Full text: Die Schweiz

W 
steigt aber neben Hafer und Gerste auch in die 
Bergregion hinauf. Um vollständig auszureifen, 
bedürfen die Körnerfrüchte der Trockenheit und 
Wärme; ihr Hauptgebiet liegt im Regenschatteu 
des Jura und in der Trockenlaudschaft des Wallis. 
Vom Gros de Vaud, das dem Getreide eine ver 
hältnismäßig bedeutende Fläche einräumt, zieht sich 
ein breiter Streifen des Getreidebaues dem Jura- 
fuß entlang bis in den Kanton Schaffhausen hinein. 
Die wichtige Körnerfrucht des Südens, der Mais, 
wächst in großer Menge im Tessin, in beschei- 
denerem Umfang auch im Wallis und in den Föhn 
gassen des Rhein- und Seeztales. Die höhere Hügel- 
region am Alpenrande ist, besonders in der Ost- 
schweiz, wegen der Feuchtigkeit und stärkern Be 
wölkung für das Getreide nicht geeignet, umso 
mehr, als es im feuchten Klima unter dem Rost 
und unter starker Unkrautbildung leidet. So tritt 
cs denn hier ganz hinter den Wiesen zurück. Strich 
weise könnte wohl noch mit Erfolg Getreide gebaut 
werden; aber die Industrie hat die Arbeitskräfte 
an sich gezogen und so dem Wiesenbau und der Vieh 
zucht Vorschub geleistet. 
Der jährliche Körnerertrag wird auf etiva 50 
Millionen Franken geschätzt. Der Wert des Strohs 
macht 30 Millionen Franken aus; er dient vor 
allem zur Einstreu; ein kleiner Teil findet bei der 
Strohflechterei Verwendung. Die Getreideproduk 
tion verinöchte, nach Abzug dessen, was als Vieh 
futter und Saatgut abgeht, die Bevölkerung des 
Landes kaum mehr auf die Dauer von 80 Tagen 
zu ernähren. Wäre nicht die Rücksicht auf den 
Fruchtwechsel und der große Bedarf an Stroh als 
bestes Streuematerial, so hätte unzweifelhaft der 
Getreidebau noch mehr an Boden verloren. Die Ein 
fuhr von Getreide und Mehl macht (1.909) 181 
Millionen Franken aus: daran ist der Weizen allein
	        
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