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Krüppelanstalt diskreditieren, will er nicht durch solche Pfleglinge
seine gewiß zeitgemäßen und höchst schätenswerten caritativen Be-
strebungen unnötig gehemmt sehen.
In die Krüppelanstalten gehören nur körperliche Krüppel, aber
teine hochgradig psychische Krüppel, höchstens vorübergehend, wenn
durch chirurgisch-orthopädische Maßnahmen eine Entkrüppelung zu er-
warten ist.
Man hat heutzutage doch den Eindruck, als ob manche Fürssorge-
stelle, die die Unterbringung eines Hilfsbedürftigen zu veranlassen hat,
häufig nicht weiß, wie sie einen solchen Hilfsbedürftigen los werden
soll und, hat der Hilfsbedürftige in seinem Äußeren nur etwas, was
geeignet ist, die Ideenverbindung Fürsorge und Krüppelanstalt aus-
zulösen, sofort den Gedanken in die Tat umsetzt, ssofort die Aufnahme
dieses Menschen in eine Krüppelanstalt in die Wege leitet, nur um
den Fall zu erledigen. Die überweisende Stelle gibt sich gar keine
Rechenschaft darüber, ob der Fall wirklich für eine Krüppelansstalt
geeignet ist oder nicht oder ob der Fall sich nicht besser für eine andere
Anstalt für Hilfsbedürftige eignet. Dazu kommt, daß manche Eltern
wohl bald die Zustimmung zur Unterbringung des Jungen oder des
Mädchen geben, wenn es heißt, das Kind soll in eine Krüppelanstalt,
aber Schwierigkeiten machen, wenn es sich darum handelt, das Kind
einer Anstalt für Schwachsinnige oder andere geistige Gebrechen zu
überweisen. Aber der Krüppelfürssorger darf seine Anstalt nicht für
fle möglichen Hilfsbedürftigen hergeben, für Sieche und geistig Ge-
rechliche.
Alle tiefsstehenden Schwachsinnigen gehören nicht in eine Krüppel-
anstalt. Einmal nehmen diese Schwachsinnigen den geistig vollwertigen
Krüppeln die Plätze weg, sodann stellen sie an die Einrichtung der
Krüppelanstalt Anforderungen, denen diese wenigstens heute nicht ge-
wachsen sind, für die die Einrichtungen der Krüppelanstalten bisher nicht
Jeschaffen; gibt es doch heute noch keine oder nur sehr wenige Krüppel-
anstalten, die auch nur eine Klasse für Hilfsschüler haben. Behalten
die Krüppelanstalten solche Schwachsinnigen, so schaden die Anstalten
diesen Pfleglingen auch selbst. Während diese geistig Gebrechlichen in
einer entsprechenden Anstalt, Idiotenanstalt oder Anstalt für Schwach-
sinnige noch etwas lernen können, stehen sie in der Krüppelanstalt
Janz abseits. Die Krüppelfürsorger mühen sich eine Zeitlang auf
Kosten der anderen Pfleglinge nutzlos mit ihnen ab; diese Schwach-
sinnigen halten den Betrieb auf, absorbieren die Arbeitskräfte der
Lehrer in unverantwortlicher Weise, sind dauernd eine Last für die
Krüppelanstalten, werden schließlich sich selbst überlassen oder ver-
[chwinden in der Siechenabteilung.
_ Allso möglichst bald in der Krüppelanstalt den Grad des Schwach-
sinns feststellen, prüfen, ob der Pflegling in der Krüppelanstalt am