimat macht.
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