Object: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker usw. 
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Entzuckerung von Melasse durch Strontian bildet und 1,57-mal so stark nach rechts 
dreht als Saccharose, durch Polarisation vor und nach der Inversion bestimmt. 
A. Herzfeld und Dammüller 1 ) haben diesem Verfahren folgende genaue 
Form gegeben; 
Das halbe Normalgewicht (nämlich 13,024 g für den Soleil-Ventzke- 
Scheibler-Apparat) von raffinosehaltigen Zuckerprodukten wird im 100 ccm-Kolben 
in 75 ccm Wasser gelöst und mit 5 ccm Salzsäure (von 38,8 °/ 0 Gehalt an HCl) 
7 1 / 2 —10 Minuten auf 67—70° erwärmt. Nach dem Abkühlen, Auffüllen zur Marke 
und Klären mit durch Salzsäure ausgewaschener Knochen- oder Blutkohle wird 
die Beobachtung bei 20 0 ausgeführt. Zur Berechnung des Ergebnisses dienen folgende 
2 Formeln: 
„ . 0,5182 P — J , /T> P —Z 
Z (Saccharose) = —Ö839Ö un< ^ ^ (^ a ™ose) = Ysö2~’ 
in welchen P = direkte Polarisation, 
J = Polarisation nach der Inversion für das ganze Normalgewicht mit 
Umkehrung des Vorzeichens bedeutet. 2 ) Vergl. auch weiter unten unter „Aintl. 
Vorschriften“. 
Hat man bei einer anderen (t) Temperatur als 20° polarisiert, so berechnet 
sich die Größe für die Temperatur 20° nach der Formel: 
J 20 = J t + 0,0038 S (20 - t), 
worin S die Drehungsverminderung in der Clergetsehen Formel bedeutet. 
Diese Formeln, sowie Tabellen und Anweisungen zur Anwendung sind in den Aus 
führungsbestimmungen zum Zuckersteuergesetz vom 18. Juni 1903 enthalten (vergl. weiter 
unten). 
B. Tollens 3 ) hält folgende Formel: 
_ 0,5182 P — J 
~ 0,8448 
für richtiger. 
Th. Breyer 4 ) hat vorstehendes Verfahren auch für andere Temperaturen als 20° 
eingerichtet. 
Wenn in den auf Raffinose zu untersuchenden Erzeugnissen 2 °/ 0 Invertzucker und 
Ulehr vorhanden sind, liefert das Verfahren keine genauen Ergebnisse mehr. Um auch in 
diesen Fällen die Untersuchung zu ermöglichen, bestimmt J. Wortmann 5 ) zuerst den 
Invertzucker durch Fehlingsche Lösung, setzt die von diesem herröhrende Linksdrehung 
in die Rechnungen ein und berechnet den Gehalt nach umfangreichen Formeln, auf welche 
ich nur verweisen kann. 
*) Zeitschr. d. deutschen Vereins f. Rühenzuckerindustrie 1889, 722 u. 742: desgl. 
40, 265. 
2 ) Da die Polarisation nach der Inversion stets negativ (—) ist, so ist der Betrag 
ner Linksdrehung, da — (— J) = -j- J ist, stets zu addieren und lautet die Formel in Wirk 
lichkeit • Z = x P -f- J) 
0,8390 “ ' 
Polarisiert ein Nachprodukt z. B. vor der Inversion = -f- 94,5, nach der Inversion 
' 43,8°, so berechnet sich der Gehalt an Saccharose nach der Formel zu 90,6 °/ 0 , da 
„ (0,5182 x 94,5) + (2 x 13,8) _ 76,0218 _ 
Z 0,8390 0^390“ - 9U ’ 6 lst 
3 ) Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1890, 19, 131. 
9 Chem.-Ztg. 1889, 18, 559. 
6 ) Zeitschr. d. Vereins f. Rühenzuckerindustrie d. Deutschen Reiches 39, 767. 
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 39
	        
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