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Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

Monograph

Identifikator:
1009604546
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-71914
Document type:
Monograph
Author:
Carnegie, Andrew http://d-nb.info/gnd/11866719X
Title:
Kaufmanns Herrschgewalt
Edition:
5. Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von G.A. Gloeckner
Year of publication:
1914
Scope:
1 Online-Ressource (XVI, 221 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
VI. Wie kann man ein Vermögen erwerben ?
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Einführung in die Kriegswirtschaftslehre
  • I. Die Kriegswirtschaftslehre als Sonderdisziplin
  • II. Verschiedenartigkeit der Kriegswirkung
  • III. Das Problem der Reserven
  • IV. Arten der kriegswirtschaftlichen Bedarfsdeckung
  • V. Aufgaben und Wesen des Geldes
  • VI. Beschaffung von Zeichengeld
  • Beschaffung von Weltgeld
  • VIII. Organisation der unmittelbaren Realienbeschaffung
  • IX. Sicherung des Realienbedarfes für den Kriegsfall
  • X. Rückwirkungen des Krieges und der Rüstungen auf Geld und Kredit
  • IX. [i. e. XI.] Rückwirkungen des Krieges und der Rüstungen auf Produktion und Handel
  • XII. Der Kriegserfolg
  • Schlußbemerkungen

