fullscreen: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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XI. HAUPTTBIL. 
die Verarmung unseres Volkes durch die Kriegsschulden 
und die Leistungen an die Gegner herbeigeführt worden 
ist, und endlich auch durch den Rückgang der Arbeitslust 
und Arbeitsintensität unserer Arbeiterschaft. Gar mancher 
Industriezweig konnte außerdem vor dem Kriege nur be 
stehen infolge derHungerlöhne in der Hausindustrie. Solche 
Zustände dürfen nicht wiederkehren. 
Es kommt aber als wichtiger Faktor hinzu, daß unsere 
Industrie nicht nur in ihrer Exportstellung und ihren 
inneren Absatzverhäitnissen, sondern auch in ihrer Pro 
duktionsstellung erschüttert ist. Es ist unmöglich, auf alle 
die ungeheuerlichen Kautelen des Eriedensvertrages hinzu 
weisen, wie z. B. die Beeinträchtigung der Ausnützung 
unseres Patentrechtes. Es sei nur an den Verlust von Kohle 
und Eisen erinnert. 75 % unserer Erzgewinnung ist uns' 
durch den Verlust Lothringens genommen. Für die Kohlen 
versorgung fällt das Saargebiet völlig aus, über das Schick 
sal Oberschlesiens wird erst die kommende Volksabstimmung 
entscheiden und somit auch darüber, ob der deutschen In 
dustrie die oberschlesische Kohle verbleibt, aus dem Ruhr 
gebiet müssen wir jährlich Millionen von Tonnen Kohle an 
die Entente abliefern. 
Gegen diese Ausführungen könnte verschiedentlich 
eingewandt werden, es handle sich nur um vorübergehende 
Erscheinungen und Erschwerungen. Zusammenfassend wird 
man aber zugeben müssen, daß keine Aussichten für die 
nächste Zukunft bestehen, wonach unsere Industrie nach 
innen und nach außen den Stand wieder einnehmen könnte, 
den sie vor dem Kriege erreicht hatte. Unsere Industrie 
wird in ihrem Umfang zurückgehen. Sie wird bedeutend 
weniger Menschen beschäftigen und ernähren als vor dem 
Kriege. In welchem Ausmaß dies der Fall sein wird, dar 
über fehlen wohl sichere Anhaltspunkte. 
Kur das Eine sei noch erwähnt: Wenn man aus einem 
Vergleich der Zahl der Arbeitslosen in der Industrie des 
Jahres 1919 und 1920 den Schluß zieht, die Arbeitslosigkeit 
habe gewaltig abgenommen und somit sei erwiesen, daß 
unsere Industrie sich erhole, so ist dies falsch. Die Arbeite-
	        
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