Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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eine  Sache  herzustellen,  von  deren  Austausch  er  sich  einen  besonderen ­
  Vorteil  verspricht.  Je  ausgebildeter  diese  Arbeitsteilung  wird,
desto  mehr  Vorräte  sind  naturgemäß  nötig,  oder,  indem  wir  den  ganzen
Satz  umkehren,  je  mehr  Vorräte  angesammelt  sind,  desto  mehr  kann
die  Arbeitsteilung,  die  im  Anfangsstadium  der  Gemeinschaftswirtschaft
sicher  die  mächtigste  Förderin  des  Fortschrittes  war,  vor  sich  gehen.
Nun  ist  es  aber  leicht  einzusehen,  daß  der  Mensch,  wenn  er  sich
dauernd  mit  einer  ganz  bestimmten  Tätigkeit  beschäftigt,  in  dieser
Tätigkeit  eine  größere  Geschicklichkeit  sich  aneignet  *),  als  wenn  er
sich  abwechselnd  auch  noch  anderen  zur  Befriedigung  seiner  Bedürfnisse ­
  nötigen  Beschäftigungen  hingeben  müßte.  Er  kann  also,  da  er
dies  nicht  zu  tun  braucht,  mit  demselben  Aufwand  von  Arbeit  eine
größere  Anzahl  von  Gütern  hersteilen,  oder  um  es  wieder  anders  auszudrücken ­
  :  er  kann  sein  Kapital  intensiver  vermehren  wie  früher.  Wir
sehen:  es  ergibt  sich  so  eine  Wechselwirkung  von  Arbeit  und  Kapital,
die  sich  beide  gegenseitig  fördern  und  vermehren,  eine  Wirkung,  die
aber  deshalb  nicht  ad  infinitum  fortgesetzt  werden  kann,  weil  die
Arbeitsteilung  nur  bis  zu  einem  gewissen  Grade  die  oben  ausgeführten ­
  vorteilhaften  Wirkungen  hat,  wie  wir  denn  auch  in  der  letzten
Zeit  an  dieser  Grenze  angekommen  zu  sein  scheinen.  Wenigstens
macht  sich  ganz  allgemein  der  Umschwung  bemerkbar,  sowohl  die  einzelnen ­
  Betriebe  in  einer  Hand  zu  vereinigen,  als  auch  in  der  Verteilung ­
  der  Arbeit  an  die  einzelnen  Arbeiter  nicht  mehr  weiterzugehen. ­

Doch  nach  dieser  kurzen  Abschweifung  zurück  zu  unserem  Thema:
je  fleißiger  ein  Volk  ist,  d.  h.  je  größer  das  Verhältnis  der  arbeitenden ­
  Personen  zu  den  nichtarbeitenden  ist,  desto  größer  wird  der  Wohlstand ­
  des  Volkes  sein.  Aber  Smith  erkennt  sofort,  daß  dieses  Gesetz
in  der  eben  ausgesprochenen  allgemeinen  Form  nur  für  die  ersten
Anfänge  der  Arbeitsteilung  gültig  sein  kann,  und  daß  nach  und  nach
eine  solche  Differenzierung  in  der  Arbeit  eingetreten  ist,  daß  sich  eine
Modifizierung  als  nötig  erweist.  Und  so  teilt  er  die  Arbeit,  abgesehen ­
  davon,  daß  sie  von  verschiedener  Intensität  sein  kann,  in  zwei
Gruppen:  produktive  und  unproduktive  Arbeit *  2 );  produktiv  ist  sie
dann,  wenn  sie  dem  von  ihr  verarbeiteten  Materiale  noch  einen
neuen  AVert  hinzufügt,  unproduktiv,  wenn  sie  diese  Eigenschaft
nicht  hat.

*)  Smith,  a.  a.  0.,  I,  11.
2 )  Ders.,  a.  a.  0.,  II,  80  ff.
            
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