Full text

38 
einmal Gelegenheit festzustellen. Wir besitzen 
eben keine kriegswirtschaftliche Zentralstelle, 
welche die wichtigsten Vorkommnisse der Gegen 
wart evident hielte und die Vergangenheit 
durchforschen könnte. Dies ist mit eine Ur 
sache, weshalb die kriegswirtschaftliche Or 
ganisation, die Ordnung des Verkehrswesens und 
der Produktion für den Kriegsfall so schwer 
durchzuführen ist. 
Diese wenigen Hinweise auf den inneren 
Markt und die innere Verkehrslage mögen ge 
nügen. Es seien mir nun noch einige Bemerkun 
gen über den internationalen Markt 
gestattet. Der Krieg verändert häufig die Absatz 
wege bestimmter Warengruppen. Aber es werden 
nicht nur die Wege verschoben, vielfach werden 
bestimmte Konsumenten überhaupt ausgeschaltet. 
Um nur ein Beispiel hervorzuheben. Frankreich 
verkauft Konfektionswaren an die ganze Welt. 
Als der Deutsch-französische Krieg dazu führte, 
daß Paris eingeschlossen wurde, nahmen die Be 
stellungen Hollands, Italiens, Rußlands usw. ihren 
Weg nach Berlin statt nach Paris und die mili 
tärischen Erfolge hatten unmittelbare Einkommens 
vermehrung hervorgerufen. Damals ging auch der 
französische Champagnerhandel zurück, während 
Deutschland für seinen Champagner neue Absatz 
gebiete eroberte. In ähnlicher Weise kann der 
Handel dritter Staaten durch einen Krieg beein 
flußt werden. 
Ich komme nun zu Problemen von noch 
größerer Tragweite. Ein Krieg von längerer Dauer 
kann, wenn sich die Produktion an die geänder 
ten Verhältnisse anzupassen vermag, ähnlich wie 
ein Schutzzoll wirken. Derartige Wirkungen von 
einiger Erheblichkeit dürfte im allgemeinen nur 
ein Weltkrieg, wie jener vor hundert Jahren, aus 
üben. Was für Vorkommnisse den Weltkrieg 
charakterisieren werden, wissen wir nicht genau. 
Sehr wahrscheinlich ist es, daß der Boykott eine 
erhebliche Rolle spielen wird, wie er z. B. in der 
Türkei und in Serbien gegen österreichisch-unga 
rische Waren zeitweilig geübt wurde. Der Boykott 
verengt den Absatz des Gegners, er fördert den 
Absatz der eigenen Industrie, die nun nicht mehr 
mit jener des Auslandes konkurrieren muß. Der 
Boykott wirkt wie ein Prohibitivzoll, nur daß er 
nicht formell von der Regierung ausgeht. Freilich 
dürfte man in Zukunft für einen Boykott der 
Privatpersonen die Regierungen verantwortlich 
machen. Es wäre denkbar, daß man, im Falle man 
die Macht dazu hat, sie zur Abnahme bestimmier 
Warenquanten zwingt, die sie dann an die Be 
völkerung nach ihrem Ermessen weiter veräußern 
kann. Derartige und andere Pressionen gegenüber 
Regierungen wird man umso leichter anwenden, 
als in der Mehrzahl der Fälle ein großzügig or 
ganisierter Boykott von der Regierung zumindest 
geduldet, wenn nicht gefördert zu sein pflegt. 
Wir leben heute in einem Zeitalter, das 
schutzzöllnerischen Gedankengängen stark an 
hängt. Es ist dies eine von Zeit zu Zeit wieder 
kehrende Denkweise. Wenn ein Zeitalter dem 
Staat keine Eingriffe gestattete und infolge der 
ungezügelten Konkurrenz schwere Schäden sich 
bemerkbar machten, pflegte man in der Forderung 
nach Regierungshilfe und Schutzmaßnahmen aller 
Art keine Grenze finden zu können; wenn dann 
durch übermäßige Kontrolle der Unternehmungs 
geist gelähmt und vielfach Unfähige privilegiert 
werden, wendet sich der Zorn aller gegen die 
Aufsicht der Regierung. Da die Menschen wenig 
aus der Geschichte zu lernen pflegen, begnügt 
man sich meist nicht mit der Beseitigung der 
Schäden, sondern geht von einem Extrem ins 
andere über. Die schrankenlose Gewerbefreiheit 
wird durch eine Gewerbeordnung abgelöst, der 
zufolge eine Konditorei ohne besondere Konzession 
zwar kalte, nicht aber warme Limonaden ver 
kaufen darf, weil letzteres nur einem Kaffeehaus 
zukommt. Den Schutzzoll verteidigen viele als 
Erziehungszoll. Sie weisen darauf hin, daß der 
unentwickelten Industrie geholfen werden müsse. 
Daß sie hilfsbedürftig sei spreche nicht gegen 
ihre tatsächlichen Fähigkeiten. Ein dreißigjähriger 
Schwächling könne mit Leichtigkeit einen fünf 
jährigen Athleten erdrosseln. Es war bekannt 
lich der Schutzzoll, der Deutschlands Industrie 
der englischen gegenüber konkurrenzfähig ge 
macht hat. Es gibt aber freilich Schutzzölle, die nicht 
dazu beitragen, die Produktion zu vergrößern und zu 
vervollkommnen, sondern einer kleinen Gruppe von 
energischen Männern die Möglichkeit geben, 
Waren minderer Qualität zu hohen Preisen zu 
verkaufen, ohne die Konkurrenz des Auslandes 
fürchten zu müssen. In Zeiten, die dem Frei 
handel gewogen sind, wird man für die schutz- 
zöllnerische Wirkung des Krieges kein rechtes 
Verständnis haben. Der Krieg ist für Freihändler, 
wie ich schon einmal erwähnte, nur eine Stö 
rung der Produktion, während der Schutzzöllner 
in ihm unter Umständen eine Anregung zur Pro 
duktion sieht. Freilich muß dafür Sorge getragen 
werden, daß Fabriken, die während eines Krieges 
errichtet wurden, nach dem Kriege nicht schutz 
los dem Auslande preisgegeben werden, wie dies 
nach den Napoleonischen Kriegen zum Teil der 
Fall war, als die Kontinentalsperre aufgehoben 
wurde, ohne durch entsprechende Schutzzölle er 
setzt zu werden, die als Uebergang hätten dienen 
können. 
Wir besitzen eine ausgezeichnete Schilderung 
der Kontinentalsperre von Peetz und 
Dehn. Napoleon wollte den englischen Handel 
treffen, soweit er Industrie- und Kolonialartikel 
betraf; merkwürdigerweise verhinderte er nicht 
die Zufuhr von Getreide nach England, was wohl 
eine der ersten Taten eines modernen Napoleon 
gewesen wäre. Auch in einem modernen Welt 
kriege würde eine Kontinentalsperre der Industrie 
manche Förderung, aber auch manche Lähmung 
bringen. Die Lyoner Seidenindustrie beschäftigte 
im Jahre 1788 ungefähr 9000 Webstühle; deren 
Zahl ging infolge der Revolution auf ungefähr 
3000 zurück, während die Kontinentalsperre sie
	        

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Die Alters- Und Invaliden-Versicherung. F. Kortkampf, 1884.
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