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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der Liberalismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

74 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [532 
die Münzordnungen von 1524, 1551 und 1559 einzugreifen, und besonders die letztere 
und die kreismäßige Kontrolle, die in dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts die 
einzelnen Münzstätten zu beaufsichtigen beginnt, schuf gewisse Fortschritte, freilich um 
dann wieder 1617525 ganz zu versagen. Und von 1650-1800 ist es nur in 
wenigen großen deutschen Staaten, hauptsächlich in Sachsen, Hannover, Hsterreich und 
Preußen, daneben in Bremen und Hamburg gelungen, zu erträglichen Geld- und Münz— 
zuständen zu kommen. In den kleinen deutschen Staaten hörte man von 1500 - 1800 
teilweise und zeitweise ganz zu prägen auf, und es drang dann massenweise schlechtes 
fremdes Geld, hauptsächlich holländisches und französisches, ein; schweres gutes Geld 
prägte man wenig; übermäßig leichtes da und dort bis 1837. 
Der eigentliche Kern des Ubels war die Unklarheit über die Art der Aufbringung der 
hohen Prägungskosten, die sich zwar bei der Goldmünze damals schon auf nur 0,6 Prozent, 
bei der silbernen Großmünze aber auf 1,5—3 Prozent, bei den kleinen Münzen aber 
auf 8—28 Prozent des Wertes der geprägten Münze stellte. Sie aufzubringen war 
am einfachsten, wenn man alle Münzen, entgegen der Münzordnung und dem Preis 
des Barrengeldes, entsprechend leichter prägte. Selbst der heftigste Eiferer gegen die 
Münzmißbräuche der französischen Könige, der Bischof Oresmius, giebt zu, daß der 
Ersatz der Prägekosten und ein mäßiger Gewinn erlaubt sein müsse. Die Münzherren 
konnten auch damals noch zur Prägung nur durch den Münzgewinn gelockt werden. 
Es war ja auch theoretisch nicht falsch, wenn man sagte, die geprägte Münze müsse 
um die Prägekosten wertvoller sein. Sehr oft hatte die Münze auch einen solchen 
Seltenheitswert gegen Barren, daß ihre höhere Ausgabe gelang. Schlimm war nur 
immer, daß die Grenze diefses Gewinnes zunächst verschleiert werden konnte, indem man 
nicht auf der Münze bemerkte oder bekannt machte, um wie viel leichter und weniger 
fein man sie geprägt hatte. Unendlich viel komplizierter als früher war die Frage 
jetzt dadurch geworden, daß man so verschiedener Münzen mit so verschiedenen hohen 
Prägekosten bedurfte. Und diese Münzen sollten ein System bilden; der Groschen sollte 
12 Pfennige, der Goldgulden 240 Pfennige wert sein. Wie war das zu erreichen, wenn 
man die Sorten verschieden leicht, entsprechend den Kosten prägte. Wie konnte man fest— 
stellen, welche Summen großer, mittlerer und kleiner Münzen der Verkehr ohne Ent— 
wertung bei leichterer Prägung aufnahm. Die Münzordnungen und Anweisungen für die 
Münzbeamten und Münzwardeine enthalten seit Ende des 14. Jahrhunderts eingehende 
Bestimmungen, sie gehen auch meist von der richtigen Thatsache aus, daß man damals 
Großgeld bis zu 0,6—8 Prozent, Kleingeld nur zu viel höheren Kosten herstellen 
könne; aber sie bestimmten nicht, wo das Groß-, wo das Kleingeld Gültigkeit habe; 
fie hatten über die Frage, ob und was die Regierung allein oder in Konkurrenz mit 
Privaten prägen sollte, wann und wo Private in den fürstlichen Münzen prägen dürften, 
wie man die Münzpächter genau kontrollieren müsse, noch keine oder keine ausreichenden 
Vorstellungen. Sie wußten noch kein Mittel, wie der Schlagschatz mit einer guten, 
soliden Prägung in Einklang zu bringen sei. Und so dauerten fast überall die zu großen 
Gewinne in der Münzprägung fort. An einzelnen Punkten bildete sich ein förmliches 
fiskalisches Raubsystem aus; wo die Regierungen sich nichts zu Schulden kommen 
ließen, thaten es vielfach die Münzmeister und Münzpächter. Trotz der besten Gesetze 
wurde immer wieder zu leicht geprägt, zumal die kleine Münze, die nicht so zu kon— 
trollieren war. Und es entstand nun faft überall ein Agio, ein Mehrwert der großen 
Münze berechnet in der kleineren; ja es bildeten sich häufig selbst in den Gebieten mit 
besserem Münzwesen drei und mehr verschiedene Zahlungsweisen oder Währungen, je 
nach dem verschiedenen Kurswert der verschiedenen Münzgattungen. So z. B. auch in 
Venedig und Florenz. Die eine Münze wird nicht mehr für die andere genommen; 
in den Verträgen wird häufig die Münzsorte ausgemacht; immer neue amiliche Val— 
vationen versuchen, das Schwankende in den Relationen zu beseitigen; nach wenigen 
Jahren passen fie nicht mehr. Nachdem die deutsche Munzordnung von 1558 mit faft 
barbarischer Strenge die Prägekosten und den Schlagschatß bis zur Münze von Ns fi. 
herab auf 2,04 Prozent, sür die kleine Münze auf 86,25 Prozent fixriert hatte, war
	        

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Verkehr, Handel Und Geldwesen. Wert Und Preis. Kapital Und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung. Duncker & Humblot, 1904.
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