Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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stehen  bleiben.  Er  behielt  also  die  Worte  Turgots  bei  und  gab
ihnen  einen  neuen  Inhalt:  produktiv  ist  die  Arbeit,  die  der  Gesellschaft
neue  bleibende  Werte  schafft,  unproduktiv  diejenige,  die  dies  nicht  tut.
An  diesen  beiden  Beispielen  glauben  wir  hinreichend  gezeigt  zu
haben,  wie  Smith  verschiedentlich  physiokratische  Gedanken  aufgegriffen, ­
  weitergebildet  und  verbessert  hat.
Wir  wollen  also  zum  Schluß  noch  das  näher  ins  Auge  fassen,
was  er  auf  unserem  Gebiete  Neues  geschaffen  hat:  hier  ist  es  als  sein
größtes  Verdienst  hinzustellen,  daß  er  den  Beweis  der  Produktivität
des  Kapitals  erbracht  hat.  Schon  das  allein  stellt  ihn  in  einen  solchen
Gegensatz  zu  den  Physiokraten,  daß  man  die  Behauptung,  er  habe
zu  viel  von  ihren  Ideen  zu  seinen  eigenen  gemacht,  als  daß  man  ihn
als  selbständigen  Förderer  der  Produktionslehre  bezeichnen  könne,
zurückweisen  muß.  Im  einzelnen  haben  wir  oben  ausgeführt,  inwiefern
das  Kapital  an  der  Güterproduktion  wertschaffend  mitwirkt,  so  daß
wir  es  hier  nicht  zu  wiederholen  brauchen.
Selbstverständlich  sieht  denn  auch  seine  Lehre  von  der  Wertbildung ­
  ganz  anders  aus,  als  wir  sie  bei  Turgot  vorgefunden  haben.
Dieser  glaubte  den  letzten  Grund  für  den  Wert  der  Güter  im  Bedürfnis ­
  zu  finden  und  überließ  die  Regelung  des  Marktpreises  dem
Wechselspiel  von  Nachfrage  und  Angebot.  Ganz  anders  Adam  Smith:
er  sieht  als  wertbildend  die  drei  Produktionsfaktoren  an,  und  nach
ihm  zerfällt  der  natürliche  Preis  jeder  Ware  in  die  drei  Anteile:
Lohn,  Gewinn  und  Rente  1 ),  wie  wir  es  an  der  entsprechenden  Stelle
genauer  auseinander  gesetzt  haben.  Leider  schießt  er  über  das  Ziel
hinaus,  indem  er  die  Bedürfnisfrage  als  ganz  nebensächlich  ausscheidet.
Wie  so  häufig  hegt  das  Richtige  in  der  Mitte:  weder  der  Aufwand
an  Produktionsmitteln,  noch  das  Bedürfnis  allein  ist  das  Entscheidende,
beides  ist  zur  richtigen  Wertbestimmung,  zu  der  allerdings  auch  noch
andere  Faktoren  mitwirken,  nötig.
Ganz  kurz  haben  wir  so  das  Verhältnis  von  Adam  Smith  zu
Turgot  zu  charakterisieren  gesucht  und  gezeigt,  daß  er  einiges  aus
den  pliysiokratischen  Ideen  unverändert  übernommen  hat,  andere  Gedanken ­
  bloß  aufgegriffen,  aber  in  anderer  Richtung  weiter  entwickelt,
endlich  aber  doch  sehr  viel  Neues,  und  zwar  Neues  von  entscheidender
Wichtigkeit  gebracht  hat.

l )  Smith,  a.  a.  0.,  I,  68.
            
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