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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel III. Der Marxismus. 
537 
c) Der marxistische Sozialismus unterscheidet sich yon den 
früheren sozialistischen Richtungen dadurch, daß er ausschließlich 
Sozialismus der Arbeiterklasse sein will. Dieser Zug gibt ihm sein 
besonderes Gepräge, und in ihm liegt seine Stärke. Nur so läßt sich 
verstehen, daß er seine ganze Anziehungskraft bewahrt hat und unter 
immer neuen Formen auflebt, — trotzdem von den Theorien seines 
Begründers nicht mehr viel aufrecht steht, wie wir noch sehen 
werden, — während alle anderen sozialistischen Systeme in Mißkredit 
geraten und in nichts zerronnen sind. 
Die Sozialisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts umfaßten 
in weitherziger Humanität alle Menschen, ohne Unterschied zwischen 
Arbeitern und Bürgern. Wie wir gesehen haben, rechneten Owen, 
Saint-Simon und Foueieb sogar auf die Reichen, auf die besitzenden 
Klassen, um die Gesellschaft der Zukunft zu gründen. Nichts der 
gleichen aber gilt für den Marxismus. Mit der äußersten Heftigkeit 
verwirft er jedes Einverständnis und sogar jedes zeitweilige Überein 
kommen mit der Bourgeoisie, worunter er nicht nur die Kapitalisten, 
sondern auch die Intellektuellen*) und „den ganzen Oberbau der 
Schichten versteht, die heute die offizielle Gesellschaft darstellen“. 
Für ihn ist der wirkliche Sozialismus nichts anderes, als die Gesamt 
heit der Interessen der Arbeiterklasse, und seine vollständige Ver 
wirklichung ist nur dadurch möglich, daß sie endgültig zur Macht gelangt. 
Zweifellos kann man sagen, daß zu jeder Zeit der Sozialismus 
nur die Anklage der Armen gegen die Reichen gewesen ist, aber 
diese Anklage hatte auf dem Boden der ausgleichenden Gerechtig 
keit begonnen und mußte infolgedessen unentschieden bleiben. Mit 
dem Marxismus wird dieser Antagonismus zu einem wissenschaft 
lichen Gesetz unter dem Namen Klassenkampf erhoben — Arbeiter 
klasse gegen Kapitalistenklasse, was nicht dasselbe ist, wie Arme 
gegen Reiche, denn es handelt sich hier nicht um einen qualitativen, 
sondern um einen konstitutiven Unterschied. Klassenkampf! ein 
Feldgeschrei, das nicht wenig zum Erfolg des Marxismus beigetragen 
hat, denn auch die, die kein Wort von seinen Theorien verstehen 
(also ungefähr die Gesamtheit der Arbeiterklasse), können diese 
Formel nicht vergessen; sie genügt, den Dampf stets unter Druck 
zu halten. 
’) Kommunistisches Manifest. Man beabsichtigt nicht, die Intellektuellen 
ganz zum Verschwinden zu bringen, sondern sie in die Kolle von Lohnempfängern 
hinabzudrücken. „In der marxistischen Auffassung wird die Revolution von den 
Produzenten (was sicherlich die nur mit der Hand Arbeitenden heißen soll) ge 
macht, die, an die Ordnung der Werkstatt in der Großindustrie gewöhnt, die In 
tellektuellen als einfache Angestellte verwenden werden, deren Aufgabe die Er 
füllung möglichst wenig zahlreicher Arbeiten sein wird“ (Sobel, Decomposition 
du Marxisme, S. 51).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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