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»unzeitige Aufrichtigkeit und vorfrühe Maßregeln« schädlich. 1 )
»Der Staat soll nie etwas Falsches sagen, — meint weiter
Kankrin — aber er braucht manches nicht zu berühren,
und volle Aufrichtigkeit ist erst dann nötig, wenn Volk
und Sache reif sind«. a ) Dann müsse aber »die Aufrichtigkeit
ohne allen Rückhalt dokumentiert und garantiert sein«. 3 )
Zuletzt müsse noch zu den Mißgriffen auch das zwei
deutige Verhalten der Regierungen gezählt werden. »Man
machte Operationen, das Papiergeld zu verbessern, um dar
unter nur neue Emanationen zu verstecken, hoffend zugleich
das Papiergeld durch Täuschung doch etwas zu halten«. 3 )
Das habe aber nur geschadet.
Wenn man all die Nachteile und Mißgriffe bedenkt,
welche als Begleiterscheinungen des Papiergeldes zu be
zeichnen sind, so ist die Frage berechtigt: ist denn über
haupt das Papiergeld nötig? Auf diese Frage antwortet
Kankrin positiv. Der Bedarf an vorstehenden Wertzeichen
sei so groß und wachse beständig, so daß immer die Not
wendigkeit vorhanden sei, einen Teil des Metallgeldes durch
Papiergeld zu ersetzen. Noch mehr! Es ist »nicht unwahr
scheinlich, — sagt Kankrin — daß in Zukunft der Wert
der edeln Metalle steigen müsse, da das Bergwesen doch
an sich mehr beschränkt ist, als andre Zweige der Produktion,
und der Bedarf an Gold und Silber im Gebrauch, Verbrauch
und Geld immer steigt. Ja, es läßt sich — fährt er fort —
nach Jahrtausenden vielleicht, wenn Amerika, Asien und
Afrika verhältnismäßig wie Europa angebaut wären, eine Art
Weltpapiergeld notwendig denken, wenn die Metalle so im
Wert steigen sollten, daß sie unbequem würden, oder man
die Kostbarkeit dieses Zirkulationsmittels zum Teil vermeiden
wollte.« 4 )
Wie dem auch sei, mit dem Papiergelde müsse man
sehr vorsichtig sein. »Es ist ebenso wenig einem Staate
ß Weltr. 76. — 2 ) Weltr. 77. - 3) Weltr. 77. — *) Weltr. 66.