Full text : Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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tungen  der  Zunftverfassung  erleichtert  würden,  damit  »der
Eintritt  fähigen  und  ehrbaren  Personen  nicht  zu  schwer«
werde. 1 )  Ganz  in  Übereinstimmung  mit  A.  Smith  ist  er  auch
gegen  Handelsmonopole. 3 )  Daneben  wirkt  es  jedoch  ganz
befremdend,  wenn  Kankrin  den  völligen  Mangel  an  Verständnis ­
  für  die  Eisenbahnen  zeigt,  gegen  welche  er  eifert,
und  wenn  er  sich  über  die  Banken  äußert:  sie  wären  lieber
gar  nicht  eingerichtet  worden. 3 )
Wie  bei  den  Merkantilisten  überhaupt,  so  ist  übrigens
auch  bei  Kankrin  der  Schwerpunkt  nicht  im  Theoretischen,
sondern  hauptsächlich  auf  dem  Gebiete  der  praktischen
N.-Okonomie  zu  suchen,  wo  er  sich,  wie  wir  in  dem  Vorhergehenden ­
  konstatiert  haben,  als  ein  Anhänger  der  konservativen ­
  Mittelstandspolitik  erweist.
Selten  wird  einem  Schriftsteller  die  Möglichkeit  gegeben, ­
  seine  Ideen  zu  verwirklichen.  Diese  Möglichkeit
wurde  aber  Kankrin  wie  selten  einem  geboten,  als  er  zum
Finanzminister  ernannt  wurde.  Und  die  Bedeutung  Kankrins
überhaupt  liegt  nicht  sowohl  in  seiner  schriftstellerischen
Tätigkeit,  als  vielmehr,  ja  fast  ganz  auf  dem  Gebiete  der
Staatswirtschaft.  Man  kann  sogar  ohne  Übertreibung  sagen,
daß  seine  nationalökonomischen  Schriften  eben  durch  sein
finanzwirtschaftliches  Wirken  an  Interesse  gewinnen,  denn
sonst  kommt-  ihnen  als  solchen  keine  nennenswerte  Bedeutung ­
  zu.
Auf  dem  finanzwirtschaftlichen  Gebiete  aber  leistete
Kankrin  wirklich  große  Dienste.  In  das  von  ihm  geleitete
Finanzministerium  brachte  er,  was  diesem  bisher  durchaus
gefehlt  hatte,  nämlich  Ordnung  und  System,  aber  dann  auch
die  nicht  zu  gering  zu  schätzende  persönliche  Ehrlichkeit.
Die  finanzwirtschaftliche  Tätigkeit  Kankrins  ist,  wie
wir  gesehen  haben,  nicht  ohne  Mängel  und  sogar  nicht
ohne  bedeutende  Fehler,  wie,  um  hier  nur  ein  Beispiel  hervorzuheben, ­
  die  von  ihm  im  »Weltreichtum«  getadelte  und

i)  Ök.  212.  —  2 )  Weltr.  175.  —  3 )  Ök.  152.
            
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