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1. Reichsinvalidenversicherung
Von
Landesrat vr. ^Mewes-Düsseldorf.
1. Allgemeines.
Von allen drei Zweigen unserer Arbeiterzwangsversicherung ist bei
der Invalidenversicherung am häufigsten und lebhaftesten die Besorgnis
aufgetreten, daß das Kapitalbedürfnis für die produktiven Zwecke unserer
Volkswirtschaft durch die zwangsweife Entziehung großer Präinienbeträge
und die Belastung der Betriebskosten mit ihnen zu stark beeinträchtigt
tverden. In der Tat führt der versicherungstechnische Aufbau der
Invalidenversicherung, der später noch zu erläutern sein wird, notwendig
und bewußt zu einer Kapitalansammlung, die nicht unbeträchtlich stärker
ist als bei der Kranken- und der Unfallversicherung. Aus der Festschrift
des Reichsversicherungsamts zum Jubiläum der Unfall- und Invaliden
versicherung (1910) lassen sich darüber folgende Zahlen zusammenstellen.
Es haben bis Ende 1909 die gesamten Einnahmen (Beiträge,
Zinsen usw., sowie Reichszuschuß bei der Invalidenversicherung) betragen:
bei der Krankenversicherung . 4536 Mill. Mk.
„ „ Unfallversicherung . . 2472 „ „
„ „ Invalidenversicherung. 3643 „ „
Dagegen sind in der gleichen Zeit an V ersich eru n gslei stun gen
(Krankenkosten bzw. Renten, Heilverfahren, Beitragserstattungen und der
gleichen) aus gezahlt:
1 Als Quellen zu der vorliegenden Untersuchung haben in der Hauptsache
die Veröffentlichungen des Reichsversicherungsamts, ferner die Begründung zum
Jnvalidenversichcrungsgesehe und zur Reichsversicherungsordnung gedient. Die Zahlen
über die Verteilung der 1907 ermittelten Versicherten auf die verschiedenen Berufs
arten, die bisher nicht veröffentlicht sind, sind mir dankenswerter Weise vom Reichs
versicherungsamte zur Verfügung gestellt worden.
SPriften 18?. IV.
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