Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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»unzeitige Aufrichtigkeit und vorfrühe Maßregeln« schädlich. 1 ) 
»Der Staat soll nie etwas Falsches sagen, — meint weiter 
Kankrin — aber er braucht manches nicht zu berühren, 
und volle Aufrichtigkeit ist erst dann nötig, wenn Volk 
und Sache reif sind«. a ) Dann müsse aber »die Aufrichtigkeit 
ohne allen Rückhalt dokumentiert und garantiert sein«. 3 ) 
Zuletzt müsse noch zu den Mißgriffen auch das zwei 
deutige Verhalten der Regierungen gezählt werden. »Man 
machte Operationen, das Papiergeld zu verbessern, um dar 
unter nur neue Emanationen zu verstecken, hoffend zugleich 
das Papiergeld durch Täuschung doch etwas zu halten«. 3 ) 
Das habe aber nur geschadet. 
Wenn man all die Nachteile und Mißgriffe bedenkt, 
welche als Begleiterscheinungen des Papiergeldes zu be 
zeichnen sind, so ist die Frage berechtigt: ist denn über 
haupt das Papiergeld nötig? Auf diese Frage antwortet 
Kankrin positiv. Der Bedarf an vorstehenden Wertzeichen 
sei so groß und wachse beständig, so daß immer die Not 
wendigkeit vorhanden sei, einen Teil des Metallgeldes durch 
Papiergeld zu ersetzen. Noch mehr! Es ist »nicht unwahr 
scheinlich, — sagt Kankrin — daß in Zukunft der Wert 
der edeln Metalle steigen müsse, da das Bergwesen doch 
an sich mehr beschränkt ist, als andre Zweige der Produktion, 
und der Bedarf an Gold und Silber im Gebrauch, Verbrauch 
und Geld immer steigt. Ja, es läßt sich — fährt er fort — 
nach Jahrtausenden vielleicht, wenn Amerika, Asien und 
Afrika verhältnismäßig wie Europa angebaut wären, eine Art 
Weltpapiergeld notwendig denken, wenn die Metalle so im 
Wert steigen sollten, daß sie unbequem würden, oder man 
die Kostbarkeit dieses Zirkulationsmittels zum Teil vermeiden 
wollte.« 4 ) 
Wie dem auch sei, mit dem Papiergelde müsse man 
sehr vorsichtig sein. »Es ist ebenso wenig einem Staate 
ß Weltr. 76. — 2 ) Weltr. 77. - 3) Weltr. 77. — *) Weltr. 66.
	        
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