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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel IV. Die auf dem Christentum beruhenden Lehren. 
553 
Diese Schulen unterscheiden sich aber nicht minder vom Sozia 
lismus, selbst wenn sie ihn in der Heftigkeit ihrer Anathemata gegen den 
Kapitalismus und die bestehende wirtschaftliche Ordnung übertreffen. 
Der Unterschied liegt darin, daß sie nicht, wie er, glauben, es genüge, 
die wirtschaftlichen Bedingungen und das Milieu zu ändern, um eine 
neue Gesellschaft zu schaffen, — nein, zur gleichen Zeit muß auch 
das Individuum geändert werden. Denen, die ihn fragten, wann das 
Reich Gottes kommen werde, antwortete Christus: „Das Reich Gottes 
kommt nicht mit äußerlichen Gebärden . . . Das Reich Gottes ist 
inwendig in Euch“ 1 ), womit er sagen wollte, daß die soziale Ge 
rechtigkeit erst herrschen werde, wenn sie zuvor in den Herzen ver 
wirklicht sein wird. Der christliche Sozialismus darf daher nicht mit 
der Auffassung der freiheitlichen Sozialisten oder sogar der Assozialisten 
verwechselt werden, da diese glauben, der Mensch sei von Natur gut und 
nur durch die Zivilisation verderbt, und ebensowenig mit dem marxisti 
schen Kollektivismus, der als Grundlage den historischen Materialismus 
und den Klassenkampf hat. Und wenn auch einige der christlichen 
Schulen bereit sind, mit dem Staatssozialismus sympathisch zusammen zu 
arbeiten, so kommt doch die zwingende Einmischung der Staatsgewalt 
bei ihnen erst an zweiter Stelle, da für sie die familienmäßige, 
die korporative oder die kooperative Assoziation an erster Stelle 
stehen. Wie könnte dies auch anders sein, da jede Kirche, schon 
auf Grund der Bedeutung des Wortes, eine Assoziation ist. Vor 
allen anderen ist dies die römisch-katholische Kirche, und was man 
auch sonst über sie denken möge, sie ist jedenfalls die großartigste 
und die am festesten zusammengefügte Assoziation, die jemals unter 
den Menschen bestanden hat, da sie durch die Bande einer Solidarität, 
die sogar das Grab nicht lösen kann, die Ecclesia militans hier unten 
und die Ecclesia triumphans dort oben, hier die Lebenden umfaßt, 
die für die Toten beten, und dort oben die Heiligen, die für die 
Sünder eintreten. 
Vom Gesichtspunkte ihrer Gesellschaftskonstruktion aus aber 
entziehen sich diese Schulen jeder Klassifizierung. Man kann freilich 
sagen, daß sie alle eine Gesellschaft erstreben, in der alle Menschen 
als Söhne des gleichen himmlischen Vaters 3 ) Brüder sein werden. Aber 
(Social Evolution von Kinn) überträgt der Verfasser die darwinistische Theorie 
ins Christliche. Nach ihm sind der Kampf ums Leben und die natürliche Auswahl 
Wohl Triebfedern des Fortschrittes. Aber der Kampf und die Auswahl vollziehen 
sich zwischen denen, die bereit sind, ihre individuellen Interessen dem Interesse der 
Allgemeinheit zu opfern, und die Religion ist die einzige zwingende Gewalt, die ein 
derartiges Opfer auferlegen kann. 
*) Luk. Evgl. 17. 20—21. 
2 ) Nicht ein Christlich-Sozialer, sondern der Gründer des Positivismus, Auguste 
Comte, hat gesagt: „Die ursprüngliche Gleichheit der Menschen ist nicht eine auf
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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